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Die Deutsche Bahn hat erstmals einen ICE zum Weitertransport von Flüchtlingen genutzt.

DB reagiert auf Flüchtlingsandrang

Deutsche Bahn räumt erstmals regulären ICE für Flüchtlinge

München - Angesichts des Flüchtlingsandrangs hat die Deutsche Bahn erstmals einen regulären ICE zum Weitertransport von Flüchtlingen eingesetzt.

Die Passagiere der Verbindung München-Berlin mussten auf andere Züge umbuchen, wie der Präsident der Regierung von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, am Sonntag in München vor Journalisten sagte. "Die aktuelle Situation birgt solche Herausforderungen". Bisher hatten nur Sonderzüge Flüchtlinge transportiert. Angesichts des anhaltenden Eintreffens neuer Flüchtlinge habe es aber "keine Reserve" mehr gegeben, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Das Unternehmen entscheide nach Anfragen von Behördenseite, inwieweit Personal und Züge verfügbar seien. Es helfe, damit die Ankömmlinge in München "menschenwürdig ans Ziel kommen".

Ticker zur Flüchtlingslage

Laut Bahn war am Sonntag zunächst nur ein Zug betroffen, ein ICE von München über Leipzig nach Berlin. Nach Angaben der Sprecherin wurde für die gebuchten Passagiere die Zugbindung aufgehoben; sie konnten demnach auf jeden anderen Zug umsteigen. Der betroffene ICE sei bereits "früh" als ausfallender Zug im Auskunftssystem gekennzeichnet worden. Die derzeitige Lage habe "Härten im Reiseverkehr", sagte Hillenbrand. Aus humanitären Gründen sei dies aber nicht anders zu lösen. Laut Hillenbrand sollen auch am Montag Regelzüge mit Flüchtlingen besetzt werden. Zur genauen Anzahl und den betroffenen Verbindungen wollte er sich nicht äußern. Die Deutsche Bahn erklärte, sie entscheide "operativ", ob weiter reguläre Züge für die Weiterreise von Flüchtlingen eingesetzt würden. In München waren auch am Wochenende erneut tausende Flüchtlinge eingetroffen. Laut Hillenbrand zählte die Stadt seit dem 31. August insgesamt 63.000 Ankömmlinge.

Dobrindt: "Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht"

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht Deutschland bei der Aufnahme von Flüchtlingen am Limit. „Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht, dieses Signal muss unmissverständlich ausgesendet werden“, erklärte der CSU-Politiker am Sonntag in Berlin. „Wir werden lange brauchen, um die bereits bestehende schwierige Lage zu ordnen. Jetzt sind wirksame Maßnahmen nötig, um den Zustrom zu stoppen.“

Dazu gehöre Hilfe für diejenigen Länder, in die die Flüchtlinge in ihrer Not als erstes geflohen seien, sowie eine wirksame Kontrolle der deutschen Grenzen - „weil auch wegen des Totalversagens der EU der Schutz der EU Außengrenzen nicht mehr funktioniert“. Deutschland helfe bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise seit Monaten um ein Vielfaches mehr als alle anderen Länder in Europa, betonte Dobrindt.

Mehr als 2300 Schleuser seit Jahresbeginn festgenommen

Seit Jahresanfang sind in Deutschland bereits mehr als 2300 Schleuser festgenommen worden. Bis zum 8. September wurden 2336 Schleuser und damit 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum festgenommen, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte und damit einen Bericht der "Bild am Sonntag" bestätigte. Die meisten Festgenommenen kamen demnach aus Ungarn, Rumänien und Syrien. Angesichts der deutlich gestiegenen Zahl forderte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), alles zu tun, um gegen die organisierte Schleuser-Kriminalität vorzugehen. "Spätestens nach dem schrecklichen Erstickungstod der Menschen in dem Kühllaster in Österreich muss jedem klar sein, dass die Schleuser auf menschenverachtende Weise Profit über menschliches Leben stellen", sagte der Minister der Zeitung. Es müsse alles getan werden, "um vor allem auch die Drahtzieher zur Verantwortung zu ziehen und deren übelste Machenschaften zu unterbinden." Auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hob hervor: "Wer Menschen in Transporter einschweißt, muss die ganze Härte des Gesetzes spüren." Er betonte: "Das sind mehrfache Mörder!" Der Bundespolizei in Freyung in Bayern zufolge werden derzeit immer noch täglich zwischen fünf und zehn Schleuser festgenommen.

AFP/dpa

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