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Merkur-Redakteur Dirk Walter

Merkur-Kommentar

Deutsche Flüchtlingspolitik: Megaaufgabe Integration

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Die Erstaufnahme der Flüchtlinge hat Deutschland teils mit Ach und Krach, im Ganzen aber gut bewältigt. Nun folgt die zweite Aufgabe, die schwerer sein dürfte: die Integration der Neuankömmlinge. Ein Kommentar von Dirk Walter.

Da ist es mit einem demonstrativen Bekenntnis zum Grundgesetz, das die CDU und ihr kleiner Partner CSU den Flüchtlingen abverlangen wollen, wohl nicht getan. Darüber, ob Integration gelingt, entscheiden doch eher die harten Fakten: Schule, Wohnung, Arbeit. Problem erkannt, Problem gebannt – das zählt hierbei. Eine aktuelle Notlage, über die immer mehr Kommunen klagen: Anerkannten Asylbewerbern droht die Obdachlosigkeit, weil sie die Erstaufnahmestätten verlassen müssen. Fast muss man froh sein, dass das Flüchtlings-Bundesamt so langsam arbeitet. Sonst gäbe es Massen-Obdachlosigkeit. Trotzdem muss man sich schnell etwas einfallen lassen.

Ein zweites Integrationsfeld ist die Schule. Dass die Flüchtlinge schnell Deutsch lernen müssen, ist Voraussetzung für Integration. Aber Philologen-Chef Schmidt hat schon Recht: Es wäre verkehrt, in den jungen Flüchtlingen nur ein willkommenes Arbeitskräftereservoir für zweitklassige Jobs zu sehen. Nichts gegen die Mittelschule – aber nicht alle Flüchtlingskinder dürfen nur dort landen, sonst drohen neue soziale Schieflagen. Vielmehr gilt es, auch die weiterführenden Schularten für diese Kinder zu öffnen.

Über das Wie darf diskutiert werden. Zum Beispiel auch darüber, ob ein neun- oder ein achtjähriges Gymnasium die Aufnahme begabter Flüchtlingskinder besser bewältigt. Oder sind nicht die berufsorientierten Realschulen dafür geeigneter? Es ist übrigens auch schade, dass das Stiftungswesen in Deutschland unterentwickelt ist – denn die Förderung dieser Talentreserve wäre ein tolles Betätigungsfeld. Hier gäbe es viel zu tun. Katastrophengeschrei ist dabei aber eher hinderlich.

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