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Ein Jahr lang schon sitzt ein 73-jähriger Deutscher ohne Anklageschrift in türkischer U-Haft.

73-Jähriger in Gefangenschaft

Deutscher in türkischer U-Haft - Seine Tochter: Es geht ihm schlecht

Ein Jahr lang schon sitzt ein 73-jähriger Deutscher ohne Anklageschrift in türkischer U-Haft.

Istanbul - Der Streit zwischen Washington und Ankara über einen in der Türkei festgehaltenen US-Pastor wirft auch ein Schlaglicht auf das Schicksal der weiter in der Türkei inhaftierten Deutschen.  Es gehe ihm nicht gut, sagt Zehra Der Altayli, die Tochter des 73-jährigen Enver Altayli, der seit einem Jahr in türkischer Untersuchungshaft sitzt. Sie hofft, dass der Druck auf die Türkei wegen eines dort festgehaltenen US-Pastors auch ihrem Vater hilft. Sie hofft nun, dass die Bundesregierung weiter Druck ausübt, um ihren Vater und andere deutsche Häftlinge in ähnlicher Lage freizubekommen.

Tochter: „Es geht ihm schlecht.“

Altayli sitzt wegen Terrorvorwürfen im Hochsicherheitsgefängnis Sincan in Ankara ein - immer noch ohne Anklageschrift, wie die Tochter betonte. Er sei weiter in Einzelhaft. Es gehe ihm schlecht. Atayli war im vergangenen Jahr in Antalya festgenommen worden, wo die Familie eine Ferienanlage betreibt. Nach dem Protokoll der Gerichtsverhandlung zur Untersuchungshaft wird er verdächtig, für die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen Straftaten begangen zu haben. Altayli weist alle Vorwürfe zurück. Die Türkei macht Gülen für den Putschversuch von 2016 verantwortlich.

„Wir haben Angst, dass ihm was passiert, während er in Einzelhaft ist und niemand hinschaut“, sagte die Tochter. Ihr Vater habe sehr abgenommen, sein Blutdruck sei hoch, und er habe Schilddrüsen- und Magenprobleme. „Er hatte schon zwei Magenblutungen in seinem Leben. Eine weitere würde er vielleicht nicht überleben, sagen die Ärzte.“ Die Tochter fordert, dass die Haftbedingungen des Vaters gelockert werden und sein Status als „gefährlicher Häftling“ geändert wird.

Maas: Freilassung eines US-Pastors würde „die Lösung der wirtschaftlichen Probleme“ vereinfacehn

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hatte am Montag Ankara die Freilassung des amerikanischen Pastors nahegelegt. Andrew Brunson steht wegen Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest. Der US-Pastor war im Oktober 2016 in der Türkei festgenommen worden. Um den Druck auf die Türkei zu erhöhen, hatte US-Präsident Donald Trump am Freitag einige Strafzölle gegen die Türkei verdoppelt. Die türkische Lira brach daraufhin auf neue Tiefstände ein.

Die Freilassung des Pastors würde „die Lösung der wirtschaftlichen Probleme“ der Türkei erheblich vereinfachen, sagte Maas. Der SPD-Politiker verwies darauf, dass auch deutsche Staatsbürger aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert seien. Es sei wünschenswert, wenn die Türkei nicht nur den Fall Brunson, sondern auch die deutschen Fälle lösen würde.

Prozesse werden möglicherweise künstlich in die Länge gezogen

„Es ist gut, dass der Außenminister die Deutschen in türkischen Gefängnissen angesprochen hat“, sagte Zehra Der. Am 20. August wird Enver Altayli genau ein Jahr in Haft sein. Zweimal habe schon der Staatsanwalt gewechselt, jetzt sei der dritte dran. Jeder Wechsel verlängere den Prozess. „Ich glaube, das wird systematisch so gemacht. Denn jedes Mal, wenn wir nach einer Anklageschrift oder dem Prozess fragen, können die Staatsanwälte sagen, dass sie noch neu sind oder sich noch einlesen müssen“, sagte sie.

Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren sind auch Dutzende Deutsche festgenommen worden. Das hatte zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara geführt. Nach offiziellen Angaben aus der vergangenen Woche sitzen derzeit noch sieben Deutsche aus „politischen Gründen“ in Haft. Ihr Schicksal wird unter anderem Thema bei einem Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland Ende September sein.

dpa

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