Eine Frau sitzt auf einer Besucherpromenade in Schleswig-Holstein in einem Strandkorb.
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Eine Frau sitzt auf einer Besucherpromenade in Schleswig-Holstein in einem Strandkorb. In der Region laufen Corona-Modellprojekte.

Corona-Restriktionen lockern?

Ministerpräsident pocht auf Hotelöffnungen für Geimpfte und Getestete - Modellprojekte laufen bereits

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Weniger Corona-Einschränkungen für Geimpfte? Darüber wird derzeit heftig debattiert. Aus Schleswig-Holstein kommt nun ein Vorschlag für die Tourismusbranche.

Kiel - Eine der in Deutschland größten aktuellen Corona-Diskussion dreht sich um Lockerungen der Maßnahmen für geimpfte, getestete und genesene Menschen. Einzelne Länder haben bereits Geimpfte mit Corona-Getesteten gleichgestellt und eigenständig Verordnungen angepasst. Die Bundesregierung will zeitnah ebenfalls einen Vorschlag für neue Regelungen machen.

Derweil denkt der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), noch einen Schritt weiter. Er pocht auf eine schnelle Regelung für Hotelöffnungen in Deutschland. „Wir haben uns schon bei der Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März dafür eingesetzt, Beherbergungsbetriebe zu öffnen. Die sind kein Treiber von Pandemie“, sagte er gegenüber dem Tagesspiegel. „Und je schneller wir dann auch Öffnungsschritte machen können, desto besser.“

Hotelöffnungen für Geimpfte und Getestete: Daniel Günther macht Vorschlag

Im Kopf hat er dabei solche Szenarien: Familien, die künftig mit einer Mischung aus einem Impfnachweis der Eltern und einem Corona-Testnachweis älterer Kinder beispielsweise Urlaub in Hotels an der Nordsee machen könnten. „Diejenigen, die noch nicht geimpft [sind], müssen dann einen Test machen. Der Schutz der Anderen wird durch unterschiedliche Instrumente erreicht“, zitiert die Zeitung ihn weiter.

Schleswig-Holstein ist eine beliebte Touristenregion in Deutschland. Doch die Branche hat in den Corona-Monaten hart zu kämpfen. Laut Robert Koch-Institut liegt die Sieben-Tage-Inzidenz am Samstag (1. Mai) bei 61,5. Das ist im Bundesländer-Vergleich der niedrigste Wert. Auch deswegen finden derzeit bereits erste Modellprojekte in der Region statt, die die Rückkehr des Tourismus ermöglichen sollen. Und laut Günther laufen sie sehr erfolgreich. „Wir haben jetzt erst einmal die Schlei-Region und Eckernförde für touristische Projekte geöffnet mit hunderten Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätzen.“ Dabei würden die Gäste mehrfach getestet. „Unter den über 10.000 Tests in beiden Regionen hatten wir zwei Hände voll Positive. Die Mehrheit davon waren Einheimische und nicht Touristen.“

Und am Samstag startete als nächstes das Modelprojekt Nordfriesland, wozu ebenfalls die beliebte Insel Sylt gehört. „Auch dort werden viele Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen mit Testung“, unterstrich Günther.

Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, bei einer Sitzung des Landtags.

Das Angebot werde stärker angenommen, als erwartet. Das führt Günther auf die fehlenden Alternativen in Deutschland zurück. In dem Interview erinnert Günther auch noch einmal daran, was die Gesellschaft für Aerosolforschung gesagt habe: Dass draußen Infektionen „nahezu ausgeschlossen“ seien. „Und am Strand ist man ja nun in der Regel an der frischen Luft“, fügte Günther hinzu.

Corona-Restriktionen für Geimpfte lockern? Bund sitzt an Verordnung

Mit der geplanten Verordnung der Bundesregierung sollen Geimpfte und Genesene schlicht Grundrechte zurückbekommen, die durch die Corona-Maßnahmen eingeschränkt werden. Die AFP berichtet über einen Verordnungsentwurf des Bundesjustizministeriums, der der Nachrichtenagentur vorliege. Demnach sollen für Geimpfte und Genesene etwa Ausnahmen bei Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen gelten. Der geplanten Verordnung zufolge greifen die Begrenzungen für private Zusammenkünfte nicht, wenn daran „ausschließlich geimpfte Personen und genesene Personen teilnehmen“. Erleichterungen bei Hotel-Übernachtungen oder ähnlichem sind demnach zunächst nicht geplant.

Zur Erklärung: Geimpft ist der geplanten Verordnung zufolge „eine asymptomatische Person, die im Besitz eines auf sie ausgestellten Impfnachweises ist“. Der vollständige Impfschutz besteht 14 Tage nach der letzten Impfung - bei drei der vier zugelassenen Impfstoffe sind zwei Impfungen notwendig. Wer eine Coronavirus-Infektion hinter sich hat, braucht entsprechend einen Genesenen-Nachweis. Die vorherige Infektion muss durch einen PCR-Test nachgewiesen werden, der mindestens 28 Tage sowie höchstens sechs Monate zurückliegt. (cibo/AFP)

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