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Neue DIN-Norm fürs Buchstabieren? Institut plant Änderungen - wegen Mangel an Frauennamen

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Eine Buchstabiertafel aus einem Potsdamer Telefonbuch aus dem Jahr 1964 ist in der Bibliothek des Museums für Kommunikation Berlin zu sehen
Das Deutsche Institut für Normung will das Buchstabier-Alphabet verändern. Vornamen könnten beim Buchstabieren bald durch Städtenamen ersetzt werden. © Christoph Soeder/ dpa

In den vergangenen Jahren wurde die Kritik am deutschen Buchstabier-Alphabet immer lauter. Deshalb soll jetzt eine neue Norm mit Städtenamen eingeführt werden.

Berlin - Bald könnte Schluss sein mit „C wie Cäsar“ und „E wie Emil“: Das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeitet derzeit an einer neuen Fassung der Buchstabiertafel. In den vergangenen Jahren gab es zunehmend Kritik am deutschen Buchstabier-Alphabet. Bald könnten deshalb Städtenamen den Deutschen beim Buchstabieren helfen.

Statt „Ida“ könnte dann „Iserloh“ zum Einsatz kommen und „Cäsar“ könnte durch „Cottbus“ ersetzt werden, wie das DIN in einer Mitteilung erklärt. 26 Städte in Deutschland können sich auf eine mögliche Aufnahme ihres Namens in das Buchstabier-Alphabet freuen. „Dann ist der Name unserer Stadt in aller Munde“, sagte ein Sprecher der Stadt Nürnberg der dpa, die künftig anstatt „Nordpol“ für den Buchstaben „N“ stehen könnte.

Kritik an Buchstabier-Alphabet: Ungleichgewicht bei Namen und antisemitische Vorgeschichte

Bislang werden in der Buchstabiertafel nur Vornamen genutzt. 16 davon sind Männernamen, nur sechs Frauennamen. „Das
entspricht nicht der heutigen Lebensrealität“, teilte das Institut mit. Allerdings sei es nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen ausgewogen darzustellen - und dann auch noch auf Geschlechtergleichheit zu achten. Deshalb entschied sich das Institut für Städtenamen. Damit hätten auch andere europäische Länder bereits gute Erfahrungen gemacht.

Dr. Michael Blume, der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, hat die Reform ausgelöst und freut sich über diesen Vorschlag. „Über Jahrzehnte wurde in Deutschland eine Buchstabiertafel tradiert, aus der die Nationalsozialisten alle deutsch-jüdischen Namen getilgt hatten“, erklärt er. Aus „David“ wurde 1934 „Dora“, „Nathan“ wurde durch „Nordpol“ und „Samuel“ durch „Siegfried“ ersetzt. Zwar wurde die Tafel seit 1945 einige Male überarbeitet, doch die jüdischen Namen blieben weiterhin draußen.

Vorschlag für ein neues Buchstabieralphabet des Deutschen Instituts für Normung
So könnte das deutsche Buchstabier-Alphabet nach dem Vorschlag des Instituts für Normung künftig aussehen. ©  dpa-infografik GmbH

Neue Buchstabiertafel: Städte sollen Vornamen ersetzen

Viele deutsche Städte freuen sich über die Idee. „Vom damit verbundenen Bekanntheitsgrad würden wir als vergleichsweise kleine Stadt besonders profitieren“, hieß es aus Tübingen. Viele kleinere Städte könnten damit auch an Bekanntheit gewinnen. „Wir sind überrascht, aber es ist doch schön, dass man an Unna gedacht hat“, sagte ein Sprecher der Stadt der dpa. Die Wahl dürfte dem Umstand geschuldet sein, „dass es nicht so viele Städte mit U gibt“. Zwischen den bayerischen Städten Nürnberg und Fürth führte die Idee allerdings zum Zwist.

In einem bisherigen Entwurf setzt das Institut vor allem auf Orte, die ein bekanntes Autokennzeichen oder Kennzeichen mit einem Buchstaben haben. Somit könnte „F wie Frankfurt“ oder „N wie Nürnberg“ bald in den deutschen Sprachgebrauch eingehen. Dem Institut war es wichtig, schnell zu merkende oder bereits gelernte Begriffe aufzugreifen. Dabei habe man versucht, ein Gleichgewicht zwischen westdeutschen und ostdeutschen Städten herzustellen.

Neue Buchstabier-Norm: Welche Städte könnten es werden?

Im derzeitigen Vorschlag des Instituts ist Nordrhein-Westfahlen der Spitzenreiter unter den Bundesländern: Neben Essen, Köln und Wuppertal könnten noch vier weitere Städte in die Buchstabiertafel aufgenommen werden. In Bayern sind bislang vier Städte vorgesehen, darunter auch München und Augsburg. Das Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen,
Hamburg und Sachsen-Anhalt gehen nach derzeitigem Stand leer aus.

Die Änderungen betreffen vor allem Wirtschaft und Verwaltung. Die Verwendung der neuen DIN-Norm* soll allerdings nicht verpflichtend sein. Auch Rettungsdienste, Polizei oder Luftfahrt sind von der Norm ausgenommen. Die vorgestellte Fassung ist noch ein Entwurf, Interessierte können sich noch mit Ideen und Kommentaren an das Deutsche Institut für Normung wenden. Eine endgültige Fassung wird Mitte 2022 erwartet. *Merkur.de ist ein Angebot von Ippen.Media

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