Ein Flugzeug auf einer Landebahn, davor mehrere Menschen, die in Busse steigen
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Die Flüchtlingsfamilien werden in Kassel mit Bussen von der Landebahn gebracht.

Kinder und Angehörige in Kassel gelandet

Deutschland nimmt Flüchtlingsfamilien aus Lager auf - Seehofer: „Solidarität gegenüber Griechenland“

  • vonKai Hartwig
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Innenminister Horst Seehofer verkündet die Aufnahme mehrerer Flüchtlingskinder und ihrer Familien. Man sei gegenüber einem europäischen Nachbarn in der Pflicht.

  • In Kassel landet eine Maschine mit Kindern aus einem griechischen Flüchtlingslager samt deren Familien.
  • Bundesinnenminister Horst Seehofer sieht Deutschland gegenüber Griechenland zur Solidarität verpflichtet.
  • Doch Wohlfahrts- und Hilfsorganisationen kritisieren die Bundesregierung trotz der Entscheidung.

Kassel - Ein Flugzeug mit 18 behandlungsbedürftigen Kindern aus griechischen Flüchtlingslagern an Bord ist am Freitag zusammen mit den Familien der Minderjährigen in Deutschland eingetroffen. Nach einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums landete die Maschine aus Athen mit insgesamt 83 Flüchtlingen auf dem Flughafen Kassel-Calden.

54 der aufgenommenen Menschen stammen laut Innenministerium aus Afghanistan. Zudem durften jeweils acht Personen aus dem Irak und aus den Palästinensergebieten, sieben aus Syrien und sechs aus Somalia einreisen, die allesamt zu den 18 Familien gehören.

Nach der Landung in Kassel werden die Neuankömmlinge auf die Bundesländer Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bremen, Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin verteilt. Die Aufteilung erfolgte auch unter Faktoren wie Aufnahmebereitschaft der betreffenden Länder, medizinischen Bedarf der betreffenden Menschen als auch möglichen familiären Bindungen zu bereits in Deutschland lebenden Menschen.

Innenminister Seehofer: „Wir zeigen Solidarität gegenüber Griechenland“

Bundesinnenminister Horst Seehofer zeigte sich zufrieden: „Ordnung und Humanität gehören für mich in der Migrationspolitik eng zusammen.“ Der CSU-Politiker hob die europäische Verantwortung der Bundesrepublik hervor. „Gleichzeitig zeigen wir Solidarität gegenüber Griechenland.“ Im Hinblick auf eine gemeinsame europäische Asylpolitik sei solche „Solidarität mit den Staaten an der Außengrenze unverzichtbar“.

Auch von den Vereinten Nationen wurde die Entscheidung der Bundesregierung, die minderjährigen Flüchtlinge und ihre Familienangehörigen aufzunehmen, begrüßt. „Das ist ein wichtiger Tag für die teils schwerkranken Kinder und ihre Familien, die aus einer unerträglichen Situation, die wir leider in Europa erleben müssen, erlöst wurden“, sagte der Repräsentant des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge in Deutschland (UNHCR), Frank Remus, AFP. Und mahnte gleichzeitig, man müsse Griechenland auch unter Beteiligung anderer EU-Staaten künftig deutlich stärker entlasten, um es durch „europäische Lösungen“ zu schaffen, „die humanitäre Not zu beenden“.

Positiv ordnete auch SPD-Chefin Saskia Esken die Aktion ein. „Ich bin all denen dankbar, die daran mitgewirkt haben, dass die im Koalitionsausschuss vereinbarte Aufnahme von 1.000 besonders hilfsbedürftigen Flüchtlingen aus Griechenland jetzt Zug um Zug erfolgt“, sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Hilfsorganisationen kritisieren Bundesregierung: Deutschland muss deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen

Dagegen sehen Wohlfahrts- und Hilfsorganisationen die Aufnahme der Flüchtlinge vor dem Hintergrund der Gesamtzahlen als unzureichend an. „Angesichts der katastrophalen Situation der Menschen in den Flüchtlingslagern in Griechenland muss Deutschland sich bereit erklären, mehr Menschen, insbesondere Kinder, aus Griechenland aufzunehmen“, kritisierte Maria Loheide vom evangelischen Sozialverband Diakonie.

In eine ähnliche Richtung äußerte sich Christoph Waffenschmidt von World Vision. „Angesichts von mehr als 30.000 Schutzsuchenden allein auf den griechischen Inseln kann die Aufnahme einiger hundert Menschen nur ein Anfang sein“, meinte Waffenschmidt. Vor Ort herrschten „menschenunwürdige Zustände“. Jedoch sei der aktuelle Flug aus Athen wenigstens „ein positives Signal“.

Die Migrationsexpertin Sophia Eckert von der Organisation Save the Children erinnerte daran, dass die deutschen Bundesländer zuvor ihre Bereitschaft zur Aufnahme von rund 2.100 Menschen erklärt hätten.

In naher Zukunft will Deutschland gemäß einer Entscheidung der Bundesregierung insgesamt 243 medizinisch behandlungsbedürftige Kinder aus Griechenland im Rahmen einer europäischen Hilfsaktion aufnehmen. Auch sogenannte Kernfamilien, also Eltern und Geschwister, sollen einreisen dürfen. Die Erste Gruppe aus 47 Kindern und Jugendlichen war Mitte April in Deutschland eingetroffen, gefolgt von sechs weiteren jungen Menschen, die zunächst wegen Gesundheitsproblemen den Flug nicht antreten konnten. (kh/afp)

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