+
Offene Wirtschaft, lasche Kontrollen - In Deutschland ist das Entdeckungsrisiko dubioser Finanzströme gering. Die Bundesrepublik gilt daher einer Studie zufolge als Eldorado für Geldwäsche. Foto: Patrick Pleul/Symbolbild

Geldwäsche in Deutschland vor allem im Nicht-Finanzsektor

Eine offene Wirtschaft und lasche Kontrollen - für Experten gilt Deutschland als Eldorado für Geldwäsche im Nicht-Finanzsektor. Eine Studie für das Finanzministerium zeigt, dass das Entdeckungsrisiko gering und der Umfang dubioser Finanzströme weit größer ist.

Berlin (dpa) - In Deutschland bleiben nach einer Studie vor allem Geldwäsche-Deals außerhalb des Finanzsektors unentdeckt. Das "Dunkelfeld", zum Beispiel bei Immobiliengeschäften, im Autohandel oder auf den Kunstmarkt - ist demnach auf mindestens 15.000 bis 28.000 Verdachtsfälle jährlich zu schätzen.

Das wäre ein Großteil aller illegalen Geschäfte und weit mehr als die tatsächlichen Anzeigen, wie aus dem Monatsbericht des Finanzministeriums hervorgeht. Insgesamt dürfte sich das Geldwäschevolumen in Deutschland - einschließlich Gastronomie und Glücksspiel - bei mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr bewegen. Das wäre etwa doppelt so viel wie die bisher angenommene Summe.

Das geschätzte finanzielle Volumen der nicht gemeldeten Verdachtsfälle sei erheblich, heißt es unter Berufung auf eine Studie von Prof. Kai-D. Bussmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg für das Finanzministerium. Es dürfte allein im Nicht-Finanzsektor 20 Milliarden bis 30 Milliarden Euro umfassen. "Das gesamte Geldwäschevolumen des Finanz- und Nicht-Finanzsektors Deutschlands zusammengenommen dürfte daher 50 Milliarden Euro übersteigen und sich wahrscheinlich in der Größenordnung in Höhe von über 100 Milliarden Euro jährlich bewegen."

Das Finanzministerium hatte jüngst Lücken im Kampf gegen Geldwäsche auf Ebene der Bundesländer eingeräumt. In Deutschland sind die Bundesländer für die Kontrolle im Nicht-Finanzsektor zuständig- also für Immobilien- und Baugeschäfte, Kfz-, Boots- und Yachthandel sowie Geschäfte mit Schmuck und Kunst. Anfällig sind auch bargeldintensive Hotel- und Gastronomiebetriebe, die als Deckmantel zur Geldwäsche betrieben würden. Den Finanzsektor überprüft die Aufsicht Bafin.

Die Studie zeige, dass Deutschland aufgrund seiner Attraktivität als Wirtschaftsstandort ein erhöhtes Geldwäscherisiko aufweise. Die Gelder kämen zu einem großen Teil auch aus dem Ausland. Als Gegenmaßnahme werde unter anderem ein Höchstbetrag bei der Bezahlung mit Bargeld vorgeschlagen. Zudem müsse der "Geldwäscheprävention in der gesamten den Bundesländern unterliegenden Aufsicht des Nicht-Finanzsektors in Deutschland ein sehr viel größerer Stellenwert eingeräumt werden als bisher".

Monatsbericht

Antwort Bundesregierung auf Grünen-Anfrage

Grünen-Anfrage Quellensteuer

Schattenfinanzindex 2015 (Englisch)

Schattenfinanzindex Report zu Deutschland (Englisch)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Beobachter: Neun Tote bei israelischem Angriff in Syrien
Israles Luftwafffe soll syrischen Angaben zufolge einen iranischen Stützpunkt in der Provinz Aleppo attackiert haben. Die Rede ist von mehreren getöteten Menschen.
Beobachter: Neun Tote bei israelischem Angriff in Syrien
Seehofer: Erst Umfrage-Klatsche - und jetzt lässt Schäuble seinen Masterplan prüfen
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht Innenminister Horst Seehofer indirekt für schlechte CSU-Umfragewerte verantwortlich. In der Partei gärt es nach den …
Seehofer: Erst Umfrage-Klatsche - und jetzt lässt Schäuble seinen Masterplan prüfen
Bamf will Flüchtling abschieben, obwohl ihm der Tod droht: Sätze im Asylbescheid machen sprachlos
Der Bamf-Skandal nimmt neue Fahrt auf. Neben missglückten Abschiebungen und weiteren Ermittlungen sieht sich die Behörde nun auch weiteren heftigen Anschuldigungen eines …
Bamf will Flüchtling abschieben, obwohl ihm der Tod droht: Sätze im Asylbescheid machen sprachlos
"Da tickt etwas nicht ganz ...“: Trump empört vor Putin-Treffen die Europäer
Donald Trump und Wladimir Putin treffen sich am Montag zum großen Gipfel in Helsinki. Wir berichten im News-Ticker.
"Da tickt etwas nicht ganz ...“: Trump empört vor Putin-Treffen die Europäer

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.