Medienecho

Deutschland macht die Grenzen dicht: Das sagt internationale Presse

Deutschland hat seine Schlagbäume gesenkt, um die Flüchtlingskrise zu entschärfen. Doch an den Grenzen herrscht Ausnahmezustand: Züge fahren nicht, auf den Straßen wird es eng – und am Salzburger Bahnhof spitzt sich die Lage dramatisch zu. Die internationalen Pressestimmen.

„Die Politik ist ein sehr hartes und zuweilen auch schmutziges Spiel. Und Deutschland beherrscht diese Disziplin sehr gut. Die Schließung der Grenzen führt zu unhaltbaren Bedingungen in jenen Staaten des Schengenraums, in welche die Migranten zuerst strömen. Das erhöht den Druck auf diese Staaten, einer gemeinsamen europäischen Aktion zuzustimmen, vor allem der Umverteilung mittels Quoten. Insbesondere Ungarn dürfte unter extremen Druck geraten und könnte aus der Ablehnungsfront (...) ausscheren. (...) Es bleibt zu hoffen, dass das deutsche ,Vorübergehend‘ nicht 23 Jahre andauert.“

Lidove noviny, Prag

„Mit der vorübergehenden Aussetzung der Schengen-Vereinbarungen stellt Berlin nicht die Idee eines offenen Europas in Frage, sondern holt lediglich kurz Luft. Um sich würdig um die Flüchtlinge kümmern zu können, die bereits in Deutschland sind, und um mit mehr Ruhe eine dauerhafte Lösung suchen zu können. Nach 30 Jahren die abgeschafften innereuropäischen Grenzen wieder einführen zu wollen, wäre nicht nur ein Scheitern. Es wäre auch ein großer politischer und wirtschaftlicher Fehler, der uns lange verfolgen würde.“

Les Dernières Nouvelles dÀlsace, Straßburg

„Folgt Österreich dem deutschen Beispiel, dann zieht die gesamte „Festung Europa“ ihre Zugbrücken hoch. Denn in Ungarn, Serbien, Mazedonien oder Griechenland können die Flüchtlinge nicht bleiben (...). Deshalb wäre es besser, wenn Österreich weiterhin menschlich handelt und die aus Ungarn (und möglicherweise bald aus der Slowakei und Slowenien) ankommenden Flüchtlinge aufnimmt.“

Der Standard, Wien

„Von der Euphorie zur Erschütterung. Nicht nur wegen der deutschen Entscheidung, wieder Grenzkontrollen einzuführen, was praktisch bedeutet, die Flüchtlinge auf der Straße zu lassen. Beunruhigend sind vor allem die Gründe der Entscheidung. Die deutschen Behörden haben erklärt, die Situation nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Die legendäre deutsche Organisation, die uns vor einigen Tagen mit der Sicherheit überrascht hat, mit der sie hunderte asylsuchende Flüchtlinge aufgenommen hat, hisst nun die weiße Fahne. Und jetzt? Vor allem, wo sollen die Flüchtlinge hin, die an den Grenzen gestoppt werden? Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière spricht von Wartezonen, auch in Italien. Auf Basis unserer Erfahrungen ergibt sich daraus eine trostlose Perspektive.“

La Stampa, Turin

„Mit der Entscheidung zieht die deutsche Regierung gewissermaßen die Notbremse. (...) Berlin setzt mit seinem Vorgehen die EU unter Zugzwang. Doch genauso wenig, wie der ungarische Grenzzaun Flüchtlinge davon abhält, nach Ungarn zu gelangen, werden die Asylsuchenden einfach von ihrem Wunschziel Deutschland absehen. “

Neue Zürcher Zeitung

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Abstimmung über Sommerzeit beendet: Wann gibt es das Ergebnis zur Umfrage zur Zeitumstellung?
Die EU-Kommission wollte durch eine Umfrage zur Zeitumstellung wissen, ob die Bürger die Abschaffung der Sommerzeit wollen. Wann es das Ergebnis gibt:
Abstimmung über Sommerzeit beendet: Wann gibt es das Ergebnis zur Umfrage zur Zeitumstellung?
Minister Stamp verteidigt Abschiebung vom Sami A.
Die Abschiebung des Islamisten Sami A. nach Tunesien war rechtswidrig - trotzdem verteidigt der NRW-Integrationsminister das Vorgehen. Sami A. sei eine "ernsthafte …
Minister Stamp verteidigt Abschiebung vom Sami A.
NRW-Minister Stamp „zutiefst enttäuscht“ von Seehofer - Anwältin erwartet Sami A. bald in Deutschland zurück
Der Fall Sami A. sorgt für Empörung. Im Blickpunkt: Horst Seehofer. FDP-Vize Kubicki rügt „unglaubliches Versagen“. Die zuständige Richterin sieht „die Grenzen des …
NRW-Minister Stamp „zutiefst enttäuscht“ von Seehofer - Anwältin erwartet Sami A. bald in Deutschland zurück
„Wir sind nicht der Feind des Volkes“: Mehr als 200 Zeitungen kontern Trump-Attacken
Mehr als 200 Zeitungen in den USA haben mit einer Kampagne für die Pressefreiheit auf die anhaltenden Attacken von US-Präsident Donald Trump gegen die Medien reagiert. …
„Wir sind nicht der Feind des Volkes“: Mehr als 200 Zeitungen kontern Trump-Attacken

Kommentare