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Kinder stehen zwischen Zelten in einem provisorischen Flüchtlingslager auf Lesbos. Foto: Socrates Baltagiannis/dpa

Zunächst 50 Kinder

Deutschland plant Aufnahme von minderjährigen Migranten

Die Migrantenlager auf den griechischen Ägäis-Inseln sind schon heute überfüllt und unhygienisch. Was, wenn sich dort das Coronavirus verbreitet? Deutschland und andere Staaten wollen nun zumindest Kinder, die ohne Familie unterwegs sind, davor bewahren.

Berlin (dpa) - Deutschland will in der kommenden Woche 50 unbegleitete Minderjährige aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln aufnehmen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag in Berlin erfuhr, hat die Landesregierung in Hannover zugesagt, dass sie ihre Corona-Quarantäne von zwei Wochen in Niedersachsen verbringen können. Anschließend sollen sie auf mehrere Bundesländer verteilt werden. Deutschland will dem Vernehmen nach gemeinsam mit Luxemburg, das die kurzfristige Aufnahme von 12 Kindern und Jugendlichen zugesagt hat, einen Charterflug organisieren.

Das Bundeskabinett solle die Aufnahme an diesem Mittwoch beschließen, teilte das Innenministerium am Dienstagabend mit. Darauf habe sich Minister Horst Seehofer (CSU) mit Vertretern der Fraktionen von Union und SPD im Bundestag verständigt.

Die Situation in den völlig überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Ägäis-Inseln ist ohnehin dramatisch. Ein Ausbruch von Covid-19-Erkrankungen könnte dort angesichts katastrophaler hygienischer Zustände verheerende Folgen haben, so die Befürchtung.

Deutschland will in nächster Zeit noch mehr Minderjährige aus Griechenland aufnehmen. Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hatte im März beschlossen, im Rahmen der EU-Partner Griechenland einen Anteil von insgesamt etwa 1000 bis 1500 Kindern nach Deutschland zu holen und zu betreuen. Es handelt sich laut dem Koalitionsbeschluss um Kinder, die schwer erkrankt oder unbegleitet und jünger als 14 Jahre sind.

Laut Innenministerium haben sich inzwischen insgesamt zehn EU-Staaten zur Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge von den Inseln bereit erklärt. Das sind demnach neben Deutschland noch Frankreich, Luxemburg, Portugal, Irland, Finnland, Kroatien, Litauen, Belgien und Bulgarien. Die EU-Kommission bemüht sich um die Umsetzung, also etwa die Auswahl der Kinder und die Buchung von Flügen.

"Wegen der innerstaatlichen Herausforderungen im Umgang mit der Corona-Pandemie kommt es in einigen Ländern derzeit nachvollziehbar zu Verzögerungen", schreibt das Innenministerium. "Deutschland hat jedoch die klare Erwartungshaltung, dass die Zusage dieser Länder eingehalten wird."

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