Blick auf die Kommunalwahl: Beim Thema Gleichberechtigung hat sich im Vergleich zur Vorwahl nichts verbessert hat. Unsere Karte zeigt die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl 2014/2015 - und die Sieger sind fast alle männlich.
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Blick auf die Kommunalwahl: Beim Thema Gleichberechtigung hat sich im Vergleich zur Vorwahl nichts verbessert hat. Unsere Karte zeigt die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl 2014/2015 - und die Sieger sind fast alle männlich.

Wo elf Wähler entscheidend sein können

Keine Frauen und viele Thomasse: Sieben überraschende Fakten zur Kommunalwahl NRW

  • Luisa Billmayer
    vonLuisa Billmayer
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  • Philipp David Pries
    Philipp David Pries
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Mehr Thomasse als Frauen, wahlmüde Sauerländer und eine bunte Landeshauptstadt: Eine erste Datenanalyse der Bürgermeisterwahlen bietet überraschende Einsichten aus NRW.

Kaum ist die nächtliche Auszählerei in Nordrhein-Westfalen beendet, stürzen sich die Beobachter auf die Ergebnisse. Wir haben uns für Sie durch die Daten der Bürgermeisterwahl gearbeitet. Und beschreiben hier sieben interessante und unerwartete Fakten zur Kommunalwahl aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Unter anderem: Warum bereits eine Fußballmannschaft den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen kann.

Wenn es mehr Thomasse als Frauen gibt

Von Geschlechter-Parität ist in NRW auch 2020 wenig zu spüren: Keine einzige Frau ist in den kreisfreien Städten NRWs zur Oberbürgermeisterin gewählt worden. Hingegen befinden sich nach dem ersten Wahlgang allein schon zwei Thomasse unter den Oberbürgermeistern der sieben Städte. In 15 Städten steht zwar noch die Stichwahl an. Doch selbst wenn alle Frauen, die dort antreten, gewinnen würden, wäre das Geschlechterverhältnis noch alles andere als ausgeglichen. In Aachen, Bonn*, Gelsenkirchen, Köln, Krefeld und Mülheim an der Ruhr treten Frauen bei der Stichwahl an.

Wirklich überraschend ist diese Beobachtung letztlich auch wieder nicht: Auch bei den Wahlen 2014 und 2015 gewann mit Henriette Reker in Köln* die einzige Frau in NRW eine Oberbürgermeisterwahl. Und wenn man alle knapp 400 Bürgermeister und Bürgermeisterinnen NRWs anschaut, zeigt sich, dass mit den letzten Wahlen nur rund elf Prozent der Rathäuser von Frauen geführt wurden.

Münsterländer wollen wählen, Sauerländer eher nicht

Wahlbegeisterung im Münsterland, vornehme Zurückhaltung im Sauerland: Ein beispielhafter Blick auf die Wahlbeteiligung bei den Bürgermeisterwahlen in NRW zeigt, dass der Wert in Heek mit 73,9 Prozent am höchsten ausfiel. Die hohe Wahlbeteiligung könnte auf den dörflichen Charakter durch die niedrige Einwohnerzahl zurückzuführen sein: In Heek waren nur 6.939 Menschen wahlberechtigt. Am geringsten war die Wahlbeteiligung hingegen im deutlich städtischer geprägten Lüdenscheid: Nur 40,2 Prozent der Berechtigten gaben dort ihre Stimme ab. Dies hat dort Tradition: Schon 2015 gingen nur rund 40 Prozent zur Bürgermeisterwahl.

Zwei oder drei Kandidaten, die zur Wahl stehen - das war bei den Bürgermeisterwahlen in NRW das häufigste Szenario. Doch auch der Umstand, dass ein Kandidat konkurrenzlos antritt, war keine Seltenheit: In jeder zehnten Gemeinde. Ein völlig anderes Bild zeigte sich in Düsseldorf* mit der längsten aller Kandidatenlisten. In der Landeshauptstadt bewarben sich 15 Personen um den Posten des Oberbürgermeisters. Im Vergleich zur Bayern-Wahl im Frühjahr hingegen ist das fast noch wenig, hier gab es Gemeinden mit mehr als 25 Kandidaten. Dort war es möglich, auch am Wahltag noch Kandidaten zu benennen und zu wählen.

Wenn bei einer Kommunalwahl eine Fußballmannschaft entscheidet

Wie entscheidend jede einzelne Stimme sein kann, zeigt das Wahlergebnis der Stadt Wesel. SPD-Kandidatin Ulrike Westkamp errang durch gerade einmal 38 Stimmen die absolute Mehrheit. Und Christoph Dolle, der als SPD-Kandidat in Blomberg angetreten war, fehlten 17 Stimmen für den Wahlsieg. Das knappste Duell von Nordrhein-Westfalen lieferten sich Christiane Loeb und Sacha Reichelt in Euskirchen: Mit nur 11 Stimmen Unterschied lagen die beiden Kandidaten nahezu gleichauf. Das entspricht sinnbildlich der Mannstärke einer Fußballmannschaft. Bei der Stichwahl wird sich nun zeigen, wer tatsächlich ins Rathaus einzieht.

Das eindeutigste aller Ergebnisse erzielte übrigens Berthold Bültgers in münsterländischen Wettringen. Mit 95,7 Prozent der Stimmen entschied der Bürgermeisterkandidat die Wahl eindeutig für sich. Bültgers, der mit einer Sammelliste der Parteien CDU, UWG, SPD und FDP antrat, hatte jedoch keinen Gegner.

CDU verliert erheblich, bleibt aber bei Bürgermeistern dominant

Niedergang der CDU? Trotz der Verluste im Landesergebnis waren und bleiben die Christdemokraten unter den Bürgermeistern die am stärksten verbreitete Partei. Die CDU sicherte sich 121 von 263 bereits entschiedene Wahlen. Auf Mehrfachlisten, Wählervereinigungen und Einzelbewerber entfielen 101 Kommunen. Deutlich schlechter lief es für die SPD. Die Sozialdemokraten konnten lediglich 39 Rathäuser gewinnen. Und nicht nur das: In 29 Städten und Gemeinden haben die Sozialdemokraten das Bürgermeisteramt verloren.

Immerhin stehen noch 46 Stichwahlen an, bei denen die SPD punkten könnte. FDP und Grüne siegten im ersten Wahlgang übrigens nur in jeweils einer Kommune: Enrico Eppner (FDP) entschied in Hallenberg die Wahl für sich. Und Wolfgang Josef Pieper ist nach dem ersten Wahlgang der einzige Bürgermeister der Grünen. Er behält seinen Posten in der Stadt Telgte.

Wo konnten die stärksten Parteien am meisten punkten, wo holte ihr Kandidat keinen sprichwörtlichen Blumentopf? Das zeigt eine weitere Analyse. So ist das schlechteste Ergebnis der CDU mit 11,5 Prozent in Extertal immer noch fast besser als das stärkste Ergebnis der AfD mit 12,1 Prozent in Gelsenkirchen. Wir betrachten hierbei generell alle Ergebnisse, bei denen die Kandidaten einer Partei zugehörig ist, ebenso Fälle, wo manchmal weitere Parteien sich dem Wahlvorschlag angeschlossen haben. Eine weitere Erkenntnis der Betrachtung: Wie sehr nicht nur die Parteizugehörigkeit, sondern die Person entscheidend ist, zeigt sich bei den kleineren Parteien. So errang die FDP Werte zwischen zwei und knapp 65 Prozent; sogar die Linke kann mit 20 Prozent in einer Stadt wie Hamm einen Achtungserfolg verzeichnen. Von Luisa Billmayer und Philipp David Pries. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Woher die Daten stammen, wie wir sie aufgearbeitet haben

Viele grundlegende Daten haben wir für die Wahlberichterstattung von allen knapp 400 Gemeinden automatisiert bezogen und weiterverarbeitet. Zusätzlich haben wir offizielle Quellen herangezogen. In der Folge haben wir mit verschiedenen Verfahren und Berechnungen versucht, aus der schieren Masse an Tausenden Daten die Interessantesten herauszuarbeiten: Elemente, die aussagekräftig sind und für einen übergeordneten Trend stehen. Einen allgemeinen Artikel zu unserer Wahlmethodik haben wir anlässlich der Kommunalwahlen 2020 in Bayern veröffentlicht.

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