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"Sehr respektabel": Horst Seehofer (rechts) mit Josef Schmid im Wahlkampf.

Interview nach Schmid-Pleite

Seehofer: "Die Jungen sollen was ausbrüten"

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München - Zwei Abende mit Licht und Schatten: Bei den Kommunalwahlen im März hat die CSU durchwachsene Ergebnisse eingefahren. Vor allem in den Großstädten sieht es nicht gut aus. Was nun? Fragen an Parteichef Horst Seehofer, 64.

Nach der Wahlnacht in München: Fühlen Sie Frust oder Freude?

Die Freude überwiegt, obwohl wir nicht gesiegt haben. Josef Schmid und die CSU haben bravourös gekämpft. Sie sind stärkste Fraktion in einer Stadt, wo Rot und Grün strukturell eine Mehrheit haben – das ist doch ein sehr respektables Ergebnis, auch für Josef Schmid persönlich.

Gab’s eine aufmunternde SMS an Schmid?

Ja, ich habe ihm geschrieben. Ich möchte, dass er politisch ganz vorne aktiv ist. Dass die Münchner CSU jetzt so motiviert und geschlossen ist, führe ich stark auf ihn zurück. Er ist und war der große Hoffnungsträger, das bleibt sein Verdienst.

Halt einer ohne Amt. Oder lassen Sie sich was einfallen?

Ich wünsche mir, dass er die Fraktion im Stadtrat weiter leitet. Dann werden wir sehen. Er ist ja noch sehr jung, und er hat mich überzeugt mit Verlässlichkeit, Stehvermögen, Geradlinigkeit.

Bezirkschef Ludwig Spaenle überzeugt gerade weniger. Er stand nicht glaubwürdig für Schwarz-Grün, hat als Kultusminister Ärger beim Gymnasium. Wie fest sitzt Spaenle noch im Minister-Sattel?

Bombenfest. Ich habe vor der Landtagswahl gesagt, er hat seinen Sitz sicher. Das gilt. Er ist völlig unstrittig Minister für Schule und Hochschule.

Wie gehen Sie nach der knappen Niederlage mit München um? Kürzen Sie dem neuen SPD-OB Dieter Reiter jetzt erst recht die Finanzspritzen?

Kleines Karo gehört nicht zum Stil unserer Politik. Die Landeshauptstadt wird so behandelt wie in den letzten Jahren auch: Sie ist eine Metropole von Weltrang, wir sind stolz darauf.

Sie haben auch in einigen Orten verloren. Manchmal wurden gestandene Amtsinhaber mit guter Bilanz weggefegt. Fehlen Ihnen lokal wilde Typen? Hätten Sie Kerle wie den Rasta-Schongauer insgeheim gern in der CSU?

Da möchte ich erst mal die Fakten nennen: Wir haben fünf Landräte dazugewonnen, die Zahl der Oberbürgermeister in kreisfreien Städten und großen Kreisstädten ist konstant. Wir stellen 1000 CSU-Bürgermeister, fast jeden zweiten im Freistaat, mehr als letztes Mal. Beim bösesten Willen: Da lesen Sie keinen Negativtrend raus.

Es ist ein Hin und Her. Was sollen sich die Kommunalpolitiker hinter die Ohren schreiben? Nicht streiten? Mehr kämpfen? Weniger auf Pöstchen schielen?

Geschlossenheit vor Ort. Transparenz im Handeln. Augenhöhe im Umgang mit der Bevölkerung.

Sie rechnen clever. Trotzdem: In den Großstädten verlieren Sie. Was läuft da falsch?

Wir müssen bestimmte Problemgebiete mit zeitlichem Abstand untersuchen. Die Zone Nürnberg, Fürth, Erlangen zum Beispiel: Warum gewinnen wir da den Landrat, aber in den Städten nichts? Da verlange ich eine tiefere Analyse.

Liegt das an Ihrer Parteilinie? Ist die CSU zu wenig urban, zu unmodern?

Nein. Ich hab’ die CSU in den letzten fünfeinhalb Jahren mehr modernisiert als in vielen Jahrzehnten zuvor. Das ist mir gelegentlich als Beliebigkeit und mangelnde Grundsatztreue ausgelegt worden. Aber es ist notwendig, wenn man auch in Städten erfolgreich sein will. In unserer pluralistischen Gesellschaft geht Politik nicht mehr nach dem Schema rechts/links, sondern nach der Sachfrage: richtig/falsch.

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Das ist nicht so leicht – was früher in der CSU-Lehre richtig war, ist heute falsch, Beispiel achtjähriges Gymnasium...

Bei G8 und G9 bin ich nicht festgelegt, auch wenn das behauptet wird. Mir ist sonnenklar: Die CSU muss sich da als dialogbereite Partei präsentieren, die mit den Philologen, Eltern und Schülern redet. Diese Zeit müssen wir uns nehmen.

Packen Sie jetzt das veraltete CSU-Grundsatzprogramm an?

Nach der Europawahl. Wir haben ein gutes Grundsatzprogramm, wir brauchen keine Hektik. Aber eines kann ich jetzt schon sagen: Ich werde vor allem junge Mitglieder bitten, sich mit neuen programmatischen Überlegungen zu beschäftigen. Mal nicht eingefahrene Profis, die schon Jahrzehnte Politik machen, wir werden nicht auf Namen und Posten schauen. Ich lasse mich da auf etwas vollkommen Neues ein, mit ganz jungen Leuten. Sie sollen sich mal Zeit nehmen und einen Entwurf ausarbeiten, Neues denken. Das darf provokativ sein. Was die ausbrüten, soll dann in die Partei zur Diskussion gegeben werden.

Eines wollten wir noch wissen: Freuen Sie sich auf die nächste Kreuth-Klausur, wo Sie zu Gast bei einem grünen Landrat sein werden?

Ach, ich höre, dass der ein ganz umgänglicher Mensch ist. Mit solchen Zeitgenossen habe ich nie ein Problem.

Interview: Christian Deutschländer

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