„Erschließen müsst ihr das Potenzial selbst“: Horst Seehofer und FDP-Spitzenkandídat Martin Zeil im Landtag. Foto: dpa

150 Jahre Liberale in Bayern

Seehofer: „Die Koalition mit der FDP härtet mich ab“

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München - Ministerpräsident Horst Seehofer gratuliert launig zu 150 Jahren Liberalismus - und erklärt, warum ihn 21 Jahre Koalition mit der FDP abgehärtet haben.

 Vom Partner kommt eine etwas knöcherne Liebeserklärung. 21 Jahre seines Lebens habe er inzwischen in Koalitionen mit der FDP verbracht, rechnet Horst Seehofer am Pult vor. „Das stählt. Das härtet ab.“ Er wolle aber, sagt der CSU-Vorsitzende in leichter Abwandlung eines Kohl-Zitats, dass es „in Bayern unmöglich ist, nicht von der FDP regiert zu werden“. Dass es also für immer eine Koalition geben soll.

Man darf rätseln, ob er das so meint oder nur festlich säuselt. Es ist ja Tag der warmen Worte für die kleinste Fraktion im Maximilianeum. Beim Festakt zu „150 Jahre Liberalismus in Bayern“ scheint es nur noch FDP-Freunde zu geben. „Liebe liberale Familie“, beginnt Oppositionsführer Markus Rinderspacher (SPD) sein Grußwort und outet sich als „sozialliberaler Sozialdemokrat“. Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause erzählt von damals, als sie selbst kurz FDP-Mitglied war – jeder müsse mit seiner Vergangenheit leben.

Vor exakt 150 Jahren hatte die Bayerische Fortschrittspartei, von der FDP als Urahn beansprucht, im Landtag des Königreichs eine Mehrheit. Sie lockerte ab 1863 Festgefahrenes in der Bildungspolitik und löste Ehebeschränkungen. Man darf sich durchaus an heutige Debatten um Schulreformen und Homo-Ehe erinnert fühlen. „Wir dürfen auf dem Gewesenen nicht stehen bleiben“, mahnt Fraktionschef Thomas Hacker seine Kollegen.

Für die FDP ist der Sonntagvormittag im Maximilianeum ein Tag des Durchatmens. Im Alltag kämpft sie in Bund und Land gegen Vier-Prozent-Umfragen. In den Festreden darf Hacker dafür von einer FDP-Regierung mit dem Juniorpartner CSU („in 20 Jahren“) träumen. Er erlebt sogar, dass ein CSU-Chef dem FDP-Widerstand gegen die Vorratsdatenspeicherung „Respekt“ zollt.

Dass Seehofer überhaupt beim Festakt auftritt, ist eine Stilfrage – er kam auch, sehr staatstragend, vor einigen Wochen zum 150. Jubiläum der Bayern-SPD. Tagespolitische Anmerkungen, die er den Genossen ersparte, muss die FDP aber entgegennehmen. Am Ende seines launigen Grußworts macht er den Liberalen klar, dass sie auf keine Leihstimmenkampagne hoffen sollten. Es gebe ein großes liberales Potenzial in Bayern, „erschließen müsst ihr das selbst“. Dass er die FDP als Partner wolle, habe auch eine disziplinierende Wirkung auf die CSU, sagt Seehofer: Wechselseitig könne „der Koalitionspartner benutzt werden, um die eigenen Freunde einzuhegen“. Wenn er mit seiner CSU-Fraktion nicht mehr weiterwisse, „ruf’ ich den Hacker an“.  

cd

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