Gesundheitsminister im Interview

Huber: „Lage in Bayern ist nicht beunruhigend“

  • schließen

München - Gesundheitsminister Marcel Huber verteidigt im Interview mit dem Münchner Merkur die Wartezeiten – rät aber dazu, Extremfälle zu melden.

Wie viel Unterschied ist gerecht zwischen Kassen- und Privatpatienten? Wir fragen Marcel Huber, den bayerischen Gesundheitsminister.

Herr Minister, zwickt’s irgendwo? Rücken? Ohr? Knie vielleicht?

Ja. Details unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht. (lacht.)

Wie lange musste der bayerische Gesundheitsminister auf den Termin beim Facharzt warten?

Ich bin selbst gesetzlich versichert. Natürlich bin ich bekannt, deshalb ist das sicher nicht repräsentativ. Aber ich kenne die Zahlen insgesamt. Die Wartezeit der bayerischen Versicherten ist im Bundes-Vergleich am besten. Es sind nach Daten einer bayerischen Kasse durchschnittlich 13 Tage; in Thüringen 37, in Sachsen-Anhalt 39. Das spricht für die medizinische Versorgung in Bayern.

Knackpunkt ist die Differenz: Dass laut der Grünen-Studie Kassenpatienten 17 Tage länger warten müssen. Ist das gerecht?

Zunächst mal: So eine Abfrage ist eine Momentaufnahme und enthält auch Unschärfe. Die bayerischen Ärzte achten sehr wohl darauf, dass Patienten innerhalb der medizinisch erforderlichen Zeit die notwendige Facharzt-Untersuchung bekommen. Bei Notfällen wird der Patient sofort behandelt. Die Abfrage hat ja auch ergeben, dass es bei einer großen Zahl von Praxen gar keine Unterschiede gibt. Die Lage wäre beunruhigend, wenn es an notwendigen Behandlungen fehlen würde.

Ist es legal, Privatpatienten schneller einen Termin zuzuteilen?

Wer schnell einen Termin braucht, wird schnell einen bekommen. Ich erwarte, dass die Patienten entsprechend der Dringlichkeit behandelt werden.

Ist die Frage der Arzthelferin vor der Terminvergabe nach meiner Versicherung denn überhaupt erlaubt?

Ich kenne kein Gesetz, das das untersagen würde.

Die Studie zeigt Extremfälle: 280 Tage Wartezeit bei einem Augenarzt in Kaufbeuren für den Kassenpatienten, 26 für Privatpatienten. Sollen Betroffene solche Fälle melden?

Ja, dazu würde ich auf alle Fälle raten. So etwas ist nicht in Ordnung. Dies abzustellen, ist aber nicht Sache des Ministeriums. Richtiger Ansprechpartner ist die Kassenärztliche Vereinigung.

Die Grünen sprechen von „Zwei-Klassen-Medizin“ – zu Recht?

Das sehe ich überhaupt nicht so. Man muss sich nur in Europa umsehen: Da werden Behandlungen ab einem bestimmten Alter oder bei bestimmten Versicherungen gar nicht mehr vorgenommen! In Bayern haben wir ein Gesundheitssystem, das eine hochwertige medizinische Versorgung unabhängig von Alter, Einkommen und sozialer Herkunft bayernweit garantiert. Das bieten nicht alle unserer Nachbarländer – schon gar nicht die mit Einheitsversicherung.  

Interview: Christian Deutschländer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

In Deutschland leben 12.900 Reichsbürger - und sie sind bewaffnet
Die Sicherheitsbehörden schätzen die Zahl der Reichsbürger hierzulande auf etwa 12.900.
In Deutschland leben 12.900 Reichsbürger - und sie sind bewaffnet
Labour hofft auf Machtwechsel in Neuseeland
Vor ein paar Wochen schien in Neuseeland schon alles entschieden. Die regierenden Konservativen lagen in den Umfragen klar vorn. Dann kürte Labour eine neue …
Labour hofft auf Machtwechsel in Neuseeland
Türkei fordert erneut Absage von „illegalem“ Kurden-Referendum
Die Türkei hat die kurdische Führung im Nordirak erneut zur Absage des geplanten Unabhängigkeitsreferendums aufgefordert und andernfalls mit Konsequenzen gedroht.
Türkei fordert erneut Absage von „illegalem“ Kurden-Referendum
Istanbuls Bürgermeister Topbas tritt nach 13 Jahren zurück
Nach 13 Jahren im Amt ist der Bürgermeister von Istanbul, Kadir Topbas, zurückgetreten. Der 72-jährige AKP-Politiker machte am Freitag keine Angaben zu den Gründen für …
Istanbuls Bürgermeister Topbas tritt nach 13 Jahren zurück

Kommentare