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Trauer und Verzweiflung: Die Schwestern von zwei Kindern, die bei einem Raketen-Angriff im nördlichen Gazastreifen ums Leben gekommen sind, verfolgen in Tränen aufgelöst die Beerdigung ihrer Geschwister.

Israelische Bodenoffensive im Gazastreifen

„Dies ist ein Krieg, ein echter Krieg“

Gaza - Angekündigt hat Israel eine Bodenoffensive den militanten Palästinensergruppen schon seit Tagen. Am Wochenende macht die Armee die Drohung wahr – und bescherte den Einwohnern der Stadt Gaza die schlimmste Nacht seit Beginn der Kämpfe vor mehr als einer Woche.

„Wir konnten überhaupt nicht schlafen, wegen der ständigen Angriffe der Luftwaffe und der Panzer“, sagte der 23-jährige Mutas Isam am Sonntag, am Morgen nach Beginn der gefürchteten Bodenoffensive. Im Minutentakt waren die ohrenbetäubenden Einschläge von Raketen der israelischen Luftwaffe und Panzergranaten in der Umgebung zu hören.

Einwohner der Randgebiete Gazas berichteten sogar, sie könnten die dröhnenden Geräusche der vordringenden israelischen Panzerfahrzeuge hören. Die israelischen Bodentruppen brachten in der Nacht Gebiete bis kurz vor den Stadtgrenzen von Gaza unter ihre Kontrolle.

Fotostrecke: Jahreswechsel im Gazastreifen

Der Jahreswechsel im Gaza

Die Straßen in der Stadt Gaza, die eine Woche nach Beginn der israelischen Militäroffensive ein Bild der Zerstörung boten, waren am Sonntag wie leer gefegt. Viele Gebäude liegen inzwischen in Trümmern. Mehr als 700 Angriffe hat die israelische Luftwaffe zur Vorbereitung der Bodenoffensive innerhalb einer Woche im Gazastreifen geflogen. Die meisten Menschen in Gaza und in den Ortschaften des nördlichen Gazastreifens blieben aus Furcht vor einem weiteren Vorrücken der israelischen Armee in ihren Häusern.

Die israelischen Panzer, die nun wieder das Gebiet der vor der Räumung im Sommer 2005 zerstörten Siedlung Nezarim kontrollieren, schossen nach Angaben palästinensischer Augenzeugen von einem Hügel Granaten in alle vier Himmelsrichtungen. Aus Furcht vor den Einschlägen der todbringenden Geschosse flüchteten Einwohner der Randgebiete weiter ins Stadtzentrum. „Die Panzergranaten sind anders als Hubschrauber-Raketen blind“, erklärte ein Einwohner der Stadt, der sich und seine Familie an einen sichereren Ort gebracht hat. Noch sind Israels Truppen allerdings nicht in die dichter besiedelten Gegenden vorgedrungen.

Mit Beginn der Bodenoffensive hat sich die ohnehin schlimme humanitäre Lage im Gazastreifen weiter verschlechtert. Die wenigen Geschäfte, die in den letzten Tagen trotz der Luftangriffe geöffnet waren, blieben am Sonntag geschlossen. Die Stromversorgung ist inzwischen fast komplett zusammengebrochen. Humanitäre Transporte haben derzeit keine Chance, in das umkämpfte Gebiet zu gelangen.

Die radikal-islamische Hamas-Organisation gab sich indessen weiter kämpferisch und tat alles, um die Bevölkerung und die Kämpfer ihres militärischen Arms bei Laune zu halten. Sie soll Tunnels gegraben und mit Sprengstoff gefüllt haben, die sie explodieren lassen will, wenn sich Truppen darüber hinwegbewegen. Bomben mit großer Sprengkraft sowie mit Sprengstoff gefüllte Autos sollen entlang der wichtigsten Straßen positioniert worden sein.

In SMS-Mitteilungen an palästinensische Journalisten rühmte sich die Hamas – die über 16 000 gut ausgebildete Männer unter Waffen haben soll –, sie habe trotz der Bodenoffensive weiter Kassam-Raketen auf israelische Städte abgefeuert. Auch die radikale Gruppe Islamischer Dschihad bekannte sich zu neuen Angriffen. Auch Gerüchte über entführte israelische Soldaten machten die Runde.

Militante Palästinenser beschossen die Truppen, die zum ersten Mal seit der Räumung aller Siedlungen vor drei Jahren wieder so tief in den Gazastreifen vorgedrungen sind, mit Panzerfäusten und Mörsergranaten. Israelische Hubschrauber wurden mit Maschinengewehrfeuer belegt. „Dies ist ein Krieg, ein echter Krieg“, sagte einer der verzweifelten Einwohner Gazas.

Sara Lemel / Saud Abu Ramadan

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