Martin Prem.

Merkur-Kommentar

Diesel-Fahrverbote: Placebo mit Nebenwirkung

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Ein Diesel-Fahrverbot ist kein Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitssituation in Städten. Vielmehr handelt man wie ein alterlicher Herrscher, der den Überbringer der schlechten Nachricht köpfen lässt, findet unser Autor.

„Der königliche Landgerichtsrat Alois Eschenberger war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande.“ Mit diesem Bonmot nahm der Jurist Ludwig Thoma um die Jahrhundertwende die verbreitete Unfähigkeit des eigenen Berufsstandes aufs Korn, über den Tellerrand von Gesetzen und Paragrafen hinauszublicken. Man muss unwillkürlich daran denken, wenn man den Stuttgarter Richterspruch vom Freitag wahrnimmt.

Mit den jetzt wahrscheinlicher gewordenen Diesel-Fahrverboten in Städten setzen die Stuttgarter Richter der kollektiven Unfähigkeit vieler selbsternannter Umweltexperten zur angemessenen Interpretation naturwissenschaftlicher Studien die Krone auf. Kurz die Fakten: Es gibt keinen Hinweis, dass selbst der höchste an deutschen Straßen gemessene Wert für Stickoxide gesundheitsschädlich ist. Die Grenzwerte beruhen darauf, dass Stickoxide ein Hinweis für anderen und wirklich gefährlichen Dreck in der Luft sind – der kann aber kaum aus Dieselmotoren stammen. Stickoxide sind die einzige noch nennenswerte Schadstoffkomponente aus modernen Dieselmotoren.

Ein Diesel-Fahrverbot ist kein Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitssituation in Städten. Damit handelt man wie ein mittelalterlicher Herrscher, der den Überbringer der schlechten Nachricht köpfen lässt und glaubt, jetzt sei das Böse aus der Welt. Keine Frage, man kann einiges tun, um die Luft in den Städten noch sauberer zu machen. Vor allem beim erwiesen gesundheitsschädlichen Feinstaub, der inzwischen zum Großteil aus Benzinern stammt, oder bei der Erneuerung alter Heizungsanlagen. Das Diesel-Fahrverbot ist ein Scheinmedikament, das sich von Placebos dadurch unterscheidet, dass es jede Menge schädliche Nebenwirkungen verursacht.

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