+
Der Bremer Asyl-Skandal zieht weiter seine Kreise. Das betrifft auch Seehofer.

Ignorierte er Terminanfragen?

Bremer Asyl-Skandal: Dieser Brief bringt Seehofer in Not

  • schließen

Der Bremer Asyl-Skandal zieht weiter seine Kreise. Das setzt auch den neuen Heimatminister Horst Seehofer unter Zugzwang.

Bremen - Josefa Schmid hat als damalige Leiterin des Bremer Bamf schon Anfang März versucht, Horst Seehofer (CSU) über die Details des Asyl-Skandals zu informieren. Dies belegen ihre eigenen Aufzeichnungen und die Auskünfte des Bundesinnenministeriums. „Frau Schmid hat am Tag der Amtseinführung von Bundesminister Seehofer am 14. März 2018 erstmals telefonisch im Ministerbüro nach einem Termin beim Minister angefragt“, räumte das Bundesinnenministerium ein.

Doch schon am 1. März hatte sie um eine Gespräch mit Seehofer gebeten – als dieser noch Ministerpräsident war. Im Vorzimmerbüro in der Münchener Staatskanzlei habe sie versucht, einen Termin zu erhalten. Schmid nannte die Vorgänge in Bremen ihrem Schreiben zufolge gegenüber Seehofers Mitarbeitern den „größten Flüchtlingsskandal der Republik“, den sie Seehofer persönlich schildern wollte.

Lesen Sie dazu auch: Streit ums Kreuz - Seehofer wettert gegen Kardinal Marx

Eine Reaktion blieb jedoch aus: „Leider wurden wir nicht erhört“, schreibt Schmid in einem nun bekannt gewordenen Brief an Seehofer vom 13. Mai, der uns vorliegt.

„Systematisch und grob fahrlässig“

Wie berichtet, hatte Josefa Schmid, die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Kollnburg (Kreis Regen) und FDP-Landtagskandidatin ist, in einem 99-seitigen Dossier Vorgänge im Bremer Bamf, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, detailliert geschildert und vergangene Woche öffentlich gemacht. Es ging um massive Unregelmäßigkeiten bei der Gewährung von Asyl, von über 3300 Fällen war die Rede mit einem Schaden für den Steuerzahlern in Millionenhöhe. Schmid schrieb unter anderem: „Hier wurden systematisch und grob fahrlässig Identitäten von Antragstellern nicht ermittelt.“ Inzwischen ermittelt die Bremer Staatsanwaltschaft gegen die früherer Leiterin des Bremer Bamf, Ulrike B., und mehrere andere Personen, da­runter auch Anwälte.

Vielleicht interessiert Sie auch das: Neue Umfrage - Seehofer steigt in der Gunst der Deutschen

Josefa Schmid kämpft derweil weiter gegen ihre Versetzung von der Bremer Außenstelle des Bamf nach Deg­gendorf. Diese Versetzung war unmittelbar nach der Veröffentlichung ihres Dossiers erfolgt. „Um die Beamtin zu schützen“, wie es hieß. Schmid hofft weiter auf einen Termin bei Seehofer, ihr Brief endet mit einem: „Ich bitte Sie freundlichst um ein Gespräch.“ 

Auch interessant: Brisante SMS im Asyl-Skandal: Seehofer geht nach Lindner-Drohung in die Offensive

Markus Christandl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Berichte: Kita-Gesetz soll diese Woche beschlossen werden
Berlin (dpa) - Die große Koalition will das "Gute-Kita-Gesetz" laut Medienberichten noch in dieser Woche durch das Parlament bringen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland …
Berichte: Kita-Gesetz soll diese Woche beschlossen werden
Ermittlungen gegen fünf Polizisten wegen Volksverhetzung
Frankfurt/Main (dpa) - Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Polizisten, die in einem Gruppenchat rechtsextreme Inhalte ausgetauscht haben sollen. "Es läuft …
Ermittlungen gegen fünf Polizisten wegen Volksverhetzung
Nach Kampfabstimmung: Gibt es einen AKK-Effekt? Umfrage zeigt Trend an
Anngret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Vorsitzende und Merkel-Nachfolgerin. Nun zeigt eine Umfrage einen Trend der Union an. Der News-Ticker nach dem CDU-Parteitag.
Nach Kampfabstimmung: Gibt es einen AKK-Effekt? Umfrage zeigt Trend an
Ukraine-Russland-Konflikt: Merkel mit klarer Forderung an Putin
Russland hält an dem Prozess gegen die inhaftierten ukrainischen Marinesoldaten fest. Angela Merkel hat sich nun vor einem deutsch-französischen Vermittlungsversuch mit …
Ukraine-Russland-Konflikt: Merkel mit klarer Forderung an Putin

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion