Peter Tschentscher war bisher Finanzsenator in Hamburg.

Das hält Scholz von ihm

Dieser Mann soll Hamburgs neuer Bürgermeister werden

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Die, die ihn länger kennen, spötteln hin und wieder über diesen Mann, der Zahlen liebt und nur mit Emotionen noch sparsamer umgeht als mit den Hamburger Finanzen.

München – Er könne eine Rede in Spielfilmlänge über falsch gerundete Nachkommastellen halten, sagen sie dann. Aber so sei er eben: nüchtern, bisweilen auch pedantisch. Keiner, der Bierzelte füllt. Aber einer, der am Ende immer die Rechnung bezahlen kann.

Damit ähnelt Peter Tschentscher, 52, in vielem Olaf Scholz. Die beiden Männer seien „Mentalitäts-Zwillinge“, schrieb das „Hamburger Abendblatt“, als bekannt wurde, dass der bisherige Finanzsenator neuer Bürgermeister der Hansestadt werden soll. Entsprechend große Stücke hält Scholz auf seinen Nachfolger. „Ich bin sicher, dass das gute Regieren, das wir 2011 begonnen haben, mit Peter Tschentscher so fortgesetzt werden kann“, sagte er. Er sei „der richtige Mann“ für den Job.

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Dabei war die Nominierung des bundesweit eher unbekannten Gesichts selbst in Hamburg eine Überraschung – und wohl auch nicht unumstritten. Die eigentlichen Favoriten, Sozialsenatorin Melanie Leonhard und der SPD-Fraktionschef Andreas Dressel, hatten kurz zuvor auf die Nominierung verzichtet. Offiziell gaben beide familiäre Gründe an. Manche spekulierten aber, Scholz habe den quirligen Dressel verhindert, weil ihm dessen konsensorientierter Stil nicht gefalle.

Scholz und Tschentscher - beides Machtmenschen

Nun also Tschentscher, der mindestens eines nicht mit Scholz gemein hat: dessen Willen zur Macht. 2007 wurde der Arzt quasi aus der Not Kreisvorsitzender der SPD Hamburg Nord. Scholz installierte ihn 2011 als Finanzsenator, seit November letzten Jahres hat er den Vorsitz der Finanzministerkonferenz inne. Ganz frei von Ambitionen ist der gebürtige Bremer natürlich nicht. Intern soll er sofort gesagt haben, er traue sich das Bürgermeisteramt zu. Am Freitag betonte er denn auch, Ja zu sagen, sei ihm leichtgefallen.

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„Er ist zwar unnahbar“, sagte ein Genosse mal über Tschentscher. „Aber er ist auch der intelligenteste und schnellste Denker, dem ich je in der Partei begegnet bin.“ Tatsächlich schätzen ihn viele für seine Sorgfalt und seinen Fleiß. Andere, gerade in der Opposition, schmähen ihn als zu wenig profiliert – vor allem was Themen jenseits des Finanzressorts betrifft.

Allem Gemecker zum Trotz hat Tschentscher einige Erfolge vorzuweisen. Bei der Lösung des langjährigen Finanzproblems Elbphilharmonie erwarb er sich genauso Meriten wie beim Verkauf der HSH Nordbank, dem Milliardendesaster im Norden. Außerdem steht Hamburg heute mit einem satten Haushaltsüberschuss von einer Milliarde Euro da – was dem Finanzsenator immerhin ein Lächeln abrang, gefolgt von erdenden Worten: „Wir dürfen nicht in eine unvorsichtige Goldgräberstimmung verfallen.“

Unter Scholz wurde solide gewirtschaftet – solide soll es weitergehen. Ein SPD-Parteitag wird am 24. März über das Bürgermeisteramt entscheiden, vier Tage später könnte Tschentscher zum Senatschef gewählt werden. Quasi nebenbei muss er die SPD dann aus einem Umfragetief holen, zuletzt lag sie bei 28 Prozent. Um das zu ändern, wird der kühle Tschentscher bald auftauen müssen. 

Marcus Mäckler

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