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Geheimakte Kreml: Historiker sieht mehrere Anzeichen von „Kontrollverlust“ bei Putin

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Von: Linus Prien

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Der russische Präsident Wladimir Putin.
Der russische Präsident Wladimir Putin. © IMAGO/Mikhail Metzel

Wie sind die Machtverhältnisse in Moskau verteilt? Für Historiker Timothy Snyder steht fest: Putin herrscht nicht uneingeschränkt und zeigt Anzeichen von Kontrollverlust.

Moskau – Wie fest sitzt Wladimir Putin noch im Kreml-Sattel? In Europa und im Rest der Welt wird viel über die Machtstrukturen in Moskau spekuliert. Viele halten den Verlauf des Ukraine-Kriegs für gefährlich für Putin. Der renommierte Historiker Timothy Snyder konstatiert in einem Interview mit t-online jedoch: „Unser Wissen über das Machtgefüge im Kreml ist leider beschränkt.“ Dennoch ist eines für ihn klar: Putin beherrsche Russland nicht uneingeschränkt.

Putin unter Druck? „Er zeigt deutliche Anzeichen eines Kontrollverlusts“

„Putin zeigt deutliche Anzeichen eines Kontrollverlusts“, sagt Snyder t-online. Der Kreml-Diktator werde von vielen Seiten unter Druck gesetzt und habe sich zudem einige Fehler erlaubt. Insbesondere von Hardlinern werde der russische Präsident angegangen. Auf der einen Seite befänden sich diejenigen, die Russlands Kriegsführung in der Ukraine nicht als brutal genug empfänden. Deren Ansicht nach könne Russland diesen Krieg einfach beenden und siegen, sollte es einmal richtig durchgreifen.

Auf der anderen Seite gäbe es genauso Stimmen, die den hohen Aufwand und die hohen Investitionen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine kritisch sehen. „Zwischen diesen beiden Polen der öffentlichen Meinung muss Putin taktieren“, meint Snyder.

Ukraine-Krieg: Putins Anzeichen des „Kontrollverlusts“

Ein möglicher Kontrollverlust Wladimir Putins ergebe sich etwa durch die Beschreibung der Kriegslage. Das lange propgagierte Bild der „Spezialoperation“ werde durch die mehr als neun Monate dauernden Gefechte konterkariert. Ferner stehe die von Putin ausgerufene Teilmobilmachung im eklatanten Widerspruch zum Bild der „Spezialoperation“. Letztlich sei auch das Ausrufen der Annexion einiger Teile der Ostukraine ein Fehler, denn: Es dauerte nicht lange, bis ukrainische Truppen Cherson wieder erobern konnten und somit Russlands Erzählungen widerlegten.

Ukraine-Krieg: Atomwaffeneinsatz „sehr, sehr unwahrscheinlich“

Viele sorgen sich um einen Atomwaffeneinsatz, sollte sich Putin zu sehr mit dem Rücken zur Wand fühlen. Diese Möglichkeit tut der Historiker jedoch ab: „Ein russischer Atombombeneinsatz ist sehr, sehr unwahrscheinlich.“ Derartigen Drohungen aus Russland schenke man zu viel Aufmerksamkeit, meint Snyder. Für den Kreml würde sich kein militärischer Vorteil aus dem Einsatz einer Nuklearwaffe ergeben.

Zudem muss sich der Moskau nicht nur dem Westen gegenüber rechtfertigen, mit dem es ohnehin in großen Teilen im Konflikt steht. Genauso blicke auch China auf das Vorgehen Russlands. Und auch Peking habe nichts vom Einsatz von Nuklearwaffen. Letztlich sei ein etwaiger Atomwaffeneinsatz das endgültige Eingeständnis, dass der Krieg in der Ukraine verloren sei. (lp)

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