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Ein Airbus der Fluggesellschaft Saudi Arabian in Frankfurt am Main. Foto: Christoph Schmidt

Kritik an Menschenrechtslage

Diplomatische Krise: Saudis stoppen Flüge nach Kanada

Samar Badawi kämpft seit Jahren für die Frauenrechte in Saudi-Arabien. Nun entspinnt sich an ihrer Festnahme eine diplomatische Krise mit Kanada. Und Riad fährt große Geschütze auf.

Riad (dpa) - Nach der Ausweisung des kanadischen Botschafters wegen Kritik an seiner Menschenrechtslage verschärft Saudi-Arabien die diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern.

Die staatliche Fluggesellschaft Saudia kündigte am Montagabend an, vom 13. August an alle Flüge von und nach Toronto zu stoppen. Die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland sagte dagegen am Montag (Ortszeit): "Kanada wird sich immer für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen, dazu gehören auch Frauenrechte und die freie Meinungsäußerung auf der gesamten Welt." Angesichts der diplomatischen Krise sei man besorgt.

Auslöser der Verwerfungen im Verhältnis beider Länder war ein Tweet der kanadischen Außenministerin Chrystia Freeland vom Donnerstag. Darin heißt es, Kanada sei ernsthaft besorgt wegen neuer Festnahmen von Aktivistinnen, die sich für die Zivilgesellschaft und für Frauenrechte in Saudi-Arabien einsetzen, darunter auch Samar Badawi. Die Frauenrechtlerin ist die Schwester des bekannten Bloggers Raif Badawi, der ebenfalls in Saudi-Arabien inhaftiert ist. Seine Ehefrau Ensaf Haidar hat gemeinsam mit ihren drei Kindern erst vor Kurzem die kanadische Staatsbürgerschaft erhalten.

Samar Badawi, 37, kämpft seit Jahren gegen die Unterdrückung von Frauen in Saudi-Arabien, die sie auch am eigenen Leib spürte. Ihr Vater verprügelte sie, sodass sie 2008 in ein Frauenhaus floh, wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtete. Später zog sie zu ihrem Bruder Raif. Als die geschiedene Mutter eines Sohnes ein weiteres Mal heiraten wollte, ihr Vater jedoch nicht zustimmte, verklagte sie ihn - der erste Fall dieser Art. Bei der Gerichtsverhandlung wurde sie wegen "Ungehorsams" festgenommen und kam erst mehrere Monate später frei.

Badawi kämpfte nicht nur gegen das Vormundschaftssystem in Saudi-Arabien, das es Frauen verbietet, ohne Zustimmung eines männlichen Vormunds zu heiraten, zu reisen oder ein Bankkonto zu eröffnen. Sie wendete sich auch gegen das Frauenfahrverbot, das im Juni aufgehoben wurde, und machte sich für das Frauenwahlrecht stark. 2012 zeichnete die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton Badawi mit dem International Women of Courage Award aus.

Doch während die USA zu Badawis Festnahme schweigen, bekommt Kanada die Wut Saudi-Arabiens zu spüren. Die Regierung in Riad hatte den kanadischen Botschafter Dennis Horak am Montagmorgen zur unerwünschten Person erklärt und ihn des Landes verwiesen. Gleichzeitig rief die saudi-arabische Führung ihren Botschafter in Kanada zu Konsultationen zurück und fror ein erst vor Kurzem geschlossenes Handelsabkommen mit Kanada sowie alle neuen Investitionen ein. Aus Sicht des Königreichs hat sich Kanada eklatant und unzulässig in die inneren Angelegenheiten des Landes eingemischt.

Beobachter sehen in der harschen Reaktion Saudi-Arabiens auch eine Warnung an alle anderen Länder: Wenn ihr uns kritisiert, geben wir unsere Milliarden woanders aus. Der junge Kronprinz Mohammed bin Salman, der starke Mann des Landes, ist bei Widerworten äußerst dünnhäutig. Abweichende Meinungen toleriert er nicht, viele Dissidenten ließ er in der Vergangenheit einsperren. Ähnlich sensibel reagiert er bei Kritik von außen. Nach Äußerungen des damaligen Bundesaußenministers Sigmar Gabriel 2017 rief Riad seinen Botschafter in Berlin ebenfalls zurück.

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