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Brauereipferd Bubi und die Generalinnen: Yasmin Fahimi (r.) besucht Natascha Kohnen auf der Wiesn.

Dirndl statt Disneyland

Fahimis Wiedergutmachungsbesuch auf der Wiesn

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München – Nach dem G7-Ärger besucht SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi Bayern. Offiziell nennt es keiner so, aber Fahimis Auftritt ist der Versuch einer Wiederannäherung.

Als Botschafter Bayerns macht Bubi einen großartigen Job. Hält mit Engelsgeduld für Fotos still, lässt sich von der Besucherin kraulen, sabbert ihr nur ein bisschen auf die Dirndl-Schürze. Bubi, Brauereipferd vor dem Augustinerzelt, entspannt die Stimmung gleich bei der Ankunft. Und das ist gut so.

Es liegen ja atmosphärische Störungen in der Luft beim Wiesn-Besuch der SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Ihr wurden in Oberbayern ihre Worte zum G7-Gipfel nachgetragen. „Das ist ein bisschen zu viel Disneyland“, hatte sie nach dem Obama-Termin in Krün gespottet, jenem Weißwurstfrühstück mit den in Tracht gekleideten Dorfbewohnern vor der Alpenkulisse. In der Folge ergab ein Wort das andere, die Einwohner fühlten sich grob missverstanden, weil sie im Festtagsgewand kamen und nicht in irgendeiner Verkleidung. Eine deeskalierend gemeinte Einladung Fahimis zum Gaufest im Juli 2016 wurde lange nicht beantwortet, ein Sprecher der SPD-Politikerin verwechselte Orte und Regionen – hängen blieb: Diese Berliner Sozen verstehen Bayern nicht und wollen es auch nicht verstehen.

Offiziell nennt es keiner so, aber Fahimis Auftritt ist der Versuch einer Wiederannäherung. „Ich wollte, dass sie uns besser kennenlernt. Und Bayern auch“, sagt Natascha Kohnen, die bayerische SPD-Generalin, diplomatisch. Fahimi schaufelt sich also den Nachmittag frei, fliegt in den Süden und besucht die Genossen im Zelt. Sie trinkt eine Mass, bestellt Kalbfleischpflanzerl und führt auf der Bierbank, den „Bayern-SPD“-Wimpel vor sich, lange Gespräche durchaus mit Tiefgang.

Guter Wille ist erkennbar. Fahimi hat sich ein Dirndl gekauft, blau und schick, nichts aus dem Billigmarkt, die Schleife züchtig rechts gebunden. „Guten Tach“, sagt sie und korrigiert sich sofort: „Servus!“ Sie äußert, wenn auch auf ihre eben norddeutsch-kühlere Art, Lob für Traditionen: „Ich tauche gern ein in solche urdeutschen Kulturen. Das mache ich nicht jeden Tag. Aber manchmal macht es mir Spaß.“

Ihre Disneyland-Kritik sei, so klagt sie, von der CSU überzeichnet und falsch übermittelt worden. In der Sache bleibt die 47-Jährige bei einem Punkt aber hart: Die Darstellung des ganzen Landes in der Welt sei beim G7-Gipfel zu einseitig gewesen. „Das Deutschland, das ich im Kopf habe, ist multikulturell, mitten in der digitalen Revolution, weltoffen, großstädtisch. Das fand alles nicht statt bei diesem G7-Gipfel.“ Diese Kritik hätte sie auch angebracht, wenn sich ein anderes Land als Gastgeber so präsentiert hätte. Es sei wohl „ein bayerisches Phänomen, dass man das immer als Attacke auf seine Tradition empfindet.“

Man könnte frei übersetzen: Ein bisschen „Habt’s euch net so“, aber auch „Samma wieder gut“. Ob es hilft? Für die bayerische SPD geht es ja um mehr: Der Bundes-Partei klar machen, wie wichtig der Freistaat und sein Stimmenpotenzial sind und dass auch in Wahlkämpfen manchmal mehr Unterstützung aus Berlin recht wäre.

Eine gewisse Ironie liegt allerdings in dem Termin: Wenn irgendwo in Bayern ein bisschen Disneyland-artige Inszenierung ist – dann am ehesten auf dem Oktoberfest. 

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