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Biden: Chaos in Afghanistan war „unvermeidbar“ - Militärführung gibt Fehleinschätzung zu

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US-Präsident Biden erklärte in einem Interview, beim Abzug der Truppen aus Afghanistan nichts falsch gemacht zu haben. Die Militärführung gibt hingegen Fehler zu.

Washington - Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan steht US-Präsident Joe Biden massiv in der Kritik. Die richtet sich vor allem daran, dass Biden die Truppen früher als geplant aus dem Land abziehen ließ - und offenbar nicht auf die Situation vorbereitet war. Am Mittwoch (18. August) führte er zum ersten Mal seit die Taliban an die Macht gelangten ein Interview. Doch Fehler will Biden keine zugeben. Das US-Militär spricht dagegen von „Fehleinschätzungen“.

Am Sonntag und Montag war es am Flughafen in Kabul zu dramatischen Szenen gekommen, weil viele Afghanen versuchten, aus dem Land zu fliehen. In einem Interview mit dem Nachrichtensender ABC erklärte Präsident Joe Biden, dass diese chaotischen Szenen nach dem geplanten Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan unvermeidbar waren. Er wisse nicht, wie man es angesichts der Lage schaffen hätte können, den Abzug „ohne Chaos“ zu meistern.

Chaos in Afghanistan war „unvermeidbar“ - Biden sieht keine Fehler

Auf die Frage, ob der Abzug anders stattfinden hätte können, antwortete Biden mit „nein“ und verteidigte das Vorgehen seiner Regierung. Angesichts der Flucht der afghanischen Regierung, des Zusammenbruchs des Militärs und der schnellen Machtübernahme der Taliban habe Biden keine andere Lösung gesehen. Für ihn war das Chaos bereits abzusehen. „Die Vorstellung, dass es irgendwie einen Weg gibt, ohne folgendes Chaos rauszukommen - ich weiß nicht, wie das gehen soll“, sagte er.

Als ihn der ABC-Journalist auf die dramatischen Szenen am Flughafen von Kabul ansprach, erklärte Biden, dass ihm da klar geworden sei, dass das US-Militär den Flughafen unter Kontrolle bringen müsse. „Und das haben wir getan“, so Biden. 4500 Soldaten seien mittlerweile in Kabul stationiert, um den Flughafen zu sichern und die Evakuierung zu organisieren.

US-Präsident Joe Biden im Interview mit dem Nachrichtensender ABC.
US-Präsident Joe Biden verteidigt im Interview mit ABC sein Vorgehen. Das Chaos in Afghanistan sei „unvermeidbar“ gewesen. © Abc News via www.imago-images.de

US-Truppenabzug aus Afghanistan könnte verzögert werden

Der Präsident räumte aber ein, dass es Schwierigkeiten dabei gäbe, afghanische Helfer in Sicherheit zu bringen. Die Taliban würden zwar „kooperieren“ und amerikanische Staatsbürger und Botschaftspersonal aus dem Land ausreisen lassen, doch vielen Afghanen würde der Weg zum Flughafen von den Taliban versperrt werden. Mögliche Vergeltungsaktionen der Taliban werden befürchtet, auch wenn diese sich versöhnlich geben. Bisher habe das US-Militär nach Informationen der dpa 5000 Personen erfolgreich evakuiert.

Derzeit befinden sich nach Angaben der AFP 10.000 und 15.000 US-Bürger in Afghanistan. Biden schloss deshalb nicht vollkommen aus, dass sich der US-Truppenabzug, der planmäßig zum 31. August abgeschlossen werden sollte, verzögern könnte. „Wenn noch US-Bürger dort sind, werden wir bleiben, um sie alle rauszubekommen“, sagte der Präsident im Interview. Ziel sei es trotzdem, den Abzug bis Ende August durchzuführen. Ob das US-Militär seinen Einsatz auch für die Evakuierung von Ortskräften verlängern wolle, darauf wollte sich Biden nicht festlegen.

Generalstabschef Milley: „Zusammenbruch einer Armee dieser Größe in elf Tagen nicht vorhergesehen“

Die US-Militärführung gab anders als Präsident Biden zu, dass sie die Situation falsch eingeschätzt habe. „Der zeitliche Rahmen eines schnellen Zusammenbruchs wurde weithin auf Wochen, Monate oder sogar Jahre nach unserem Abzug eingeschätzt“, sagte Generalstabschef Mark Milley nach Angaben der dpa. Das afghanische Militär sei den Taliban in Bezug auf Truppenstärke, Ausbildung und Ausrüstung überlegen gewesen. Letzten Endes sei es eine Frage des „Willens und der Führung“ gewesen.

US-Medien berichteten zuvor, dass die Regierung von den Geheimdiensten Warnungen vor einem schnellen Zusammenbruch von Armee und Regierung erhielten hätte. Das wies das US-Militär zurück. „Es gab nichts, das ich gesehen habe, oder irgendjemand anders, das auf einen Zusammenbruch dieser Armee und dieser Regierung innerhalb von elf Tagen hingewiesen hätte“, so Milley.

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