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„Moralische Anleitung“ für Söder und andere: Django Asül beim Maibock. 

Interview vor dem Maibock

Django Asül: „Seehofer liefert mir emsig Stoff“

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München - Worüber darf man Witze machen? Wie hart darf man mit der Politik ins Gericht gehen? Fragen, die Django Asül vor seiner Maibockrede heute Abend beantwortet - in der für ihn gewohnten Art.

Nach dem Ärger um den Nockherberg sammeln sich Bayerns Politpromis nochmal vor dem Bierfass – diesmal zum Maibock im staatlichen Hofbräuhaus. Redner heute Abend in München ist der niederbayerische Kabarettist Django Asül. Gelingt es ihm, böse zu sein und trotzdem witzig? Und worüber darf überhaupt noch gelacht werden? Wir haben mit ihm gesprochen.

Der, der sonst oft die härtesten Watschn kassiert, ist ausgerechnet Ihr Gastgeber – Minister Markus Söder. Blöd jetzt, oder?

Django Asül: Nein, es geht ja nicht um Watschn, sondern um brauchbare Analysen. Die Herrschaften erwarten von mir sachdienliche Hinweise, moralische wie mentale Anleitung. Bei meiner Rede überwiegt eindeutig der soziale Aspekt.

Ihr letzter sachdienlicher Hinweis über Söder war: „Der ist der Richtige – keine Ahnung, wofür.“ Er hätte da ja eine Ahnung...

Asül: Sagen wir so: Er hat sich ja überall eingebracht. Er ist Spezialist für alles. Dieses Fokussieren auf sämtliche Bereiche zeichnet ihn aus. Damit unterscheidet er sich angenehm von seinen Kollegen. Viele Minister beschränken sich ja auf ihr Ressort – wie borniert. Da sagt ein Söder, Ignoranz dieser Art kann er sich nicht leisten. Löblich.

Eines würde ihn wohl furchtbar schmerzen: Wenn Seehofer weitermacht. Bis 2028, mindestens. Glauben Sie daran?

Asül: Sie bringen politische Prozesse mit dem Begriff Glauben in Verbindung? Sie heben das ins Metaphysische! Sollte Söder von sich aus seinen Verzicht erklären, ist es durchaus vorstellbar, dass Seehofer weitermacht.

Wer sollte sich heute Abend fürchten?

Asül: Niemand. Es ist ja nur eine Motivationsrede. Neudeutsch: Teambuilding. Aber es liegt auf der Hand, dass Seehofer und Söder emsig Stoff liefern, dazu die glorreichen Taten und Worte der Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und der Sozialministerin Emilia Müller. Selbst ein Ludwig Spaenle wird vorkommen mit seiner Mittelstufe plus. Themenarmut habe ich nicht. Mein massivstes Problem: Ich muss die Rede noch um ein Drittel kürzen.

Sparen Sie sich einfach die Opposition?

Asül: Nein, im Gegenteil! Die Freien Wähler schlittern Richtung Fünf-Prozent-Marke, die SPD liegt schon drei Prozent unter der Mehrwertsteuer. Und die Grünen-Fraktionschefin Bause zeigt Fluchttendenzen nach Berlin. Da rührt sich also allerhand.

Ernsthaft gefragt: Gibt es Themen, über die sich Scherze verbieten? Flüchtlingskrise? IS-Terror?

Asül: Es gibt kein Thema, das man ausklammern muss. Aber ich sehe eine ganz einfache Formel: Generell sollte man auf Kosten von Menschen, die Opfer von Krieg, Gewalt, Armut sind, keine Witze machen. Eine Maibockrede richtet sich schon an die Politiker. Die haben sich freiwillig dahin begeben, da darf man das Amüsante bisserl drastischer formulieren.

Recht drastisch war heuer der Nockherberg. Haben Sie sich die Konkurrenz angeschaut?

Asül: Nein. Ich stehe in der Regel an dem Abend auf einer anderen Bühne. Das ist auch keine Konkurrenz: Es gibt kein Entweder-Oder. Für mich wird der Maibock nicht anders, wenn der Nockherberg vorher gut oder schlecht funktioniert hat.

Hätten Sie Aigner eine „Kellerprimel“ genannt und Söder einen „moralischen Legastheniker“?

Asül: Wen ich wie bezeichne, können Sie heute Abend wunderbar mitverfolgen.

Deutschland redet im Moment über ein sehr umstrittenes Stück Satire mit hochpolitischen Folgen. Ist für Sie ein Böhmermann-Gedicht noch Satire? Würden Sie sich dieser Wortwahl bedienen?

Asül: Zu dem Thema habe ich mich nie geäußert, weil es ein Humoransatz ist, der weit, weit weg von meinem ist. Da will ich mir nicht anmaßen, andere Leute zu beurteilen.

Nochmal zu heute Abend: Haben Sie Lampenfieber?

Asül: Nein. Es ist eine unheimlich positive Spannung, auch im neunten Jahr noch. Das größte Problem ist wirklich die Kürzerei: Beim Streichen fällt mir nämlich immer noch Neues ein. Das macht die Sache auch nicht kürzer.

Der Maibock im TV

Das Bayerische Fernsehen sendet die Aufzeichnung der Reden – erst Minister Markus Söder als Hofbräu-Chef, dann Django Asül – heute leicht zeitversetzt um 22 Uhr.

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