1. Startseite
  2. Politik

Dmitri Medwedew: Mann für soziale Themen und liberale Marktwirtschaft

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

Moskau - Russlands Präsident Wladimir Putin will Dmitri Medwedew als seinen Nachfolger installieren. Der 42-jährige Vize-Regierungschef soll bei der Präsidentschaftswahl im März 2008 kandidieren. Ein Portrait des Kandidaten.

Dmitri Medwedew konnte abwarten: Bis zuletzt hielt sich der russische Vizeregierungschef streng an die Vorgabe von Präsident WladimirPutin, keine eigenen Ambitionen auf das Präsidentenamt zu äußern. Von seiner inneren Anspannung zeugten nur seine dunklen Augenringe, als am Montag seine Kandidatur öffentlich gemacht wurde. Nach seiner Nominierung durch vier Parteien dürfte der nur 42-Jährige mit der Unterstützung Putins der nächste Präsident Russlands werden.

In vielem erinnert der enge Verbündete des Präsidenten an einen gewissen Wladimir Putin vor acht Jahren. Eher klein von Wuchs verfügt Medwedew mit seinem jungenhaften Gesicht nur über eine begrenzte Ausstrahlung. Seine Gesten wirken mitunter etwas unbeholfen, wenn er aus Angewohnheit nach seinen Antworten oft die Mundwinkel nach unten zieht. Aber zugleich spürt man, wie hellwach und auf den Punkt konzentriert Medwedew arbeitet.

Im staatlichen Gazprom-Konzern hat der Chef des Aufsichtsrates den Ruf, genauestens im Bilde zu sein und seine Aufgaben souverän zu beherrschen. Der größte Konzern des Landes gilt als Machtbasis des Präsidentschaftskandidaten. Medwedew ist einer wenigen Politiker aus der Umgebung Putins, der seine Karriere nicht in den Geheimdiensten gemacht hat.

Beim Weltwirtschaftsforum Anfang des Jahres in Davos präsentierte sich der Politiker als das liberale Gesicht des neuen Russlands. Anders als Vizeregierungschef Sergej Iwanow versuchte Medwedew nicht, sich mit antiwestlichen Parolen zu profilieren. Stattdessen bekannte der eher dröge wirkendePolitiker in Interviews seine Begeisterung für Hardrock und Jugendsprache.

Seit 17 Jahren arbeiten Putin und Medwedew eng zusammen. Der gelernte Jurist wechselte im Windschatten Putins aus der St. Petersburger Stadtverwaltung in den Kreml nach Moskau. Dort organisierte er zunächst als Vizechef der Kremladministration im Jahr 2000 Putins Präsidentschaftswahlkampf. Danach half er dem Kremlchef, seinen Einfluss im Land auszubauen.

So arbeitete er an der Entmachtung des Föderationsrates mit. 2003 stieg Medwedew - nach Angaben des Radiosenders "Echo Moskwy" damals kremlintern als "der Wesir" bekannt - zum Leiter der Präsidialverwaltung auf. Als Putin ihn im Jahr 2005 zum Vizeregierungschef machte, kamen erstmals Gerüchte auf, der Politiker sei von Putin zu seinem Nachfolger auserkoren.

In diesem Jahr lieferte sich Medwedew als inoffizieller Kandidat um die Putin-Nachfolge einen medialen Zweikampf mit Sergej Iwanow um die Gunst der Bevölkerung und das Wohlwollen des Präsidenten. Dabei durfte Medwedew im Staatsfernsehen fast nur mit guten Nachrichten glänzen. Er war für die sogenannten "Nationalen Projekte" in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wohnungsbau und Landwirtschaft zuständig. Über eine Präsidentschaftskandidatur sprach er nie.

Als Putin Iwanow im Februar ebenfalls zum Ersten Vizeregierungschef beförderte, sahen viele jedoch die Chancen Medwedews schwinden. Am kommenden Montag soll Medwedew, dessen Nachname vom russischen Wort "Bär" stammt, nun auf dem Kongress der Kremlpartei Geeintes Russland zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden. Ihr Maskottchen ist schon jetzt ein Bär.

Auch interessant

Kommentare