Ex-US-Präsident Donald Trump wirft seinen Fans bei einer Wahlkampfveranstaltung in Orlando Sanford im Oktober 2020 von der Bühne aus einen Mundnasenschutz zu.
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Donald Trump (Archivbild) fordert die Rückgabe von US-Waffen durch die Taliban.

Nach Abzug aus Afghanistan

Trump wütet über US-Waffen in Taliban-Händen: „Bombt sie bis zum Geht-nicht-mehr zu!“

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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Ex-US-Präsident Donald Trump bringt sogar einen erneuten Einmarsch in Afghanistan ins Spiel. Seine Zahlen zu den Kosten der US-Waffen werden bezweifelt.

Palm Beach - Wenn sich der Feind in Szene setzt, kann Donald Trump nicht mehr an sich halten. Die Taliban feiern mit leeren Särgen vermeintlicher US-Soldaten, fahren Autoscooter oder posieren mit den Waffen der Abgezogenen – wegen letzterem hat der Ex-US-Präsident jetzt einen Blogeintrag mit ordentlich Schaum vorm Mund abgesetzt. Er fordert die Rückgabe. Nicht von Ortskräften in Afghanistan, sondern von US-Waffen.

„Bombt sie bis zum Geht-nicht-mehr zu!“ (frei ins Deutsche übersetzt) schrieb der 75-Jährige am 30. August auf seiner offiziellen Webseite.

Trump attackiert Biden wegen Afghanistan-Einsatz: „Wir sehen wie Idioten aus“

Die Islamisten sollten die US-Waffen „sofort“ zurückgeben, schreibt Trump in dem 150 Worte kurzen Eintrag weiter, und zwar „jeden Penny der insgesamt für sie ausgebenen 85 Milliarden US-Dollar“. Falls nicht, sollte man in das Land einmarschieren, oder - wie erwähnt - Bomben einsetzen. Niemand habe einen solchen „schwachsinnigen“ Einsatz jemals für möglich gehalten, teilte Trump noch gegen seinen Nachfolger im Amt, Joe Biden, aus.

„Wir sehen weltweit wie Idioten aus, wir sind schwach, wir sind jämmerlich, wir werden von Leuten angeführt, die keine Ahnung haben, was sie machen“, hatte der Rechtspopulist zuvor im US-TV-Sender Fox News gesagt.

Pentagon-Sprecher John Kirby hatte vergangene Woche erklärt, es sei das Ziel, die Ausrüstung ebenso wie die Truppen wieder auszufliegen. Falls das nicht möglich sei und militärisches Equipment zerstört oder anderweitig „entsorgt“ werden müsse, dann werde das gemacht. Ziel eines solchen Schrittes wäre es, Waffen und anderes Material nicht den Taliban zu überlassen.

Die sozialen Medien sind aktuell aber voll von Bildern, die offenbar mit besagten US-Waffen posierende Taliban-Anhänger zeigen. Telegraph-Reporter Will Brown hatte vor wenigen Tagen eine Infografik zu den zurückgelassenen US-Waffen getwittert:

Trump-Statement zu US-Waffen in Afghanistan findet Beachtung in US-Medien

Beobachter der The Washington Post sehen in Trumps Ansage einen „Wechsel im Tonfall“, der mit seiner möglichen Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahl 2024 zusammenhängen könnte. Zu interpretieren sei sein Eintrag als Wille, in das Land (anders als Biden) erneut einzumarschieren, twitterte Autor Dave Weigel:

Allerdings folgt man bei der US-Zeitung Trumps Rechenbeispiel nicht. Seine Behauptung sei falsch. Zwar seien die Waffen-Kosten von mehr als 80 Milliarden US-Dollar nicht „frei erfunden“. Sie beinhalteten jedoch auch die Kosten für Zugfahrten für sowie Unterbringung der Soldaten und Einsatzkräfte. „Bislang weiß niemand, wie viele Waffen die Taliban beschlagnahmt haben“, heißt es in dem Bericht.

Umfrage zu Afghanistan-Einsatz: Mehrheit in USA sieht Ziele verfehlt

Unterdessen sieht eine große Mehrheit der Amerikaner den inzwischen beendeten US-Militäreinsatz in Afghanistan einer Umfrage zufolge nicht für erfolgreich. 69 Prozent gaben an, dass die USA ihre Ziele in Afghanistan größtenteils verfehlt hätten, wie das Institut Pew am Dienstag mitteilte. Kaum einen Unterschied gab es dabei zwischen Anhängern der Demokraten von Biden (69 Prozent) und denen der Republikaner (70 Prozent).

Klare Differenzen zeigten sich bei der Einschätzung des vollständigen US-Truppenabzugs: 70 Prozent der Demokraten befürworteten ihn, aber nur 34 Prozent der Republikaner.

Trump wollte die Truppen schon zum 1. Mai aus Afghanistan abziehen. Biden verlängerte die Frist bis zum 31. August. Mitte August übernahmen die Taliban, deren Regime der US-geführte Einsatz Ende 2001 gestürzt hatte, wieder die Macht. Mit dem Abzug der letzten US-Soldaten vom Flughafen Kabul ging der internationale Afghanistan-Einsatz schließlich nach fast 20 Jahren zu Ende.

Pew befragte zwischen dem 23. und dem 29. August 10 348 Erwachsene in den USA. Die Befragungen fanden also statt, während die Evakuierungsmission der US-Streitkräfte und ihrer Verbündeten in Kabul lief. (frs mit Material der dpa)

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