Donald Trump wartet vor seiner Amtseinführung hinter einer Glastür.
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Donald Trump wartet darauf, den Weg zu seiner Amtseinführung anzutreten.

Ein historischer 20. Januar

Donald Trumps Amtseinführung 2017: Die Geburtsstunde „alternativer Fakten“

  • Robert Märländer
    vonRobert Märländer
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Donald Trump feierte am 20. Januar 2017 seine Amtseinführung als US-Präsident. Sofort ereignete sich der erste Eklat seiner Präsidentschaft.

Washington D.C. - Am 20. Januar 2017 übernahmt Donald Trump um 12 Uhr das Amt des US-Präsidenten. Die Feierlichkeiten vor dem Kapitol in der Hauptstadt Washington D.C., die meist ein großer Zuschauermagnet sind, bleiben als Anlass für große Kontroversen in Erinnerung. Die Amtseinführung 2017 zeigte sofort, wie tief die Gräben zwischen Trumps Anhängern und seinen Gegnern waren.

Tag der Amtseinführung: Ablauf für den neuen US-Präsidenten Trump

Am Morgen des 20. Januar besuchte Donald Trump einen Gottesdienst, wie es seit mehr als zwei Jahrhunderten Tradition der neuen US-Präsidenten ist. Vor der eigentlichen Amtseinführung des US-Präsidenten trafen Donald Trump und sein Vizepräsident Mike Pence die Obamas zum Tee im Weißen Haus.

Die Vereidigung folgte einem gewohnten Ablauf. Kurz vor 12 Uhr wurde Vizepräsident Mike Pence vereidigt. Kurz darauf legte Donald Trump gegenüber dem Vorsitzenden des Supreme Court, John Roberts, den Amtseid der US-Präsidenten ab.

Der Präsident erhielt die traditionellen 21 Salutschüsse. Die Nationalhymne sang an diesem Tag die Zweitplatzierte der Gesantsshow „America‘s Got Talent“ 2010, Jackie Evancho.

Antrittsrede bei der Amtseinführung: Donald Trump schlägt scharfe Töne an

Die Amtszeit begann so, wie schon Donald Trumps Wahlkampf verlaufen war: mit einem Frontalangriff. Der neue US-Präsident wendete sich in seiner Antrittsrede gegen das politische Establishment der USA. Er richtete seine Worte an das Volk, das er als Opfer der Mächtigen charakterisierte.

„Zu lange hat eine kleine Gruppe in der Hauptstadt unseres Landes die Früchte des Regierens geerntet, während die Bevölkerung die Kosten dafür getragen hat“, heißt es laut der deutschen Rede-Übersetzung der US-Botschaft. „Das Establishment schützte sich selbst, aber nicht die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.“

Donalds Trump Botschaft über sich selbst: „Ich werde mich mit jedem Atemzug für euch einsetzen, und ich werde euch niemals enttäuschen.“

Prominente lehnen Einladung zur Amtseinführung 2017 ab

Auftritte prominenter Musiker sind bei Amtseinführungen der US-Präsidenten üblich. Donald Trump war jedoch mit einer ganzen Reihe von Absagen konfrontiert, während sich bei seinem Amtsvorgänger noch Weltstars wie Aretha Franklin und Beyoncé die Ehre gaben. In den Wochen vor der Amtseinführung 2017 gab es Absagen unter anderem von Elton John, Céline Dion, der Rock-Band Kiss und Andrea Bocelli. Viele andere Stars hatten sich schon vor der Wahl klar von Trump distanziert.

Teilnehmerzahl bei Trumps Amtseinführung war Anlass für „alternativen Fakten“

Die Amtseinführung war Anlass für den ersten Eklat in Trumps Präsidentschaft. Pressesprecher Sean Spicer verkündete am Tag nach der Zeremonie, es hätten niemals mehr Menschen an einer Amtseinführung teilgenommen - und zwar weltweit. Er warf den Medien vor, Lügen über die Amtseinführung am Vortag zu verbreiten. Wäre diese Behauptung wahr, hätte Trump einen Rekord von Barack Obama gebrochen. Zu Obamas Amtseinführung im Jahr 2009 kamen rund 1,8 Millionen Menschen. Auch wenn diese Zahlen nur geschätzt werden können, herrschte in den Medien große Einigkeit darüber, dass die Amtseinführung von Donald Trump wesentlich weniger Menschen angezogen hatte. Fotos aus Washington D.C. zeigten deutlich kleinere Menschenmengen für die Amtseinführung 2017. So verdeutlichte beispielsweise ein Bildvergleich von newyorktimes.com den klaren Unterschied zu den Teilnehmerzahlen 2009.

Diesem Ereignis entsprang auch eine Formulierung, die Donald Trump während seiner gesamten Amtszeit verfolgen sollte. Als Reaktion auf die Kontroverse verteidigte Trumps Beraterin Kellyanne Conway in einem Interview Sean Spicers Aussagen. Es seien „alternative Fakten“ gewesen. Der weltweite Spott über das Konzept „alternativer Fakten“ war im Anschluss groß. Das Verhältnis zwischen der Trump-Regierung und großen Teilen der US-amerikanischen Medien blieb dauerhaft zerrüttet.

Proteste während und nach Donald Trumps Amtseinführung

Am 20. Januar 2017 wurde die Amtseinführung von teils gewalttätigen Protesten begleitet. Mehrere Hundert Randalierer wüteten in Washington D.C., die Polizei meldete 217 Festnahmen.

Mehr Aufsehen erregte eine Demonstration am folgenden Tag. Der „Women‘s March on Washington“ wurde angemeldet, da Äußerungen von Donald Trump unter anderem als frauenfeindlich angesehen wurden. Obwohl der neue Präsident der formale Anlass für die Proteste war, richteten die Organisatorinnen ihr Augenmerk auch ganz allgemein auf die Durchsetzung von Menschen- und Bürgerrechten. Gleichzeitig fanden ähnliche Märsche in anderen Großstädten der USA statt. Allein in Washington D.C. waren mehrere Hunderttausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Straße. (rm)

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