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Arbeitsplatz-Offensive des US-Präsidenten

Donald Trump befiehlt ein Jobwunder

Donald Trump hat viele Wähler gewonnen, indem er ihnen Jobs versprochen hat. Nun muss der US-Präsident liefern – und übt Druck auf Unternehmen aus, nur noch in den USA zu produzieren. Doch Kritiker zweifeln, dass diese Strategie langfristig zum Erfolg führt.

Washington Mittwochnachmittag im Oval Office: Donald Trump und Intel-Vorstandschef Bryan Krzanich haben Neuigkeiten. Sieben Milliarden Dollar will der Chip-Gigant in eine neue Fabrik im Bundesstaat Arizona investieren, rund 10 000 Arbeitsplätze in der Region soll dies bringen. Der Präsident strahlt. Doch Krzanich schaut etwas gequält, als ein Reporter wissen will: Wie lange war das Investment schon geplant, warum wird es gerade jetzt – nach dem Wahlsieg Trumps – verkündet? Dann räumt der Intel-Manager ein: Man habe mit dieser Entscheidung abgewartet. Auf wessen Wunsch dies geschah, war allen Anwesenden klar. Denn Donald Trump braucht Erfolge, was neue Arbeitsplätze angeht.

Der neue US-Präsident ist nicht gerade ein Musterbeispiel für Bescheidenheit, wie die Welt mittlerweile weiß. Zu seinen Versprechen gehört auch die Zusage, der größte Job-Produzent zu sein, „den Gott jemals geschaffen hat“. Millionen neue Jobs hat er in Aussicht gestellt – eine Aussage, die ihm gerade in den vom Aufschwung vernächlässigten Industriezonen der USA, dem sogenannten „Rostgürtel“, wichtige Stimmen für den Wahlsieg beschert hatte.

Die Zutaten für Trumps Arbeitsbeschaffungs-Rezept sind relativ simpel: Trump versucht, die Unternehmenssteuern zu senken und Konzerne unter Druck zu setzen, die damit liebäugeln, wegen der damit verbundenen Lohnvorteile außer Landes zu produzieren oder dies bereits tun. Hinzu kommt die Androhung neuer Einfuhr- steuern, um Produkten „Made in America“ Standortvorteile zu verschaffen. Handels-Partnerschaften sieht er als Gefahr und nicht als Chance. Doch Donald Trumps allerliebstes Mittel sind Muskelspiele. Jene Firmen, die zuletzt ankündigten, neue Jobs im Land schaffen zu wollen, fürchteten vor allem eines: Den persönlichen Zorn eines unberechenbaren Präsidenten und dessen Polemik und Tiraden über Twitter. Ob diese Rechnungen eines politischen Novizen aufgehen, der seine Erfahrungen aus der Geschäftswelt – die andere Seite an die Wand drängen, um Konzessionen zu erreichen – als Blaupause für das Regieren verwendet?

Kritiker sagen: Donald Trump scheint mit seiner Philosophie gleich mehrere Aspekte zu übersehen. Erstens: Konzerne, die politisch erpresst werden, höhere Produktionskosten zu akzeptieren, werden diese Ausgaben am Ende auf den Verbraucher umlegen. Und der sitzt in diesen Fällen meistens in den USA. Der zweite Aspekt sei noch schwerwiegender. Trump mag noch so laut gegen China oder Mexiko wettern, die angeblich Jobs in den USA „gestohlen“ hätten – er übersehe dabei, dass in den letzten zwei Jahrzehnten die große Mehrheit an Jobs innerhalb des produzierenden US-Gewerbes im Land nicht durch Abwanderung verloren ging, sondern die fortschreitende Automatisierung.

Rund 80 Prozent aller US-Firmen, so zeigen Umfragen, planen in den kommenden Jahren tatsächlich, einen Teil der Belegschaft durch automatisierte Vorgänge und Roboter zu ersetzen. Interessant ist das Beispiel des Klimaanlagen-Herstellers Carrier aus Indiana. Kurz nach seinem Wahlsieg presste Trump der Unternehmensführung ab, 800 Jobs zunächst in den USA zu belassen, und nicht – wie geplant – nach Mexiko zu verlegen. Zudem brüstete sich der Republikaner damit, es werde nun auch Millionen-Investitionen am US-Standort von Carrier geben. Was Trump nicht sagte: Der Konzern will das Geld für Automatisierung verwenden – was künftige Jobverluste bedeutet.

Kritiker erkennen in Trumps Kurs noch eine weitere Gefahr: Wenn er weiter Firmen unter enormen Druck setzt, ausschließlich in den USA zu produzieren, könnten viele Unternehmen das Tempo der Flucht in die Automatisierung noch erhöhen, um den hohen Löhnen zu entgehen. Die dafür benötigten Industrieroboter werden derzeit vor allem in China produziert.

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