Donald Trump hält eine Rede am Flughafen von Middletown im US-Bundesstaat Pennsylvania
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Seine ehemalige Corona-Beraterin Deborah Birx distanziert sich von Trump.

„Parallel-Set“ an Daten

Trumps Corona-Beraterin packt aus: „Ihm wurden Grafiken vorgelegt, die ich nie gemacht habe“

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Arbeitete Ex-Präsident Trump bei seinen Corona-Briefings mit „alternativen“ Daten? Aussagen seiner Taskforce-Koordinatorin legen das nahe.

  • Trumps frühere Corona-Beraterin Deborah Birx hat den Ex-Präsidenten nach eigenen Angaben fast nie gesehen oder gesprochen.
  • Darüber hinaus habe Trump neben ihren Informationen ein „Parallel-Set an Daten und Grafiken“ erhalten.
  • Die Frage nach gezielter Desinformation beantwortete die Ärztin in dem entsprechenden Interview nicht.

Washington - Sie war die Nummer eins in Donald Trumps Corona-Taskforce - und hat nun über die Zusammenarbeit mit dem Ex-Präsidenten gesprochen. Die ehemalige Militärärztin Deborah Birx hat die Bemühungen gegen die Pandemie koordiniert. Und hatte dabei, so stellt sie es dar, teils ziemlich mit Trump zu kämpfen.

„Trump präsentierte bei Briefings Grafiken, die ich nicht erstellt hatte“, sagte Birx im TV-Interview mit CBS-Journalistin Margarete Brennan. Das am 24. Januar ausgestrahlte Gespräch schlägt gerade hohe Wellen. Denn, so fuhr sie fort: „Ich denke, dass jemand eine Art Parallel-Set an Daten für den Präsidenten erstellte. Ich weiß bis heute nicht, wer das gewesen sein könnte.“

Donald Trumps Corona-Beraterin: „Ich hatte sehr wenig Kontakt mit dem Präsidenten“

Das beunruhige sie stark, sagte Birx, denn sie sei ihn ihrem Job um Transparenz und Verantwortlichkeit bemüht. „Wir sollten nicht nur einen Teil der Daten ansehen, um besser dazustehen.“ Sie habe in ihrer Corona-Taskforce-Funktion mehr als 310 Tages-Lageberichte geschrieben. - und wisse nicht, ob Trump diese gelesen habe. „Ich hatte sehr wenig Kontakt mit dem Präsidenten.“

Auf die Frage, ob es Corona-Leugner im Weißen Haus gegeben habe, antwortete Birx: „Es gab sicherlich Menschen, die das für einen schlechten Witz hielten.“ Wie kann das sein?, lautete die entsetzte Nachfrage der Interviewerin. Vermutlich, weil die Informationen zu Beginn verwirrend waren, so Birx, und es auch milde Verläufe der Krankheit gab. „Sie sahen Menschen, die Covid-19 bekamen und damit klarkamen.“

Trump-Beraterin Birx im Interview: „Hatten Sie den Eindruck, das Weiße Haus zensiert Sie?“

Schließlich wird Brennan sehr direkt: „Hatten Sie den Eindruck, das Weiße Haus zensiert Sie?“ Die Antwort mutet ausweichend an: „Also, wie Sie vielleicht mitbekommen haben, habe ich zum einen nicht die nationale Presse gemacht. Mir war zum anderen auch sehr wichtig, den Dienstweg nicht zu missachten.“ Es habe so viele anderslautende Medienberichte gegeben, dass sie diesen „Schlitterpfad“ habe meiden wollen.

Zwischen den Zeilen klingt hier Kritik an den Medien an. Die hätten zwar mit der guten Absicht begonnen, die Amerikaner zu informieren, aber dann hätten sie teils versucht, Andersmeinende „zum Schweigen“ zu bringen, glaubt Birx. „Deshalb war mir klar, dass, sobald es Unstimmigkeiten im Weißen Haus gab, es in wenigen Tagen eine Story gegeben hätte“, mutmaßt sie.

US-Expertin warnt vor Fake News in Corona-Pandemie - „Das sind Mythen“

Birx hatte noch Monate nach Pandemie-Beginn gewarnt, dass sich falsche Behauptungen hielten. Wenn sie im Land unterwegs sei, höre sie Menschen „nachplappern“, dass Masken nicht funktionierten, dass man auf Herdenimmunität hinarbeiten sollte und dass Versammlungen nicht zu Superspreading-Events würden, sagte sie dem Sender NBC News. „Ich denke, unsere Aufgabe ist es, ständig zu sagen, dass dies Mythen sind, dass sie falsch sind.“

Sie beklagte auch den Widerstand von Gouverneuren und Bürgermeistern gegen strengere Maßnahmen. In einigen Südstaaten griffen die Verantwortlichen nicht auf bewährte Schritte zurück. Insgesamt haben sich in den USA mit rund 330 Millionen Einwohnern mehr als 25 Millionen Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert, fast 430.000 Menschen starben mit dem Erreger. In absoluten Zahlen gemessen sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt. (frs)

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