Umfragehoch 

Corona-Pandemie in USA außer Kontrolle: Donald Trump gewinnt trotzdem an Popularität 

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Die Corona-Pandemie beutelt die Vereinigten Staaten. Trotzdem wird US-Präsident Donald Trump immer beliebter. 

  • Donald Trump legt in Umfrage deutlich zu
  • Menschen bewertete Trumps Corona-Krisenmanagement positiv
  • Coronavirus Sars-Cov-2* in den USA weit verbreitet  

Washington - Donald Trump geht es gut. Ja, auch gesundheitlich, sein Test auf das neuartige Coronavirus Sars CoV-2 ist bekanntlich negativ ausgefallen. Doch mehr noch dürfte sich der US-Präsident über die derzeitigen Umfragewerte in den USA freuen. Denn die sind für ihn so gut wie selten zuvor. Die Werte, die das Meinungsforschungsinsitut Gallup in dieser Woche veröffentlicht hat, sprechen jedenfalls für sich: 49 Prozent der Befragten finden, dass Trump einen guten Job mache. 

Das klingt zunächst noch nicht sonderlich beeindruckend, besitzt aber doch eine nicht zu unterschätzende Relevanz bei einem Präsidenten, der bisher häufig nur von seinen eigenen Fans positiv beurteilt worden ist. So dümpelte Trumps Zustimmungsrate bis auf wenige Ausnahmen meist bei Werten um die 43 Prozent oder niedriger herum. Die jetzige Änderung ist laut Gallup-Umfrage vor allem darauf zurückzuführen, dass auch die Nicht-Republikaner den US-Präsidenten im Augenblick in einem besseren Licht sehen.

USA stecken mitten in der Coronakrise

Wie aber ist das zu erklären? Immerhin werden die USA gerade von einer Coronawelle gebeutelt, die inzwischen schlimmere Ausmaße anzunehmen scheint als in China, Italien oder Spanien. Tatsächlich könnte sich das Epizentrum der Corona-Pandemie demnächst von Europa in die USA verlagern, wie auch ein Blick auf eine neue Studie der University of Washington zeig, die im schlimmsten Fall bis zu 81.000 Todesfälle in den Vereinigten Staaten prognostiziert. Doch Trump wäre nicht Trump, hätte er nicht einen Weg gefunden, sich als Macher in der Coronakrise zu präsentieren. Weil er seine geliebten Wahlkampfauftritte nicht mehr absolvieren kann, hat er sich auf Fox-News-Interviews und Pressekonferenzen verlegt - in denen er Tag für Tag seine Meinung zum Coronavirus kundtut.

Aktuelles aus dem Weißen Haus: Donald Trumps Pressesprecherin hört auf - nach weniger als einem Jahr

Diese Auftritte scheinen beim Volk anzukommen. Laut Gallup-Umfrage finden nämlich 60 Prozent der Befragten, dass Trump seine Sache in der Coronakrise gut mache. Nur 38 Prozent hingegen bewerten sein Vorgehen negativ. Mitunter ist das schwer zu verstehen. Immerhin hat Trump noch bis in den März hinein die Coronakrise einfach wegzutwittern versucht. Dazu polterte Trump einmal, er übernehme für Versäumnisse bei Tests auf das Coronavirus „überhaupt keine Verantwortung“. Dann ging er noch einen Schritt weiter und behauptete, in den USA werde so viel getestet wie in keinem anderen Land der Welt: „Wir haben in acht Tagen mehr Tests durchgeführt als in acht Wochen in Südkorea.“ Das ist alles nachweislich nicht korrekt. Trotzdem kommt Trump mit seinen Aussagen durch, auch wenn der Anthony Fauci, der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, an Trumps Worten schon mal zu verzweifeln droht.

Corona in den USA: Amerikanisches Volk steht in Krisenzeiten zum Präsidenten

Nun ist es aber zweifellos so, dass das amerikanische Volk schon immer in Zeiten einer Krise sich hinter dem Präsidenten gestellt hat. Noch jeder US-Präsident der vergangenen sieben Jahrzehnte hat von solchen Ereignissen profitiert. Das trifft auf Franklin Delano Roosevelt und den Angriff auf Pearl Harbor zu, auf John F. Kennedy während der Kuba-Krise, auf Bill Clinton während seines Impeachment-Verfahrens und ganz besonders auf George W. Bush, dessen Zustimmungsrate nach dem 11. September 2001 um 35 Prozentpunkte in die Höhe schnellte. Dagegen fällt Trumps Steigerung um fünf Prozentpunkte vergleichsweise gering aus.

Vielleicht ist Trumps Mini-Umfragehoch also nur ein kurzes Strohfeuer. Man darf auch nicht vergessen, dass Gallup die Menschen im Zeitraum vom 13. bis 22. März befragte, die Situation sich inzwischen aber schon längst wieder verändert hat. Erst bei der nächsten Umfrage wird man sehen, ob Trump den - aus seiner Sicht - richtigen Kurs fährt. Denn wichtig ist für ihn letztlich nur, dass er im November erneut zum Präsidenten gewählt wird. Die Coronakrise könnte ihm dabei helfen - oder ihm am Ende doch ein Bein stellen. 

Von Christian Stör

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Unterdessen scheint Bernie Sanders aus dem Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur raus zu sein. Nun ist der Weg für Joe Biden als Trump-Gegner frei.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Patric k Semansky

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