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"Donald Trump spricht Menschen an, die seit den 1980er-Jahren nur Verlusterfahrungen gemacht haben", sagt LMU-Professor Michael Hochgeschwender.

Merkur-Interview

"Für amerikanische Verhältnisse ist Donald Trump relativ links"

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München – Donald Trump gilt inzwischen als großer Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Michael Hochgeschwender, Professor für amerikanische Geschichte an der LMU, spricht im Merkur-Interview über die Hintergründe von Trumps Erfolg und Parallelen zur AfD in Deutschland.

Donald Trump hat im Vorwahlkampf der Republikaner mit Florida und Illinois in zwei weiteren wichtigen Staaten gewonnen. Haben Sie eine Erklärung für seinen Erfolg?

Michael Hochgeschwender ist Professor für amerikanische Geschichte an der LMU.

Michael Hochgeschwender: Trump spricht Menschen an, die seit den 1980er-Jahren nur Verlusterfahrungen gemacht haben. Wenn Sie in den USA Teil der unteren Mittelschicht sind, haben Sie mittlerweile in der Regel zwei bis drei Jobs. Sonst kommen Sie gar nicht über die Runden. Genau auf diese Menschen zielt Trumps Wirtschaftsprogramm ab. Jobs sicherer machen und im Land halten, Schutzzölle gegen China oder Japan einführen – damit erreicht Trump auch viele Arbeiter.

Trump mobilisiert viele Enttäuschte und viele ehemalige Nichtwähler. Sehen Sie Parallelen zum Erfolg der AfD in Deutschland?

Hochgeschwender: Ja und nein. Natürlich setzen beide auf die Unzufriedenen. Allerdings steht Trump – wenn man sich seine Wirtschafts- und Sozialpolitik ansieht – deutlich links von der AfD. Abgesehen von Obamas Krankenversicherung ist Trump für die Beibehaltung des Sozialstaats. Für amerikanische Verhältnisse ist das relativ links – was im Übrigen dazu führt, dass viele Anhänger des demokratischen Bewerbers Bernie Sanders sagen: Wenn Hillary Clinton unsere Vorwahl gewinnt, wählen wir Trump.

"Latinos und Frauen werden Trump ohnehin nicht wählen"

Ernsthaft?

Hochgeschwender: Ja. Trump und Sanders sind mit Blick auf ihre Anhänger nicht so unterschiedlich wie man denkt. Gruppen, die sich vernachlässigt fühlen, eine Stimme geben – diesen Versuch unternehmen beide. Ich glaube, dass diese Gruppen vor allem durch den Umgang mit der Finanzkrise ab 2008 aufs Tapet gehoben worden sind. Plötzlich hatten die Staaten Milliarden für die Rettung von Großwirtschaft und Banken zur Verfügung. Und da haben viele Leute gesagt: Wo kommt das Geld denn her? Und warum kriegen die es, während es uns im Namen einer neoliberalen Politik weggenommen wurde?

Eine Resignation, aus der mittlerweile Wut geworden ist?

Hochgeschwender: Genau. Und diese Wut bündelt sich sowohl in der AfD, die natürlich auch von der Migrationskrise profitiert, als auch in der Figur Donald Trump.

Trump poltert, beleidigt, wütet. Erstaunlich, dass diese Taktik aufgeht.

Hochgeschwender: Latinos und viele Frauen werden ihn ohnehin nicht wählen. Und Trumps Auftritte kommen bei seinem Klientel gut an. Dazu kommt: Es gelingt ihm zunehmend, auch in die gehobene weiße Mittelschicht einzudringen. Langsam sammelt Trump auf diesem Weg eine Koalition zusammen, die breiter ist als die seines Konkurrenten Ted Cruz. Der steht nur bei den Evangelikalen der „Tea Party“ wirklich hoch im Kurs. In der Partei hat er aber wahrscheinlich noch weniger Freunde als Trump.

"Es wird nicht ganz so ein schmutziger Wahlkampf"

Ist das ein Indiz dafür, dass Trump letztlich das Rennen bei den Republikanern machen wird?

Hochgeschwender: Es wird jedenfalls immer wahrscheinlicher, auch wenn Trump nicht so souverän vorne liegt, wie es mitunter in den Berichten scheint. Die Republikaner haben es schlicht versäumt, eine Koalition gegen Trump zu schmieden. Und sollten seine Gegner tatsächlich versuchen, Trump beim Nominierungsparteitag im Juli noch zu verhindern, wird das zur Explosion der Partei führen. Vor einer solchen Spaltung aber dürfte das Establishment zähneknirschend Trumps Kandidatur akzeptieren.

Und dann kommt es zum nicht weniger schmutzigen Duell zwischen Donald Trump und Hillary Clinton?

Hochgeschwender: Ich nehme an, es wird nicht ganz so ein schmutziger Wahlkampf wie bei der republikanischen Vorwahl. Aber es wird mit Sicherheit dreckig. Andererseits: Amerikanische Wahlkämpfe sind immer dreckig.

Interview: Maximilian Heim

Verfolgen Sie die Entwicklungen zur US-Wahl 2016 in unserem Ticker.

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