Ankläger präsentieren Material

Trump-Impeachment: Schockierende Videos von Kapitol-Randale - Anwälte ernten bitteren Spott

Die US-Demokraten setzen im Amtsenthebungsverfahren gegen den Ex-Präsidenten auf Emotionen - neue Bilder randalierender Trump-Fans bilden den Auftakt.

  • Die Ankläger im Trump-Amtsenthebungsverfahren haben begonnen, ihre Argumente vorzutragen.
  • Dabei präsentierten sie auch neue Aufnahmen vom Angriff auf das Kapitol*.
  • Sie wollen damit das Gewissen der Senatoren wachrütteln.

Update vom 11. Februar, 16.14 Uhr: Von einem gelungen Impeachment-Auftakt für Donald Trumps Verteidiger kann man schwer sprechen. Zuerst neues brisantes Videomaterial (siehe unsere Erstmeldung unten). Und dann noch Spott von einem Star-Anwalt - und zwar von Alan Dershowitz, welcher Trump im ersten Impeachment-Prozess vertreten hatte. Trumps aktuelle Anwälte sind David Schoen und Bruce Castor.

Trump-Impeachment: Ex-Anwalt spottet über „inkompetenteste Rechtsvertreter eines US-Präsidenten“

„Ich habe keine Ahnung, was er macht. Ich habe keine Ahnung, warum er sagt, was er sagt“, stichelte Dershowitz nach Castors Auftritt im Senat. Er blieb damit nicht allein. Castor und Schoen seien gewiss die „inkompetentesten Rechtsvertreter eines modernen Präsidenten“, ob noch amtierend oder aus dem Amt ausgeschieden, mokierte sich der auf US-Präsidenten spezialisierte Historiker Michael Beschloss. „Wenn Castor und Schoen fertig sind, wird das Repräsentantenhaus wahrscheinlich ein drittes Impeachment (gegen Trump) fordern.“

Castor hatte von der Liebe zu den gewählten Volksvertretern gesprochen, ein Amtsenthebungsverfahren für überflüssig erklärt, weil Joe Biden inzwischen als Präsident gewählt sei, ausgeführt, Trump sei allenfalls fahrlässige Tötung vorzuwerfen, keine vorsätzliche Mordtat - was zu ziemlicher Wut bei Trump geführt haben soll*.

Trump-Impeachment: Schockierende Videos von Kapitol-Randale - Politiker auf der Flucht

Sicherheitskräfte bemühen sich, die Eindringlinge beim Sturm auf das US-Kapitol zurückzuhalten: Das Material benutzen die Demokraten im Amtsenthebungsverfahren gegen Trump.

Unsere Erstmeldung vom 11. Februar: Washington - Der Sturm auf das Kapitol* ist noch gut in Erinnerung. Nun haben die Ankläger im Impeachment-Prozess gegen Ex-Präsident Donald Trump* bislang unveröffentlichten Videoaufnahmen von der Randale gezeigt.

Die Überwachsungskamera-Bilder zeigen die dramatischen Stunden des Chaos im Herzen der US-Demokratie - Abgeordnete der Demokraten* spielten sie am Mittwoch im Senat* ab. Die Aufnahmen zeigen, wie radikale Trump-Anhänger am 6. Januar gewaltsam in das Gebäude eindrangen, Polizisten attackierten und durch das Parlament zogen.

Sturm auf das Kapitol: Verstörendende Bilder treiben Trump-Impeachment an - „Ober-Anstifter“

Zu sehen ist auf den Bildern auch, wie der damalige Vizepräsident Mike Pence*, Abgeordnete, Senatoren und Kongressmitarbeiter in einem Wettlauf gegen die Zeit in Sicherheit gebracht wurden. In einem Video läuft der heutige demokratische Senatsmehrheitsführer Chuck Schumer während der Evakuierung einen Gang entlang - und muss dann rennend umkehren.

Aufnahmen der Körperkamera eines Polizisten zeigen, wie er und seine Kollegen gewaltsam attackiert werden. Vorgespielt wurde zudem Polizeifunk. Darin geben Polizisten an, vom Mob angegriffen und überrannt zu werden, und fordern verzweifelt Verstärkung an. Die demokratischen Anklagevertreter zeigten auch umfassendes Videomaterial, das bereits bekannt war und das Ausmaß der Gewalt verdeutlicht.

Kongress-Abgeordnete verbarrikadieren sich während des Sturms auf das Kapitol am 6. Januar 2020 hinter einer Tür.

Die Demokraten werfen Trump vor, als „Ober-Anstifter“ für die Kapitol-Erstürmung mit fünf Toten verantwortlich zu sein. Im Senat wird dem früheren Staatschef deswegen ein Prozess wegen „Anstiftung zum Aufruhr“ gemacht. Weil die große Mehrheit der republikanischen Senatoren aber bislang fest hinter Trump steht, gilt eine Verurteilung als nahezu ausgeschlossen. Dafür wäre im Senat eine Zweidrittelmehrheit notwendig.

Trump-Amtsenthebungsverfahren nach Randale im Kapitol: Ankläger setzen auf Emotionen

Die neun demokratischen Abgeordneten, die die Anklage vertreten, setzen neben inhaltlichen Argumenten auf eine emotionale Beweisführung. Sie wollen die Senatoren so doch noch von einem Schuldspruch gegen Trump überzeugen - und wenden sich zugleich an die Öffentlichkeit.

Die Abgeordnete Stacey Plaskett betonte, der Mob habe es am 6. Januar auch auf den Pence abgesehen - wie Trump ein Republikaner*. Auf Aufnahmen ist zu hören, wie Angreifer fordern, Pence zu hängen. Der damalige Trump-Stellvertreter leitete die Kongresssitzung, in der der Sieg des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom 3. November endgültig bestätigt werden sollte.

Trump hatte Pence wiederholt aufgefordert, widerrechtlich eine Bestätigung von Bidens Wahlsieg zu verhindern. Pence hatte dies zurückgewiesen. (dpa/AFP/frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: © Senate Television/AP/dpa

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