Nicht mein Präsident: Angel Belderes und seine Freundin Amira Gauthier.

Vor Ort in Texas

Trump in El Paso: Sie lieben oder sie hassen ihn

  • schließen

Donald Trump an der Grenze zu Mexiko. In der Grenzstadt El Paso hält er eine Rede. Seine Fans jubeln ihm zu, die Gegner mobilisieren. Der Präsident spaltet seine Nation tief.

El Paso – Schon drei Stunden vor Beginn des Präsidenten-Auftritts erstreckt sich die Schlange der geduldig Wartenden um mehrere Straßenblöcke. Tausende werden es am Ende aufgrund der Feuerbestimmungen nicht in das „Coliseum“ im Herzen der Grenzstadt E Paso im US-Bundesstaat Texas schaffen. Die 6500 Sitze füllen sich schnell in einer Stadt, die wie kaum eine andere in den USA von der Nähe zu Mexiko geprägt ist. Die leichte Hügellage El Pasos erlaubt einen guten Blick auf die Stadt Juarez gleich hinter der Grenzfestigung, die hier schon seit 2010 auf mehr als zehn Kilometern ein ziemlich unüberwindbarer Zaun ist.

Auftritt in El Paso hat viel Symbolkraft

Für Donald Trump hat die erste Kampagnen-Veranstaltung in diesem Jahr viel Symbolkraft – auch wenn er in der Debatte um einen Weiterbau der Absperrungen hier und an vielen anderen Grenzstellen nicht ehrlich ist. El Paso war, anders als es der Präsident in seiner Rede zur Lage der Nation kürzlich behauptete, vor der Zaunerrichtung nie eine der gefährlichsten Städte der USA. Und seit der Fertigstellung hat sich an der Kriminalstatistik nicht viel zum Positiven geändert.

Lesen Sie auch: Trump macht sich über Klimawandel lustig - Ex-Regierungsmitarbeiter antworten scharf 

Solche Widersprüche aus dem Mund des Präsidenten stören jene nicht, die ihm an diesem kühlen Abend huldigen wollen. Unter den Fans sind überraschend viele Jugendliche und Latinos. Wer keine der roten „Macht Amerika wieder groß“-Baseballkappen mitgebracht hat, kann sie von Straßenhändlern zu Wucherpreisen von 20 Dollar erwerben. Nach nur 30 Minuten sind die meisten Anbieter ausverkauft. Neu auf dem Markt sind die „Fund the wall“-Mützen. Eine Aufforderung an die Demokraten in Washington, Trump endlich die geforderten 5,7 Milliarden Dollar für die Mauer zu finanzieren. Viele der Wartenenden wollen, dass der Präsident auf der vollen Summe besteht. Und einige, wie der 53-jährige Busfahrer Matt Powell, möchten noch mehr: dass Trump auch die legale Einwanderung massiv beschränkt. „Wo die Mauer existiert, ist sie sehr effektiv. Wir brauchen sie überall. Und wir brauchen auch eine stärkere Abschottung von legalen Migranten. Die sollen erst einmal lernen, sich anzupassen – und Englisch sprechen“, sagt Powell und schwenkt eine gigantische Trump-Fahne.

„Nicht mein Präsident“

Es sind unverblümte Ansichten, die an diesem Abend in El Paso aufeinanderprallen. Entweder lieben oder hassen die Menschen hier Donald Trump. Grauzonen scheinen nicht zu existieren. Bei der Gegenveranstaltung des demokratischen Hoffnungsträgers und potenziellen Präsidentschafts-Kandidaten Beto O‘Rourke, nur wenige hundert Meter entfernt, bemüht man sich zwar um Kritik in zivilem Ton. Doch auf der Straße sieht es ganz anders aus.

Beto O‘Rourke.

Vier Latinos haben gleich um die Ecke vom Auftrittsort eine in die Jahre gekommene Limousine mit den Worten „Fuck Trump“ besprüht – und jeder, der sich in die Warteschlange einreiht, muss an dieser Stelle vorbei. Angel Belderes (18) und seine Freundin Amira Gauthier, tragen ein Plakat mit den Worten „Nicht mein Präsident“ an den Trump-Fans vorbei.

Lesen Sie auch:  Nächste extreme Kältewelle in den USA: Gigantischer Temperaturabfall steht bevor

Doch von Kritik oder Zweifeln an der persönlichen Integrität Trumps lassen sich die Anhänger des Präsidenten nicht erschüttern. „Wir brauchen die Mauer überall. Und an den Russland-Vorwürfen ist überhaupt nichts dran,“ sagt der 29-jährige Carlos Tapia aus El Paso. Der aus Lateinamerika legal eingewanderte Werkzeugmacher ist mit seinen Freunden Aaron Appleby und Gerardo Ugarte gekommen – in T-Shirts, die sie mit den spanischen Worten „Puro Pinche Trump“ bemalt haben – was sich in der etwas rauen Straßensprache der Stadt so übersetzen läßt: „Fuck ja, Trump“. Es ist eine ungewöhnliche Form der Zustimmung, gegen die auch Kim Tengelitsch (55) nichts einzuwenden hat. Die Frau mit deutschen Vorfahren sieht Trump als Hoffnungsträger mit Blick auf ihre persönliche Situation. Vor seiner Präsidentschaft verlor sie, wie sie sagt, ihren Job in einem örtlichen Unternehmen durch das Handelsabkommen NAFTA, das der Präsident gerne als „Desaster“ bezeichnet. Heute arbeitet sie beim Walmart-Konzern für einen Stundenlohn von 11,50 US-Dollar. „Die Demokraten haben immer viel versprochen, aber nichts gegeben,“ erklärt sie ihre Sympathie für den New Yorker Milliardär.

Trump spielt seinen Fans die Bälle zu

Die Zustimmung dieser Fans – quer durch alle Altersschichten – für den Präsidenten scheint trotz der nahezu täglichen Negativschlagzeilen der führenden US-Zeitungen ungebrochen. David Borunka (41) liebt Trump, weil er „das ungeborene Leben schützen will“. Borunka hat seine Kinder David und Brandy mitgebracht, die ein Schild mit der Aufschrift „Jugend für Trump“ tragen.

Trump spielt ihnen die Bälle geschickt zu – mit den bekannten Parolen: Die Mauer werde gebaut werden, egal was bei den Gesprächen in Washington herauskomme. Es müsse endlich ein Ende der illegalen Einwanderung geben. Dann kommt noch ein kurioser Hinweis: Nichts sei besser zur Grenzsicherung als ein deutscher Schäferhund.

Am Ende jubeln die Massen und Mick Jagger singt vom Band: „You can‘t always get what you want“. Man kann nicht immer bekommen, was man möchte. Der derzeit in Washington auf dem Tisch liegende Kompromiss der beiden Parteien sieht nur 1,375 Milliarden Dollar für neue Grenzbefestigungen vor, die nicht aus Beton sein sollen. Ob Trump zustimmt?

Friedemann Diederichs

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Anne Will“ zu Erdogans Militär-Offensive: Diese Gäste diskutieren am Sonntag in der ARD
Am Sonntag, 20. Oktober, bespricht Talkmasterin Anne Will in ihrer ARD-Sendung die Militäroffensive des türkischen Präsidenten Präsident Recep Tayyip Erdogan - und die …
„Anne Will“ zu Erdogans Militär-Offensive: Diese Gäste diskutieren am Sonntag in der ARD
Maas über Türkei-Offensive: „Nicht im Einklang mit Völkerrecht“ - Kurdenmiliz kündigt erstmals Rückzug an
Während der Waffenruhe in Nordsyrien droht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Kurden. Nun plant die Kurdenmiliz einen Rückzug. Alle aktuellen Nachrichten …
Maas über Türkei-Offensive: „Nicht im Einklang mit Völkerrecht“ - Kurdenmiliz kündigt erstmals Rückzug an
Grüne legen bei Schweizer Parlamentswahl deutlich zu
Die Grünen haben im Schweizer Parlament so viele Sitze dazu gewonnen wie keine Partei seit Jahrzehnten. Die absolute rechte Mehrheit ist hin. An der Regierung ändert das …
Grüne legen bei Schweizer Parlamentswahl deutlich zu
Söder nach gescheiterem Plan für Frauenquote: „Das wirft uns um Jahre zurück“
Die CSU-Spitze scheitert überraschend mit ihrem Plan, die fixe Frauenquote auszuweiten. Der Parteitag zerpflückt den Leitantrag zur CSU-Reform, Markus Söder muss mit …
Söder nach gescheiterem Plan für Frauenquote: „Das wirft uns um Jahre zurück“

Kommentare