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Andrea Nahles.

„Die Welt in drei Minuten und 32 Sekunden unsicherer gemacht“

Nahles mit emotionaler Wutrede gegen Trump - dann macht sie den US-Botschafter lächerlich

SPD-Chefin Andrea Nahles hat US-Präsident Donald Trump nach dem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran einen "großen Anschlag auf das transatlantische Bündnis" vorgeworfen.

Berlin - Jetzt komme es darauf an, "dass die Europäer solidarisch zusammenhalten", sagte Nahles am Mittwoch in Berlin. Sie freue sich, dass Deutschland, Großbritannien und Frankreich sich einig darüber seien, das Abkommen mit dem Iran weiter aufrechterhalten zu wollen.

Trump habe die Welt "in drei Minuten und 32 Sekunden" unsicherer gemacht, sagte Nahles bezogen auf die Erklärung des US-Präsidenten am Dienstagabend. Die Aufkündigung des Atomabkommens sei ein "schwerwiegender Fehler", der die "gesamte Welt in große Sorge" versetze.

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Trumps Entscheidung dürfte auch auf deutsche und europäische Unternehmen Auswirkungen haben, die mit dem Iran Geschäfte machten, sagte Nahles. „Und das hat insoweit auch eine direkte Auswirkung auf Deutschland.“ Sie lobte den Iran, der aus ihrer Sicht „sehr besonnen“ reagiert habe. Präsident Hassan Ruhani hatte am Dienstagabend deutlich gemacht, dass Teheran zunächst an der Vereinbarung festhalten wolle.

Dann machte sie den neuen US-Botschafter Richard Grenell lächerlich: „Es ist nicht meine Aufgabe, die hohe Kunst der Diplomatie zu lehren. Schon mal gar nicht den amerikanischen Botschafter. Aber ein bisschen Nachhilfe scheint er zu gebrauchen.“

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Grenell hatte am Vorabend auf Twitter geschrieben, deutsche Unternehmen sollten nach dem Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran „sofort“ ihre Geschäfte mit dem Iran herunterfahren.

Nahles-Kollege und Außenminister Heiko Maas (SPD) nannte die Aufkündigung des Abkommens durch US-Präsident Donald Trump nicht nachvollziehbar, sagte Maas. Sie werfe die Bemühungen um Stabilität in der Region „nicht unwesentlich zurück“. Es gelte nun, eine „unkontrollierte Zuspitzung in der Region“ zu verhindern. Deutschland werde mit Großbritannien und Frankreich mit einer Stimme sprechen: „Wir bleiben der Nuklear-Vereinbarung verpflichtet.“

Irans Rivalen begrüßen Trumps Schritt

Trump hatte am Dienstag den Austritt seines Landes aus dem Atomabkommen mit dem Iran erklärt. Er begründete seine Entscheidung unter anderem damit, dass Teheran trotz der Vereinbarung von 2015 sein Streben nach Atomwaffen fortgesetzt habe. Zugleich leitete Trump die Wiedereinsetzung von Sanktionen ein.

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International stieß seine Entscheidung auf Kritik, nur Irans regionale Rivalen Israel und Saudi-Arabien begrüßten den Schritt. Berlin, London und Paris hatten zuvor bei Trump vergeblich für den Verbleib der USA in dem Vertrag mit dem Iran geworben. Sie kündigten an, sich nach dem Ausstieg der USA weiter für den Erhalt der Vereinbarung einsetzen.

afp, dpa

Die USA steigt aus:

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