Beunruhigende Szenen in Washington

Sturm auf das US-Kapitol: FBI-Ermittlungen gegen Trump-Anhänger - Erste Unternehmen entlassen Randalierer

  • vonTim Althoff
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  • Florian Schimak
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Anhänger von Donald Trump stürmen das US-Kapitol in Washington, es gibt mehrere Tote. Im Netz kursieren zahlreiche erschreckende Aufnahmen. Das FBI macht Jagd auf die Täter.

  • In Washington spielen sich dramatische Szenen ab, als Trump-Anhänger versuchen, das US-Kapitol zu stürmen.
  • Im Netz kursieren zahlreiche Bilder und Videos der gewaltsamen Proteste, die auch Menschenleben forderten.
  • Nun hat sich auch das FBI eingeschaltet und ermittelt gegen die Anhänger des bisherigen US-Präsidenten.

+++ Dieser Ticker ist beendet. Alle neuen Entwicklungen rund um den Sturm des Kapitols finden Sie in unserem aktuellen News-Ticker +++

Update vom 8. Januar, 10.30 Uhr: Staatsanwalt Mike Sherwin bestätigte in einer Telefonschalte mit Journalisten, das Ermittler Videomaterial sichteten würden. Hunderte Mitarbeiter durchsuchten soziale Medien, um potenzielle Straftäter zu identifizieren. Bislang gebe es im Zusammenhang mit den Vorfällen am Kapitol insgesamt 55 Strafanzeigen. Sherwin betonte aber auch, dass man erst am Anfang stehe bei der Strafverfolgung.

Doch es gibt nicht nur strafrechtliche Konsequenzen für die Randalierer. Denn auch Unternehmen haben Mitarbeiter auf den Fotos und Videos erkannt. So gab das Marketing-Unternehmen Navistar aus Maryland bekannt, dass sie einen Mitarbeiter gekündigt haben, nachdem er fotografiert wurde, wie er seinen Firmenausweis im Inneren des Kapitols trug. Darüber berichtet CNN. „Während wir das Recht aller Mitarbeiter auf friedliche, rechtmäßige Ausübung der freien Meinungsäußerung unterstützen, wird jeder Mitarbeiter, der gefährliches Verhalten zeigt, das die Gesundheit und Sicherheit anderer gefährdet, nicht mehr eine Beschäftigungsmöglichkeit bei Navistar Direct Marketing haben,“ sagte das Unternehmen in einem Statement.

Ein texanischer Anwalt ist ebenfalls seinen Job los, nachdem in den sozialen Medien zu sehen war, wie er über seine Teilnahme an den Vorkommnissen vom Mittwoch sprach. Auch einen Professor vom Saint Vincent College in Pennsylvania hat es erwischt. Er war ebenfalls in das Kapitol eingedrungen. Die Universität veröffentliche ein Statement: „Als Ergebnis dieser Untersuchung hat er sein Rücktrittsschreiben mit sofortiger Wirkung eingereicht und wir haben es akzeptiert. Er wird nicht länger mit dem Saint Vincent College in irgendeiner Funktion verbunden sein.“

Gewaltsamer Sturm auf das US-Kapitol: FBI ergreift Maßnahme gegen Anhänger von Donald Trump

Update vom 7. Januar, 16.30 Uhr: Das FBI hat eine eigene Webseite für Hinweise auf Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol in Washington eingerichtet. Die US-Bundespolizei bietet dort seit der Nacht zum Donnerstag die Möglichkeit, Videos und Fotos von Straftaten hochzuladen. Abgesehen davon können die Ermittler auf eine Fülle von belastendem Material aus erster Hand zurückgreifen: Anhänger des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump hatten in sozialen Medien zahlreiche Impressionen und Bewegtbilder auch selbst veröffentlicht.

Da sie trotz des Corona-Risikos zumeist ohne Maskenschutz agierten, sind darauf viele Gesichter klar zu erkennen. Die Angreifer wurden unter anderem dabei gefilmt, wie sie durch die Hallen des Kapitols laufen und in den Sitzungssaal sowie Büros von Abgeordneten eindringen. Vier Menschen hatten bei den gewaltsamen Ausschreitungen ihr Leben verloren, darunter eine glühende Fanatikerin. Ashli Babbitt hatte Stunden zuvor noch per Twitter angekündigt, das Kapitol zu stürmen.

Trump-Anhänger stürmen US-Kapitol: Videos zeigen Gewalt-Eskalation in Washington

Ursprungsartikel vom 6. Januar:

Washington/München - Es war früh klar, dass es ein besonderer Tag werden würde. Aber nicht, dass es ein derart besonderer werden sollte. Donald Trump hatte seine Anhänger dazu aufgerufen, am Mittwoch zum Kapitol zu ziehen. Friedlich wohl - aber auch im Wissen, wie sehr er die Menge aufheizte.

Ex-Präsident Trump hatte zuvor in seiner Rede wiederholt von Betrug bei der Präsidentschaftswahl gesprochen und zudem Vizepräsident Mike Pence Schwäche vorgeworfen, weil dieser im Vorfeld ankündigte, den Prozess der Zertifizierung nicht zu blockieren.

Donald Trump/US-Wahl: Eskalation im Video - Trump-Anhänger stürmen US-Kapitol in Washington

Im Kapitol tagte der US-Kongress, der das Ergebnis der Präsidentschaftswahl bestätigen sollte. Soweit kam es allerdings nicht, stattdessen musste die Sitzung unterbrochen werden, weil Anhänger von Donald Trump ins Kapitol einmarschierten. Pence wurde evakuiert und in Sicherheit gebracht.

Die Protestler nutzten unter anderem Polizeischilder und große Holz-Gegenstände, um die Fenster einzuschlagen und das Gebäude auf diesem Wege zu stürmen.

Auch innerhalb des Capitols konnte man das Eindringen beobachten.

In einem weiteren Video ist zu sehen, wie die Eindringlinge vorsichtig aber bestimmt weiter Raum im Capitol gewinnen und das Sicherheitspersonal zurücktreiben. Dabei kommt es zu kleinen Rangeleien mit dem Officer, der in deutlicher Unterzahl ist.

Stürmung des Capitols: Berichte von Schüssen und Einbrüche in einzelne Büros

Angeblich sollen auch Schüsse gefallen sein. Berichten zufolge, wurde sogar eine Frau angeschossen. Dies wurde bislang noch nicht bestätigt. Ein CBS-Reporter filmte jedoch ein Video, auf dem man zumindest einen lauten Knall hören kann.

Unter anderem wurde in das Büro der Sprecherin des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, Nancy Pelosi eingebrochen. Einer der Trump-Anhänger hat sich in ihrem Sessel fotografieren lassen. Dies könnte ihm allerdings nach Auswertung der Bilder nachträglich noch zu einem großen Verhängnis werden.

Andere Randalierer werden im Nachhinein weniger leicht zu erkennen sein. Viele liefen geschminkt und mit „besonderer Aufmachung“ durch das Gebäude.

Üblicherweise ist die Bestätigung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahl eine Formalie. Nur offensichtlich nicht, wenn der Präsident Donald Trump heißt. (smk)

Rubriklistenbild: ©  Miguel Juarez Lugo/Zuma Press/dpa

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