Nach Schüssen auf einen Schwarzen

Nach umstrittenem Trump-Besuch: Auch Biden besucht Kenosha und trifft sich mit Blake-Familie

Donald Trump besucht nach den erneuten Schüssen auf einen Schwarzen die Stadt Kenosha. Dort gab der US-Präsident ein gewohntes Bild ab und spaltet weiterhin die USA.

  • Nach den erneute Schüssen auf einen Schwarzen und dem Tod von zwei Demonstranten besucht Donald Trump Kenosha in Wisconsin.
  • Der Auftritt des US-Präsidenten sorgte für Aufsehen und scheint das Land weiter zu spalten.
  • Das Vorgehen der Demonstranten bezeichnete Donald Trump als Inlandsterrorismus.

Update vom 3. September, 22.05 Uhr: Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat sich mit der Familie des bei einem Polizeieinsatz schwer verletzten Afroamerikaners Jacob Blake getroffen. Zu dem Gespräch am Flughafen von Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin kamen laut mitreisenden Journalisten unter anderem Vater Jacob Blake Senior und Blakes Schwestern.

Biden besuchte am Donnerstag auch die Stadt Kenosha, in der ein Polizist Blake sieben Mal in den Rücken geschossen hatte. Ein Video von dem Polizeieinsatz löste Protest und Ausschreitungen in Kenosha sowie breite Empörung im Land aus.

Wahlkampf gegen Donald Trump: Joe Biden will positiven Einfluss auf die Stadt haben

Biden reiste zwei Tage nach einem Besuch des US-Präsidenten Donald Trump nach Kenosha. Dieser hatte sich in der Stadt mit Vertretern von Sicherheitskräften und von Krawallen betroffenen Unternehmern getroffen. Ein Gespräch mit der Blake-Familie gab es nicht.

Biden hatte vor seiner Reise gesagt, er wolle einen positiven Einfluss auf auf die Lage in der Stadt haben. Er traf sich in einer Kirche mit Vertretern verschiedener Bevölkerungsgruppen.

US-Präsident Trump besucht Kenosha und schweigt zu Polizeigewalt - Demonstranten seien „Inlandsterroristen“

Update vom 2. September 2020, 18.27 Uhr: Nach dem umstrittenen Besuch von US-Präsident Donald Trump in Kenosha will auch sein Herausforderer Joe Biden in die von Unruhen bei Anti-Rassismus-Protesten erschütterte Stadt reisen. Bidens Wahlkampfteam teilte am Mittwoch mit, Joe Biden und seine Ehefrau Jill Biden würden der Stadt an diesem Donnerstag einen Besuch abstatten. Dabei solle es ein Treffen mit Bewohnern geben, um „zu heilen und die Herausforderungen, vor denen wir stehen, zu thematisieren“.

Trump war am Dienstag in Kenosha, obwohl sich der Bürgermeister der Stadt und der Gouverneur des Bundesstaates Wisconsin - die beide der Demokratischen Partei angehören - , gegen einen Besuch des Republikaners ausgesprochen hatten.

US-Präsident Trump besucht Kenosha und schweigt zu Polizeigewalt - Demonstranten seien „Inlandsterroristen“

Erstmeldung vom 2. September 2020:

Washington - US-Präsident Donald Trump hat in einer umstrittenen Aktion die Stadt Kenosha besucht, die nach Polizeischüssen auf einen Schwarzen von teils gewaltsamen Protesten erschüttert worden war. Begleitet von einem massiven Sicherheitsaufgebot machte Trump sich gestern in der Stadt im Bundesstaat Wisconsin ein Bild von den Zerstörungen infolge von Ausschreitungen. So ließ er sich niedergebrannte Geschäfte zeigen und sprach mit den Besitzern.

Donald Trump besucht Kenosha: „Präsident von Recht und Ordnung"

In der Stadt gingen sowohl Anti-Rassismus-Demonstranten der Bewegung Black Lives Matter als auch Trump-Anhänger auf die Straße. Schon die Straße vom Flughafen in die Innenstadt war von Anhängern des Präsidenten und von Gegendemonstranten gesäumt. Ein Trump-Gegner hielt ein Schild mit der Aufschrift „Lügner“ in die Höhe.

Der Gouverneur von Wisconsin und der Bürgermeister von Kenosha hatten Trump von der Visite abgeraten, weil sie eine Zunahme der Spannungen befürchteten. Der selbsternannte „Präsident von Recht und Ordnung“ hielt aber an der Reise knapp zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl fest.

Kenosha: US-Präsident Trump bezeichnet Demonstranten als Inlandsterroristen

Den Besitzern eines niedergebrannten Geschäfts versprach Trump rasche Hilfe. Über die Polizisten vor Ort sagte der Präsident, sie hätten einen „fantastischen Job“ gemacht. Die Ausschreitungen bezeichnete er als „Inlandsterrorismus“. Kenosha sei von „Anti-Polizei- und anti-amerikanischen Krawallen“ erschüttert worden, so der Präsident. „Gewalttätige Mobs haben mindestens 25 Geschäfte zerstört oder beschädigt, öffentliche Gebäude niedergebrannt und Ziegelsteine auf Polizisten geworfen.“ Dies sei kein „friedlicher Protest“ In seiner Rede ging Trump weder auf die Polizeischüsse auf Jacob Blake noch auf den Tod von zwei Menschen am Rande der Proteste ein.

USA 2020: Kenosha steht für die Spaltung und Spannung im ganzen Land

Trump besuchte auch das in einer Schule eingerichtete Kommandozentrum der Sicherheitskräfte in Kenosha. Dort sagte der 74-Jährige, manche würden Recht und Ordnung als „zwei furchtbare Worte“ ansehen. Sie seien aber „schön“. Ein weißer Polizist hatte den 29-jährigen Blake am 23. August vor den Augen seiner drei kleinen Kinder durch sieben Schüsse in den Rücken schwer verletzt. Der erneute Fall von Polizeigewalt gegen Schwarze löste Empörung und Proteste aus, die teilweise in Gewalt ausarteten.

Kenosha steht beispielhaft für die Spannungen im Land, die Trumps Regierungszeit prägen. Kritiker werfen Trump vor, die Spannungen gezielt anzuheizen, um sich im Wahlkampf als Garant für Recht und Ordnung in Szene setzen zu können.

Donald Trump greift Biden erneut an - Chaos und Anarchie

Trump wirft den oppositionellen Demokraten von Präsidentschaftskandidat Joe Biden vor, in von ihnen regierten Städten nicht hart genug gegen Randale und Ausschreitungen vorzugehen. Er warnt, bei einem Wahlsieg Bidens am 3. November drohten die USA in Chaos und Anarchie zu versinken.

Biden wies dies energisch zurück und machte Trump für die Gewalt im Land mitverantwortlich: „Er kann die Gewalt nicht stoppen, weil er sie seit Jahren schürt“, sagte der frühere Vizepräsident. (CAN MEREY, JÜRGEN BÄTZ UND ANDREJ SOKOLOW)

Rubriklistenbild: © MANDEL NGAN / AFP

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