„Nie wieder gewinnen“

„Nichtsnutz“: Donald Trump will Absetzung von Republikaner-Boss - und liefert beleidigende Tirade

  • vonCornelia Schramm
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Nachdem sich Donald Trump von Parteiführer Mitch McConnell heftige Kritik gefallen lassen musste, holt der Ex-Präsident zum Gegenangriff aus.

Washington - „Wenn die republikanischen Senatoren zu ihm halten, werden sie nie wieder gewinnen“ - so harsch rechnet Donald Trump* mit seinem ehemaligen Verbündeten ab. Nur wenige Tage nach seinem Freispruch im Amtsenthebungsverfahren rief der Ex-Präsident am Dienstag die Republikaner dazu auf, sich von ihrer Parteispitze Mitch McConnell zu trennen. Die Republikanische Partei könne mit „Anführern“ wie Senator McConnell nie wieder „respektiert werden oder stark sein“, erklärte Trump und holte sogar noch weiter gegen den Top-Republikaner aus: Als „mürrischer, übellauniger und ernster politischer Nichtsnutz“ würde er niemals das tun, was getan werden müsse oder was für „unser Land“ richtig sei, so Trump.

Wie die New York Times berichtet, wollte Trump diese Mitteilung ursprünglich sogar noch drastischer ausfallen lassen und eine Pressekonferenz abhalten. Der Grund, weshalb der Ex-Präsident so gegen den Mann „aus den eigenen Reihen“ wettert, liegt auf der Hand: Trump fühlt sich von McConnell öffentlich an den Pranger gestellt. Denn obwohl der führende Senator am Samstag im Amtsenthebungsverfahren, mit dem die Demokraten Trump wegen „Anstiftung zum Aufruhr“ zur Verantwortung ziehen wollten, gegen seine Verurteilung stimmte*, fand er klare Worte: Trump trage Mitschuld an dem Angriff auf das Kongressgebäude* am 6. Januar und sei „praktisch und moralisch“ dafür verantwortlich, dass seine Anhänger das US-Kapitol erstürmten*.

Nach dem Freispruch rief McConnell quasi dazu auf, dass wegen dieser Vorkommnisse vor Gericht gegen den Ex-Präsidenten vorgegangen werden sollte. „Wir haben eine Strafjustiz in diesem Land, wir haben Zivilklagen - und frühere Präsidenten sind gegen keines von beiden immun“, so McConnell, der bereits seit 36 Jahren im US-Senat sitzt. Er steht für den verhältnismäßig gemäßigten Flügel der konservativen Partei, in der allerdings große Teile noch zum populistischen Kurs, dem auch Trump zuzuordnen ist, tendieren.

USA: McConnell lässt Impeachment-Verfahren scheitern - will Trump aber vor Gericht sehen

Obwohl sich also schon länger ein Bruch zwischen den beiden Republikanern abzeichnete, stimmte McConnell wie viele andere seiner Parteikollegen im sogenannten Impeachment-Verfahren für Trumps Freisprechung*. Das von den Demokraten initiierte Verfahren sei rechtswidrig, sei Trump doch derzeit gar nicht mehr im Amt, hieß es seitens der republikanischen Partei*. Die Verurteilung des Ex-Präsidenten hätte am Samstag eine Zweidrittelmehrheit von 67 Stimmen erfordert. Somit scheiterte das Amtsenthebungsverfahren mit den 50 Stimmen von den Demokraten und nur sieben Stimmen von Republikanern.

Mitch McConnell sitzt seit 36 Jahren im US-Senat. Weil er sich kritisch über Donald Trump geäußert hat, will der Ex-Präsident, dass die Republikaner sich jetzt von dem führenden Parteimitglied trennen.

Mit seinem Vorgehen hält Mitch McConnell der republikanischen Partei, nicht aber Donald Trump als Person, die Stange. Und deshalb kennt dieser nun kein Pardon. Die Mitteilung des Ex-Präsidenten - inklusiver der beleidigenden Tirade gegen eine der führenden Figuren der Partei - dürfte den Richtungsstreit bei den Republikanern also erneut verschärfen. Die parteiinterne Krise dauert spätestens seit November an, als nicht nur Trump die Wahl, sondern die Republikaner auch die Mehrheit im Senat verlor. Zuvor hatte McConnell als eine der mächtigsten Personen der Partei und Mehrheitsführer im Senat zahlreiche Belange der Trump-Regierung auf den Weg gebracht - mit der verlorenen Wahl zerbrach die Allianz zwischen ihm und Trump.

Trump könnte 2024 erneut für das US-Präsidentenamt kandidieren

Bereits am Dienstag drohte Trump* damit, bei den parteiinternen Vorwahlen die Herausforderer seiner Kritiker - zu denen nun auch McConnells zählt - zu unterstützen. So will der Ex-Präsident, der noch immer eine hohe Anhängerschaft in der Bevölkerung und innerhalb der republikanischen Reihen genießt, nicht seine politische Macht behalten, sondern auch all jene bestrafen, die sich ihm gegenüber als nicht loyal erweisen. Seit seinem Freispruch im Amtsenthebungsverfahren bleibt Trump schließlich auch eine erneute Präsidentschaftskandidatur nicht verwehrt - 2024 wird in den USA wieder gewählt.

Über den öffentlichen Hahnenkampf zwischen Trump und McConnell hält sich der amtierende US-Präsident Joe Biden* bedeckt. Mehr noch, er will sich nicht länger mit seinem Vorgänger Donald Trump - „dem ehemaligen Typen“ - beschäftigen. „Ich bin es leid, über Trump zu reden“, sagte der 78-Jährige am Dienstagabend dem US-Sender CNN. „Vier Jahre lang war alles, was in den Nachrichten war, Trump.“ In den kommenden vier Jahren wolle er dafür sorgen, dass das amerikanische Volk im Mittelpunkt stehe, so Biden. (cos) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Evan Vucci

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