Donald Trump winkt aus einem Auto
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Donald Trump hält sich dauerhaft in Florida auf. Zum Ärger vieler Nachbarn. (Archivbild)

Gespaltene Nachbarschaft

Donald Trump hält sich nicht an Abmachung in Mar-a-Lago - Nachbarn protestieren: „Entsetzliche Zumutung“

  • Josef Forster
    vonJosef Forster
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Donald Trumps Privatclub Mar-a-Lago spaltet die Gemüter in Palm Beach. Der Ex-Präsident nutzt das Anwesen als Hauptwohnsitz. Eine Entscheidung, die seine Nachbarn erzürnt.

Palm Beach - Auf den Tag genau vor zwei Monaten (8. Januar) räumte Donald Trump seine Wahlniederlage ein. Zwei Tage zuvor hatten Trump-Amhänger:innen in einer beispiellosen Gewaltexplosion die offizielle Anerkennung des Wahlergebnisses im Kongress zu verhindern versucht. Bei dem Sturm auf das Kapitol kamen fünf Menschen ums Leben, Trumps Niederlage wurde bestätigt, der 45. Präsident stand spätestens zu diesem Zeitpunkt politisch auf verlorenem Posten. In den Folgetagen wurde es ruhiger um Trump, auch weil Twitter seinen Account sperrte. Seine letzte Rede als US-Präsident hielt er am 20. Januar vor frenetischen Anhänger:innen auf der Andrews-Militärbasis, bevor er die Air Force One bestieg und das politische Rampenlicht (vorerst) hinter sich ließ. Das Ziel des letzten Fluges als US-Präsident: Florida.

Donald Trumps Mar-a-Lago: Privatclub, Sommerresidenz, Wohlfühloase

Als sich Donald Trump von seinen Fans verabschiedete, ließ er seine Fans aufhorchen: „Wir werden zurückkommen“, kündigte er damals an. Wer, wann und wie zurückkommen wird, steht in den Sternen. Wo die Trump-Familie an der Rückkehr arbeitet, scheint klar. In Trumps exklusivem Privatclub Mar-a-Lago stellt der Ex-Präsident die Weichen für die Zukunft.

Mar-a-Lago dient Donald Trump zurzeit als Wohnsitz

Mar-a-Lago erstand der Immobilienmogul Trump 1985. Der 80.000 Quadratmeter große Komplex gilt für viele Beobachter:innen als Rückzugsort des Ex-Präsidenten. Umgeben von seinen Treusten erholt er sich von der Wahl-Schlappe. Während seiner Amtszeit aufgrund seiner häufigen Besuche und Aufenthalte das „Winter White House“ genannt, lebt nun Trump dauerhaft in dem Komplex. Zum Ärger seiner Nachbarn.

Donald Trump sei der „schlechteste Präsident aller Zeiten“

Schon im Januar sorgten die Piloten einiger Sportflugzeuge für Aufsehen, als sie wenig schmeichelhafte Botschaften für den Ex-Präsidenten präsentierten. Die Flugzeuge, die in der Nähe von Trumps Anwesen kreisten, zogen Banner mit den Sätzen „Trump ist der schlechteste Präsident aller Zeiten“ und „Trump, du armseliger Verlierer, geh‘ zurück nach Moskau!“ Der Auftakt für weitere Proteste gegen Donald Trumps dauerhaften Aufenthalt in Mar-a-Lago.

Mar-a-Lago: Satzung von 1993 verbietet, dauerhaft im Club zu wohnen

Der Küstenort Palm Beach, an dem sich vor allem Vermögende niederlassen, gelangte während Trumps Amtszeit zu weltweiter Bekanntheit. Wie die Washington Post schreibt, hielt sich der Ex-Präsident mindestens 130 Tage in Palm Beach auf. Für die Anwohner:innen bedeuteten die Besuche des Präsidenten Staus und Lärm, da Straßen gesperrt und unzählige Sicherheitskräfte für den Präsidenten im Einsatz waren. Dabei hätte die Gemeindesatzung des Ortes die Nutzung Mar-a-Lagos als „Winter White House“ eigentlich verboten.

Wie US-Medien übereinstimmend berichten, verbietet ein Beschluss des Stadtrats von 1993, Mar-a-Lago als dauerhaften Wohnsitz zu nutzen. Die Instandhaltungskosten des Komplexes belasteten die Gemeindekassen mit Abermillionen Dollar, sodass Trumps Anwälte einer Abmachung zustimmten, die es Mitgliedern des Clubs verbietet, sich mehr als 21 Nächte im Jahr in Mar-a-Lago aufzuhalten. Die Washington Post schreibt, Trumps Anwalt habe damals „dem Stadtrat zugesichert, dass sein Mandat nicht dauerhaft in Mar-a-Lago leben“ werde. Dass sich Trump nun in Mar-a-Lago niederlässt, widerspricht der Vereinbarung.

Mar-a-Lago: Trumps Umzug spaltet die Nachbarschaft

Donald Trumps Umzug nach Florida spaltet Palm Beach. Wie der Spiegel den Anwalt einer Nachbarin Trumps zitiert, sei Trumps dauerhafte Anwesenheit eine „entsetzliche Zumutung“. Besonders die eingefleischten Fans des Ex-Präsidenten, die in den kleinen, exklusiven Ort pilgern, störten viele Nachbarn. Als Donald Trump von einem Golf-Ausflug nach Mar-a-Lago zurückkehrte, säumten hunderte frenetische Anhänger:innen den Straßenrand, jubelten „ihrem“ Präsidenten zu. Ungewohnter Trubel im ruhigen Palm Beach.

Donald Trumps Anhänger:innen säumten den Weg zu seiner Privatresidenz Mar-a-Lago

Der Spiegel schreibt, dass der Großteil der Trump-Fans aus der Umgebung oder anderen Teilen des Landes nach Palm Beach kommen, um ihr Idol zu unterstützen. Doch auch in Trumps direkter Nachbarschaft gebe es wohl Fans. Anders wäre wohl das, aus republikanischer Sicht, hervorragende Wahlergebnis der US-Wahl 2020 in Palm Beach nicht zu erklären. Der Spiegel berichtet, dass sich Trump bei der US-Wahl auf seine Nachbarschaft verlassen konnten. Rund 62 Prozent wählen den Ex-Präsidenten, der letztendlich sein Amt für Joe Biden räumen musste. Sein Nachfolger steht nun vor der großen Aufgabe, den Riss innerhalb der amerikanischen Gesellschaft zu kitten. Ein Blick nach Palm Beach zeigt, dass Joe Biden viel Arbeit vor sich hat. (jjf)

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