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Ist Trump wirklich ein Narzisst? Ein deutscher Psychiater sieht ein ganz anderes Problem

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Von: Cindy Boden

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Donald Trump sitzt im Oval Office und gestikuliert beim Sprechen.
Donald Trump am Ziel: Seine Wahl zum US-Präsidenten mit Sitz im Oval Office. © Carolyn Kaster/dpa

Ferndiagnosen sind unter Psychologen verpönt. Doch dass Trump ein Narzisst sei, sagten schon viele. Psychiater Manfred Lütz sieht die Sache anders.

Washington - Lügen, um Anerkennung zu bekommen: Diese Strategie wird US-Präsident Donald Trump des Öfteren zugeschrieben. Rund um das Coronavirus zum Beispiel verdrehte der US-Präsident* gern die Fakten, forderte etwa weniger Tests, damit die Fallzahlen nicht steigen. Bei der Virusbekämpfung will er sich und sein Land so besser dastehen lassen.

Genau das - Selbstbewunderung und Eitelkeit, innerlich aber ein mangelndes Selbstwertgefühl sowie starke Empfindlichkeit bei Kritik - zählen zu typischen Eigenschaften einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Sie werden mit dem amtierenden US-Präsidenten gern in Verbindung gebracht. So nennt seine Nichte Mary Trump ihn in ihrem Buch „Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf“ einen „verlogenen und kaltherzigen Narzissten“. Für manche Psychotherapeuten ist er gar eine perfekte Karikatur für ein solches Krankheitsbild.

Doch Manfred Lütz, jahrelang Chefarzt eines Fachkrankenhauses für Psychiatrie, Psychologie und Neurologie in Köln, hält Donald Trump nicht für einen Narzissten. Er hält ihn für schlimmer. In einem Gastbeitrag auf Focus Online erklärt er, pathologische Narzissten würden leiden. Leiden, weil die Patienten vereinsamen, da ihr Umfeld es nicht mehr mit ihnen aushält. Alles drehe sich permanent um sie, um so ein fehlendes Selbstbewusstsein mit permanentem Beifall auszugleichen.

Donald Trump lässt sich gern von seinen Anhängern feiern - und genießt diesen Erfolg

Aber bei Trump sei das anders: Er vereinsamt nicht. Anhänger jubeln ihm zu, standen ihm während seines Aufenhalts im Krankenhaus wegen seiner Corona-Infektion bei. Außerdem ist er erfolgreich. Eine der größten Bestätigungen für ihn dürfte seine Wahl zum US-Präsidenten gewesen sein.

Daraus schließt Psychologe und Theologe Lütz, dass Trump kein Narzisst sei, wie viele gern in Ferndiagnosen behaupten. Trumps Problem sei viel mehr eines der Moral. Geld, Erfolg, der Größte sein: Nach diesen Kriterien lebe Trump, mitbekommen habe er sie wohl von seinem Vater Fred Trump, dem er sich scheinbar jahrelang beweisen wollte und in dessen Fußstapfen er im Immobiliengeschäft trat.

Immer wieder führt sich Trump auf, als dürfe er alles tun. So sorgte im Wahlkampf 2016 seine Aussage von 2005 für Wirbel, man dürfe Frauen zwischen die Beine greifen und dann alles machen. Genauso wie er laut eigener Aussage mitten auf einer New Yorker Straße jemanden erschießen könnte, aber trotzdem keine Wähler verlieren würde.

Manfred Lütz: Trump überschreitet moralische Grenzen

In den Augen von Bestsellerautor Lütz überschreitet der amerikanische Oberbefehlshaber damit immer wieder moralische Grenzen, ohne Rücksicht. Auch wenn er den Fakten und Zahlen widerspricht, erzählt er das, was seine Anhänger hören und wie sie die Welt sehen wollen. Das verspricht Wählerstimmen. Und damit einen möglichen nächsten Erfolg. Ähnlich hatte sich auch der Politikwissenschaftler Stephan Bierling in einem Interview mit der Ippen-Digital-Zentralredaktion geäußert.

In einem Spiegel-Interview (Artikel hinter Bezahlschranke) sagt Lütz, Trump sei „brandgefährlich“, außerdem „zynisch“, „rücksichtslos“ und „menschenverachtend“. Da helfe auch keine Therapie. Manche amerikanische Psychiater wie Otto Kernberg sehen in Trump eine Gefahr für die Demokratie. Lütz selbst spricht noch einen weiteren Punkt an: Für ihn ist es ein Problem, dass Geschichtenerzähler wie Trump heutzutage mit Mehrheiten gewählt werden. Man sollte die Spaltung der Gesellschaft nicht anheizen, Anhängern hingegen realistische Antworten bieten. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

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