Donald Trump, damals noch US-Präsident, hält eine Rede vor Unterstützern, im Hintergrund steht das Weiße Haus.
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Nach dieser Rede veränderte sich auch für Donald Trump vieles: Am 6. Januar stürmten Trump-Anhänger das Kapitol in Washington, D.C.

Kampf hinter den Kulissen

Donald Trump sinnt nach Rache: Seinen Gegnern will er es besonders schwer machen

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Donald Trump bald in irgendeiner Form zurückkommt. Schon jetzt zieht er hinter den Kulissen Strippen. Gefolgsleute erhalten mächtige Unterstützung.

  • Donald Trump ist aus Washington, D.C. verschwunden, zuletzt wurde es ruhiger um ihn.
  • Doch er kämpft weiter: für Unterstützer, gegen ein Impeachment.
  • Ob der Zusammenhalt der Republikanischen Partei stark genug ist, bleibt offen.

Palm Beach, Florida - Das laute Washington, D.C. ist vorerst Geschichte. Neuer US-Präsident, neue Regeln im Weißen Haus, neue politische Linie. Donald Trump hat sich nach einem langen Kampf aus der politischen US-Hauptstadt verabschiedet. Er zog sich zurück, in seinen luxuriösen Privatclub Mar-a-Lago in Florida, mit Palmen, Golfen und warmem Wetter.

Seitdem, ist es auch um Trump ruhiger geworden. Keine täglichen Twitter-Tiraden mehr, nachdem seine Accounts gesperrt worden sind. Zurzeit auch keine Fernsehinterviews oder Videoansprachen.

Doch untätig ist Trump nicht: Wie der US-Sender Fox News berichtete, hat sich Trump ein offizielles Büro in Palm Beach County eingerichtet. Eine Erklärung von Trumps Büro besagte demnach, dass das „Büro des ehemaligen Präsidenten“ für seine „Korrespondenz, öffentlichen Erklärungen, Auftritte und offiziellen Aktivitäten“ verantwortlich sein wird.

Donald Trump will eine Verurteilung im Impeachment-Verfahren verhindern - und sinnt Rache

Denn hinter den Kulissen festigt der 74-Jährige seine Macht über die Republikanische Partei und sinnt auf Rache gegen all jene, die sich nach der Kapitol-Erstürmung von ihm abgewandt haben. Auch eine Verurteilung im bevorstehenden Impeachment-Prozess im Senat will Trump verhindern.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Hatte die gewaltsame Erstürmung des Kongresses durch von Trump aufgepeitschte Anhänger auch bei vielen Republikanern Empörung ausgelöst, schließen sich die Reihen der Partei scheinbar wieder.

Eine Abstimmung im Senat machte diese Woche deutlich, dass eine Zweidrittelmehrheit für eine Verurteilung kaum zustande kommen dürfte. 45 der 50 republikanischen Senatoren stellten sich hinter einen Antrag, den Prozess als verfassungswidrig abzulehnen. Hintergrund ist die Tatsache, dass ein Verfahren zur Amtserhebung verfolgen soll, obwohl Trump schon gar nicht mehr im Amt ist. Nur fünf Republikaner stimmten gegen den Antrag. Für eine Verurteilung Trumps müssten sich letztlich mindestens 17 Republikaner den 50 demokratischen Senatoren anschließen, sollten alle 100 Senatoren bei der Abstimmung anwesend sein. Die heiße Phase des Prozesses soll am 9. Februar beginnen.

Donald Trump: Viele Anhänger halten weiter zu ihm - droht die Spaltung der Republikanischen Partei?

Trump hatte schon während seiner Präsidentschaft jeden parteiinternen Widerspruch niedergewalzt. Seine bevorzugten Mittel: Offene Attacken gegen aufmüpfige Parlamentarier und die Drohung, seine Kritiker auszuschalten, indem er bei Republikaner-Vorwahlen ihre Herausforderer unterstützt.

Viele Konservative fürchten Trump auch nach seinem Abgang aus dem Weißen Haus. Denn bei der Basis wird der Rechtspopulist, der bei der Präsidentschaftswahl mehr als 74 Millionen Stimmen erhalten hatte, nach wie vor verehrt. Auch wenn viele gemäßigte Republikaner gerne den Bruch mit Trump vollziehen würden: Mit Blick auf die nächsten Parlamentswahlen 2022 erscheint vielen Konservativen ein Pro-Trump-Kurs als beste Option - allein schon, um sich nicht den Zorn des Ex-Präsidenten zuzuziehen.

Denn eine Spaltung der Partei wäre für die Republikaner ein gewaltiges Problem. Im derzeitigen Zwei-Parteien-System der USA hätten nur die Demokraten etwas davon. Und Medienberichte gibt es bereits, Trump erwäge eine eigene Partei zu gründen - die „Patrioten-Partei“, wie es hieß. Ob das stimmt oder nicht - die implizite Drohung ist klar: Wenn sich die Republikaner von ihm abwenden, gibt es neue Konkurrenz von rechts.

Trumps Unterstützung: Treue Gefolgsleute werden gefördert

„Wir werden in irgendeiner Form zurückkommen“, kündigte Trump verheißungsvoll und unter Jubelschreien an, bevor er Washington, D.C. verließ. Auch ein eigener Fernsehsender oder eine Internet-Plattform von Trump waren bereits im Gespräch.

Donald Trump und seine Frau Melania Trump: Ein letzter Blick auf ihre Unterstützer, bevor sie Washington, D.C. am 20. Januar verlassen haben.

Derzeit scheint Trump aber eher darauf aus, treue Gefolgsleute innerhalb der Republikanischen Partei zu fördern. Zu Wochenbeginn stellte er sich hinter seine frühere Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders, die im kommenden Jahr Gouverneurin des Bundesstaates Arkansas werden will. „Alles, was wir an Amerika lieben, steht auf dem Spiel“, sagte Sanders am Montag. In ihrer Bewerbungsrede versprach sie, gegen „Sozialismus und Tyrannei“ zu kämpfen und sich für Religionsfreiheit und das Recht auf Waffenbesitz einzusetzen. Solche Ankündigen dürften Trump gefallen, ihre Inhalte erinnern doch sehr an den Republikaner.

Schon zuvor hatte er der Parteichefin der Republikaner in Arizona, Kelli Ward, mit seiner Unterstützung zur knappen Wiederwahl verholfen. Mit ihr versucht Trump laut der Washington Post, Gegenkandidaten für republikanische Politiker zu organisieren, die ihm die Gefolgschaft verweigerten.

Donald Trump spielt hinten den Kulissen weiter eine wichtige Rolle

Unterstützen dürften Trump fortan parteiinterne Herausforderer all jener Parlamentarier, denen er mangelnde Loyalität vorwirft. Das dürfte unter anderem die zehn Abgeordneten treffen, die im Repräsentantenhaus gemeinsam mit den Demokraten für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump gestimmt hatten. Und jene Senatoren, die sich im Impeachment-Prozess gegen den früheren Präsidenten stellen - oder die ihn nicht engagiert genug verteidigen.

In eine unangenehme Situation könnte etwa Senator Marco Rubio aus Florida kommen. Er bezeichnete das Impeachment-Verfahren zuletzt zwar als „dumm“ und schändlich für die USA, hatte sich aber zuvor nicht an Trumps Versuchen beteiligt, den Ausgang der Präsidentschaftswahl vom 3. November zu kippen. Ganz im Gegenteil, Trump sei „für einige der Ereignisse verantwortlich“, die rund um die Stürmung des Kapitols passierten. Er kritisiert das Verfahren eher, weil es wichtigere Aufgaben gebe, die jetzt anstünden.

Und so wird spekuliert, dass Rubio bei den Vorwahlen der Republikaner im kommenden Jahr eine höchst prominente Herausforderin bekommen könnte: Trumps Tochter Ivanka. In einem Abschieds-Post auf Instagram gab sie sich beim Verlassen Washingtons schon sehr präsidial. (AFP/cibo)

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