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Trump bringt eigene Propaganda-Plattform an den Start - Kritiker befürchten Riesenschwindel

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Von: Jonas Raab

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Im App-Store kann man Donald Trumps neue Twitter-Alternative Truth Social bereits vorbestellen.
Im App-Store kann man Donald Trumps neue Twitter-Alternative Truth Social bereits vorbestellen. © ZUMA Wire/imago

Im Februar feiert Donald Trump sein Social-Media-Comeback auf seiner eigens gegründeten „konservativen Twitter-Alternative“. Experten vermuten darin einen Finanz-Coup des Ex-Präsidenten.

Palm Beach - „Wir leben in einer Welt, in der die Taliban auf Twitter vertreten sind, aber euer Lieblingspräsident zum Schweigen gebracht wurde“, wetterte Donald Trump im Oktober 2021. Der ehemalige US-Präsident, der einst so gern getwittert hatte, bezog sich damit auf die Sperrung seiner Social-Media-Kanäle im Zuge des Kapitolsturms. „Das ist inakzeptabel“, schimpfte Trump – und kündigte den Aufbau seiner eigene Social-Media-Plattform an: Truth Social, „die konservative Twitter-Alternative“.

Mittlerweile steht Trumps Mediennetzwerk in den Startlöchern. Am 21. Februar, dem Presidents’ Day, einem landesweiten US-Feiertag, soll die Plattform live gehen. „Ich freue mich darauf, schon bald meine erste Wahrheit auf Truth Social zu teilen“, kündigte der 75-Jährige unlängst in einem Statement an.

Truth Social: Donald Trump gründet Twitter-Alternative und verspricht eine „Internetsensation“

Truth Social soll Twitter äußerlich ähneln. Auch die Funktionsweise ist gleich: Nutzer können einen Account erstellen und personalisieren, anderen folgen – und vor allem „Wahrheiten“ mit ihnen teilen. Der Werbeslogan: „Wundere dich nicht, wenn aus deiner Truth eine Internetsensation wird!“

In Apples App-Store kann Trumps Twitter-Abklatsch bereits vorbestellt werden. „User können ihre einzigartige Meinung, ihre Truths, Fotos, Nachrichtenartikel und Videolinks teilen, um mit Freunden, Kunden und der Welt zu kommunizieren“, steht in der App-Beschreibung. Niemand werde aufgrund seiner politischen Ideologien diskriminiert, so das Versprechen. Doch das Kleingedruckte in den Nutzungsbedingungen hat es in sich.

Donald Trump versucht sich am Social-Media-Comeback - der erste Versuch scheiterte

Truth Social kommt nicht überraschend – schließlich hatte der ehemalige US-Präsident schon früh nach seinem Social-Media-Bann etwaige Pläne angekündigt. Es ist auch nicht der erste Comeback-Versuch des Republikaners: Im Mai des vergangenen Jahres versuchte Trump, seinen Blog „From the Desk of Donald J. Trump“ zur Social-Media-Plattform auszubauen. Der Versuch scheiterte, weil die Leserzahlen fehlten. Das Projekt wurde schnell wieder eingestampft.

Nun also ein neuer Versuch. Die Vorzeichen stehen diesmal scheinbar besser, denn laut einer Umfrage von Morning Consult/Politico aus dem Herbst 2021 wollen über 60 Prozent aller gemeldeten Republikaner Truth Social künftig nutzen. Experten befürchten jedoch, Donald Trump hat größere Pläne mit seiner Plattform als das eigene Social-Media-Comeback.

Truth Social geht im Februar live: Das steckt hinter der „konservativen Twitter-Alternative“

Leiten wird Truth Social der ehemalige republikanische Abgeordnete Devin Nunes. Hinter der neuen Plattform steht die Trump Media & Technology Group (TMTG). Über das 2021 gegründete Unternehmen will Trump auch einen Videodienst und ein Podcast-Netzwerk an den Start bringen – und damit laut Website mit Branchengiganten wie Facebook oder Netflix konkurrieren.

Wie die Zeitschrift Vanity Fair im Oktober 2021 unter dem Titel „Trumps neue Social-Media-Firma ist sein womöglich größter Schwindel“ berichtete, plant der Ex-Präsident eine Fusion seiner TMTG mit der Aktiengesellschaft Digital World Acquisition Corporation. Heißt: An die Börse soll es gehen.

Steckt hinter Truth Social ein Schachzug von Trump? „Er hätte das ganze Geld“

Finanzexperte Matt Levine hält das für einen trumpschen Schachzug, wie er bei Bloomberg News erklärt: Wenn Trump seine Anhänger zum Aktienkauf aufrufe, dann würden sie das auch tun. „Und wenn die Firma keine Gewinne erzielt – wovon ich ausgehe – hätte er trotzdem das ganze Geld“, sagt Levine. Seine Schlussfolgerung: Trump bereichert sich mit Truth Social selbst dann, wenn die Plattform nicht profitabel wird. (jo)

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