Dabei gab es deutlichen Hinweis

Trumps Twitter-Fauxpas: Auch Anwalt von Naivität überrascht, doch Präsident will Retweet nicht löschen

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Donald Trump entgeht auf Twitter fast nichts. So entdeckt der US-Präsident auch unverhoffte Unterstützung von seiner Schwester. Und schon tritt er hinein ins Fettnäpfchen.

  • Donald Trump kämpft via Twitter trotz klarer Wahl-Niederlage gegen Joe Biden für seine zweite Amtszeit.
  • Dabei stieß der US-Präsident auch auf eine nette Botschaft seiner Schwester Elizabeth, auf die er warmherzig reagierte.
  • Das Problem war nur: Die Nachricht kam gar nicht aus dem Hause Trump.

Washington/München - Fast schon händeringend sucht Donald Trump auf dieser ach so ungerechten Welt nach Unterstützung. Für seine Kampagne mit dem Ziel, die vermeintliche Unglaubwürdigkeit des Wahlergebnisses vom 3. November in möglichst viele Köpfe einzupflanzen. Und es als Fakt darzustellen, dass Joe Biden nur durch immensen Betrug weit mehr Stimmen im Popular Vote und genug Wahlleute für den Sieg im Electoral College einheimsen konnte. Beweise? Braucht es dafür doch wohl nicht!

Er will doch nur US-Präsident bleiben: Donald Trump kämpft zunehmend verzweifelter um sein Amt.

Mittlerweile scheint sich der US-Präsident in diesem Wahn selbst zu verlieren. Oder wie ist es zu erklären, dass der passionierte Twitter-User einem Fake-Account aufgesessen ist? Und dessen vermeintliche Unterstützung seines Triumphgeheuls sogar retweetete. In den Fokus geriet so auch unverschuldet seine ältere Schwester. Dabei möchte Elizabeth Trump eigentlich zurückgezogen ihr Leben genießen und vom ganzen Trubel um ihren prominenten Verwandten unbehelligt bleiben.

Trump fällt auf Fake-Account rein: Vermeintliche Schwester fordert „vier weitere Jahre“

Was nun zumindest vorerst deutlich erschwert wird. Denn mindestens ein Spaßvogel rief vor wenigen Tagen den Twitter-Account „TheBettyTrump“ ins Leben und verfasste dann eine Nachricht, über die nun nicht nur in den USA gesprochen wird: „Diese Wahl hat mich dazu inspiriert, mein Schweigen zu brechen und für meine Familie einzustehen. Mein Bruder Don hat diese Wahl gewonnen und wird dafür bis zum Ende kämpfen. Wir waren schon immer eine Familie von Kämpfern. Wir sind so stolz auf ihn und auf den Job, den er für dieses Land getan hat. VIER WEITERE JAHRE!“

Vielleicht wäre der mächtigste Mann der Welt überhaupt nicht darüber gestolpert, wenn nicht eine dem rechten Spektrum zuzuordnende Homepage den Tweet thematisiert und den Artikel dazu gepostet hätte. So fand Trump, was ihm enorm schmeichelte, und schrieb auf seinem hochfrequentierten Twitter-Account dazu: „Danke Elizabeth, LIEBE!“

Trump fällt auf Fake-Account rein: Schwester Elizabeth von Twitter-Vorfall „genervt“

Spätestens da waren Elizabeth Trump die ungeliebten Schlagzeilen sicher. Immerhin bekam sie damit auch die Chance, Stellung zu beziehen. Im Interview mit VICE News erklärte die betagte Lady glaubwürdig: „Ich werde versuchen, das zu löschen. Ich bin nicht mal auf Twitter.“ Weiter wollte sie sich nicht äußern. Nur so viel: „Ich bin von all dem genervt.“

Über den Account soll sie zuvor noch ganz andere Sachen vom Stapel gelassen haben. Bei denen der US-Präsident vielleicht hätte stutzig werden können. So stand in ihrem Profil: „Ich bin die First Sister der USA, aber ihr könnt mich Betty nennen.“ Weiter hieß es: „Warum sollte Donald gestehen? Er hat nicht verloren.“ Worte, die ihrem Bruder natürlich wie Öl runtergehen dürften.

Mann auf einer Mission: Donald Trump (r.) hat derzeit nur zwei Hobbys - Golfspielen und gegen das Wahlergebnis hetzen.

Trump fällt auf Fake-Account rein: Twitter-User beendet Schwindel selbst

Während ihm die Kinnlade heruntergefallen sein müsste, als die vermeintliche Schwester kurz nach seinem Retweet dem Schwindel ein Ende bereitete: „Ich hätte schon früher richtiggestellt, das es sich nur um eine Parodie handelt, aber ich hätte niemals gedacht, dass Präsident Trump selbst auf diesen Account aufmerksam wird.“ Da hat wohl jemand das Recherche-Bedürfnis des Herrschers im Weißen Haus deutlich unterschätzt.

Die Katze ist also längst aus dem Sack - und dennoch sieht sich der US-Präsident nicht gemüßigt, seinen Retweet zu löschen. Weil es das Eingeständnis einer - wenn auch weniger bedeutenden - bitteren Niederlage wäre? Oder ist es schlicht verletzte Eitelkeit?

Trump fällt auf Fake-Account rein: Ex-Weggefährte wundert sich über Naivität

Michael Cohen wundert sich jedenfalls über die Naivität seines langjährigen Mandanten. Der New Yorker Anwalt sprach ebenfalls mit VICE News und betonte, er sei von Anfang an skeptisch gewesen, ob sich hinter dem Account wirklich Elizabeth Trump verborgen habe. Denn niemand habe sie jemals Betty genannt: „Ich habe immer Elizabeth oder Liz gehört. Betty? Nie.“

Auch das Portal, das Trump erst auf die Twitter-Botschaft aufmerksam machte, versah seinen Artikel mittlerweile mit einem Update. Darin heißt es, dass man von diversen Seiten höre, es könne sich um einen Parodie-Account handeln, was jedoch von den entsprechenden Stellen noch nicht zum Fakt erklärt worden sei. Immerhin: Die Website bedauert den Fehler und bittet um Entschuldigung. So viel Größe beweist in den USA derzeit ja längst nicht jeder. (mg)

Späte Einsicht im Weißen Haus? Trump stellt eine Amtsübergabe in Aussicht*. Doch noch immer beharrt er auf Wahl-Betrug. Und gerät mit einem Journalisten aneinander. *Merkur. de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa

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