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Twitter sperrt Trump: Warum das kein Anlass für Häme ist - und brandgefährlich statt mutig

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Von: Christian Deutschländer

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Twitter hat Donald Trump gesperrt - eine gefährliche Aktion, findet Christian Deutschländer, Ressortleiter Politik des Münchner Merkur.
Twitter hat Donald Trump gesperrt - eine gefährliche Aktion, findet Christian Deutschländer, Ressortleiter Politik des Münchner Merkur. © imago images/Marcus Schlaf

Twitter sperrt Trump - ist das ein Anlass zu Freude, Erleichterung, Häme? Der Vorgang zeigt eher, welch Risiken für die Demokratie in hassgetränkten sozialen Netzwerken liegen, warnt Christian Deutschländer.

Twitter sperrt Trump, und die Welt klatscht. Doch wenn die Häme abklingt, sollten aufgeklärte westliche Demokratien noch mal gründlich nachdenken, was genau da in der Parallelwelt der sozialen Netzwerke geschehen ist. Und zwar nicht erst jetzt.

Donald Trump und Twitter: Erst jetzt zu sperren - das ist nicht mutig

Über Jahre hinweg haben sich Tech-Giganten aus primär wirtschaftlichen Interessen gern zu Trumps Machtinstrument gemacht. Für seine Kommunikation, die unermüdlichen Attacken auf das vermeintliche „System“, war Twitter unverzichtbar. Und für Twitter war es eine Goldgrube, dass dieser Präsident seine Politik und seine Strukturen über diese Plattform steuerte.

Christian Deutschländer, Ressortleiter Politik beim Münchner Merkur.
Christian Deutschländer, Ressortleiter Politik beim Münchner Merkur. © Marcus Schlaf.

Jetzt, nach über 56.000 Tweets oft voll Hass und Hetze, nach der Mobilisierung des Mobs, jetzt, wo der Machtwechsel in den USA besiegelt ist, wenden sich Twitter (auch Facebook, Instagram und die Vertriebskanäle für Parler) von Trump ab. Ach – welch Kaninchen-Mut!

Twitter sperrt Trump: Firmenzentralen entscheiden, was noch zu lesen ist - das ist brandgefährlich

Wer die Konzerne dafür feiert, übersieht noch etwas: So willfährig, wie sie die demokratiezersetzenden Botschaften Trumps (und zahlloser anderer Radikaler aus aller Welt) bisher verbreiteten, so willkürlich ist nun auch das Ende. Firmenzentralen entscheiden ohne demokratische Kontrolle, was noch zu lesen ist, was gelöscht wird. Das mag uns bei Trump kurzfristig freuen, doch in Wahrheit ist das brandgefährlich.

Soziale Netzwerke sind großartig, weil sie Menschen Stimmen und Debatten Platz geben. Sie wurden nur zu lange als rechtsfreie Räume für Hass, Hetze und Desinformation missverstanden, leider besonders anfällig für jene, die digitale Nachrichtenkompetenz nie gelernt haben. Das Trump-Drama lehrt: Diese Risiken zu unterschätzen, kann eine Demokratie zum Kippen bringen.

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