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Donald Trump spricht in New York.

Wie Deutschland in den 30er-Jahren?

Donald Trump und der Faschismus - eine Analyse

Washington - Die USA debattieren vor der US-Wahl über  Faschismus. Was genau ist Donald Trump - ein rechter Demagoge, Populist, Nationalist oder doch Neofaschist?

Washington 2016, Weimar 1930: Im Versuch, des schier unfassbaren Phänomens Donald Trump Herr zu werden, wird in den USA zu drastischen Vergleichen gegriffen.

Kommentatoren sehen ihr Land wie Deutschland in den 30er-Jahren auf dem Weg in den Untergang. Belege: die Sehnsucht nach einem starken Mann, Auflösungstendenzen einer überdehnten Demokratie. Und natürlich der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner an der Spitze der Bewegung.

"So kommt der Faschismus nach Amerika", überschrieb Robert Kagan einen viel beachteten Artikel in der "Washington Post". Weit schlägt er einen scharfkantigen Bogen von der größten Furcht der Gründungsväter (frustiert wende sich das Volk gegen die eigenen demokratischen Institutionen) in die Gegenwart: Trump als Tyrann, auf den Schultern von Protest, Wut und Enttäuschung.

"Ich bin todsicher: Trump ist kein Faschist", schreibt Gianni Riotta in "The Atlantic". Der italienische Journalist, der heute in Princeton lehrt, sagt: "Das Label verniedlicht nicht nur vergangene Tragödien und verunklart mögliche künftige, es klagt auch noch zu Unrecht Trumps Unterstützer an, die reale Ängste haben."

George Clooney nannte Trump einen xenophoben Faschisten. Der Comedian Louis C.K. sagt, "der Kerl ist Hitler". Ähnlich äußerte sich Anne Franks Halbschwester Eva Schloss.

Riotta meint, die Dinge lägen komplizierter. "Amerika sollte die Dämonen bekämpfen, die Trump entfesselt hat." Es solle ihn aber nicht mit Ideen oder vorgeblicher Programmatik vernebeln, von denen der Kandidat selber nicht die geringste Ahnung habe. Trumps fremdenfeindliche Wortwahl, seine Demagogie und sein Populismus bedienten sich offensichtlich aus dem Handbuch des Faschismus. Aber ein Blick in die Geschichte lehre: Faschismus sei doch etwas anderes.

Dies sind einige wesentlichen Elemente des Faschismus: die Überwindung eines demokratischen Systems, die Abschaffung der Verfassung, die Romantisierung von Gewalt als Selbstzweck und reinigender Kraft einer Volksgemeinschaft. Roger Griffin, Autor von "Die Natur des Faschismus": "Selbst ein absolut xenophober, rassistischer, männlicher, chauvinistischer Dreckskerl muss nicht zwingend ein Faschist sein."

Freilich spielt Trump offen mit Elementen rechter Ideologie, verbaut sie je nach Gutdünken in seiner Kampagne. Er hetzt gegen Fremde und Minderheiten, Intellektuelle, Journalisten, Autoren und Künstler. Halbherzig oder gar nicht verwahrt er sich gegen die Unterstützung ultrarechter Blogger oder des Ku-Klux-Klan.

Robert Paxton von der Columbia-Universität ist einer der führenden Faschismusforscher. Er sagt im Interview mit der Seite "Democracy Now": Vieles bei Trump sei wohl dem Faschismus entlehnt, vor allem aber sei es zutiefst antidemokratisch.

Auch, wenn man keine Horden in Braunhemden auf Washington marschieren sehen wird, zieht Trump doch Zustimmung und Kraft aus einer Haltung "Wir gegen sie". Er ist radikal für Isolationismus, verniedlicht oder befürwortet körperliche Gewalt, gibt sich brutal, verherrlicht Folter, spricht über andere Länder fast ausschließlich aggressiv.

Von Chuck Todd (NBC) bei "Meet the press" auf den Retweet eines Zitats des italienischen Diktators Benito Mussolini angesprochen, sagt Trump, es sei ihm egal, von wem das Zitat sei, "Hauptsache Aufmerksamkeit, und das hat ja wohl funktioniert."

Stanley Payne von der Universität Wisconsin: "Faschismus ist anti-individualistisch, Trump ist aber ein archetypischer Individualist." Faschismus will das Kollektiv, Trump den Staat so weit zurückdrängen wie möglich.

Verstellt die Debatte über die richtige Wortwahl den Blick für das Wesentliche? Ja, meint die "New York Times": "Die Debatte über die Terminologie lässt die Ernsthaftigkeit der Gründe außer Acht, die zum Erstarken Trumps und seiner europäischen Gegenstücke geführt haben."

Ob in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Ungarn, Griechenland oder Finnland: Überall zapften Rechtspopulisten erfolgreich den Zorn von Globalisierungsverlierern an und von Menschen, die sich ebenso von der Politik zurückgelassen wie von Veränderungen bedroht sähen.

Der konservative Publizist Andrew Sullivan schreibt im "New York Magazine": Die späte Demokratie könne den "gerechten revolutionären Zorn" nicht mehr einfangen, den der Kapitalismus erzeugt habe. Der Kandidat Trump sei mit normalen Parametern nicht zu beschreiben. "Für unsere liberale Demokratie und unsere verfassungsmäßige Ordnung ist er eine existenzielle Bedrohung."

Viele sind sich in dieser Diskussion einig: Es sei wenig hilfreich, im Wahljahr 2016 Hoffnung aus einer terminologisch erwiesenen Abwesenheit von Faschismus zu ziehen. "Rechter Populismus ist viel gefährlicher, weil er so dermaßen viel weiter verbreitet ist", schreibt Vox.com. Und nochmals Gianni Riotta: "Trumps Kampagne ist ein postmodernes Meisterstück, ein subjektives Surrogat für die echte Welt, in dem Wahrheit und Wirklichkeit irrelevant sind. Das, und nicht der blutige Geist des Faschismus, entstellt 2016 das Rennen."

dpa

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