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Trumps Ideen sind bisher unpräzise und verschwommen.

US-Vorwahlkampf

Donald Trump als US-Präsident? "Wir können nur noch beten"

Washington - Der Milliardär Donald Trump will US-Präsident werden – und poltert durch den Vorwahlkampf. Seine Kontrahenten innerhalb der republikanischen Partei kommen nur langsam in Fahrt. Und Trump macht einfach weiter mit seiner Show.

Wann immer der Kandidat seinen Privatjet mit der Aufschrift „Trump“ verlässt, um zu einem Wahlkampfauftritt gefahren zu werden, tönt aus Lautsprechern die Titelmusik des Hollywood-Hits „Air Force One“. Ein ganz und gar nicht unwichtiges Detail, das einen weiteren Hinweis auf die längst arrogant zu nennende Selbstsicherheit des Donald Trump gibt. Der mit einem großen Maul geborene Showman fühlt sich pudelwohl in dieser Wahlkampagne um die Nachfolge Barack Obamas. Trump, der als großer Außenseiter gestartete Kandidat, kann derzeit sein Ego so pflegen wie die akkurat gefönte Haartolle. Seit ihn das Dutzend sonnenbebrillter und grimmig dreinblickender Secret Service-Agenten in ihren schwarzen Geländewagen begleitet und von Bewunderern abschirmt, scheint der 69-Jährige noch selbstbewusster geworden zu sein. Die Leibwächter sind schließlich ein Bonus, den nur die in Umfragen führenden Bewerber bekommen.

Mit Blick auf die am 1. Februar 2016 im Bundesstaat Iowa beginnenden Vorwahlen machen sich die USA zunehmend mit dem Gedanken vertraut, dass die Kandidatur des Baulöwen und Reality-TV-Stars längst mehr ist als nur ein unterhaltsamer temporärer Zirkusakt. Denn Donald Trumps Rhetorik und seine Thesen – von der Forderung eines Einreiseverbots für alle Muslime bis zum geplanten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko – haben nicht nur die Wirkung politischer Schockwellen. Sie ziehen auch, je schriller sie werden, immer mehr republikanische Wähler an, glaubt man den Umfragen. Es sind Bürger wie jenes Ehepaar aus Iowa, das bei Eiseskälte bibbernd zwei Stunden auf den Einlass zu einer Rede wartet und das mit den Worten begründet: „Er ist der einzige Politiker, der wirklich sagt, was gesagt werden muss.“ 50 Prozent der Republikaner in Iowa teilen bereits diese Ansicht – was derzeit für einen Sieg Trumps beim Vorwahlauftakt spricht.

Trump als Musterbeispiel für Islamophobie

Dass man in weiten Teilen der Welt Trump für das Musterbeispiel eines Islamophoben hält, dass man ihn in Ländern wie Ägypten als „Hassprediger“ bezeichnet, dass ihn Konkurrenten wie der in Umfragen im einstelligen Bereich dümpelnde Jeb Bush als „Chaos-Kandidaten“ ohne jeglichen Verstand abstempelt – all das scheint an Trump und seinen Fans wirkungslos abzuprallen. Der Kandidat spielt wie der Le Pen-Clan in Frankreich ungeniert die Nationalisten-Karte aus. Damit hat er Erfolg, auch dank der Schwäche von Barack Obama. „Das Versagen des Präsidenten, den globalen Dschihad energisch zu konfrontieren, öffnete das Tor für Donald Trump,“ kommentierte gerade das „Wall Street Journal“. Dazu kommt: Die obskuren wie teilweise verfassungswidrigen Thesen des New Yorkers finden bei einem Publikum Resonanz, das unter einem Präsidenten nervös geworden ist, der am Vorabend der Attacken von Paris behauptete, man halte die Terrormiliz Islamischer Staat in Schach. Und der kurz vor dem Massaker von San Bernardino noch konstatiert hatte, dass die USA vor Terroranschlägen sicher seien.

Der Demagoge blüht also auf, weil Obamas Führungskraft längst verwelkt ist – und der Präsident bisher nach der Tragödie von Kalifornien keine neuen Rezepte für den Kampf gegen die Dschihadisten präsentiert hat. Dass Trump bei seinen Ideen zur Antiterror-Bekämpfung verschwommen und unpräzise geblieben ist, hat hingegen kurioserweise seiner Beliebtheit unter den Anhänger des rechten Spektrums der Republikaner nicht geschadet. Hinzu kommt, dass die nahezu täglichen Wortmeldungen Trumps in sozialen Medien wie Twitter seine Mitbewerber mundtot machen, weil sie diesen keinen Platz mehr für Schlagzeilen geben. „Hart“ und „stark“ sind dabei die am häufigsten verwendeten Schlagwörter, immer wieder gepaart mit dem Versprechen, Amerika wieder „great“, also groß zu machen. Ein inhaltlich wie stilistisch gewaltiger Unterschied zu Barack Obama, der seine Worte sorgsam abwägt und vermutlich der politisch korrekteste Präsident ist, den es jemals gegeben hat – vor allem bei seinen Aussagen über den internationalen Terrorismus und die Rolle des Islam.

Waffenbesitzer, Abtreibungsgegner und Bellizisten würden Trump wählen

Donald Trump ist Obamas perfekter unkorrekter Gegenpol. Mit Sätzen wie „I will be bombing the shit out of oil fields.“ Übersetzt in halbwegs jugendfreie Sprache: Er werde die Ölfelder des Terrorgruppe IS in Grund und Boden bomben. Gerne plädiert Trump auch für den erneuten Einsatz des berüchtigten „Waterboarding“ – der weltweit geächteten Verhörmethode, bei der bei Verdächtigen ein Ertränken simuliert wird. „Selbst wenn es nichts nutzen sollte“ will der Kandidat im Erfolgsfall wieder dieses dunkle Kapitel in der amerikanischen Geschichte aufschlagen. Solche Sprüche kommen an bei einer Stamm-Klientel, die sich so skizzieren lässt: vorwiegend weiß, zwischen 30 und 70 Jahre alt, Waffenbesitzer, Abtreibungsgegner und Befürworter militärischer Konfliktlösungen. Und auf keinen Fall den Demokraten nahestehend – selbst wenn der vier Milliarden Dollar schwere Trump früher einmal registrierter Demokrat war, bei den Clintons ein- und ausging und die Senatskandidatur Hillary Clinton finanziell unterstützte. Doch das war einmal.

Heute präsentiert sich Trump als erzkonservativer Heilsbringer für ein Land, das seiner Ansicht nach schwer unter seinem ersten schwarzen Präsidenten gelitten hat. Erstaunliche Parallelen zur Kandidatur Barack Obamas tun sich auf, der 2008 in seinen Reden der Nation neue Hoffnung und Wandel nach acht harten Jahren unter George W. Bush versprach. Bei seiner globalen Sicherheitspolitik setzt der Milliardär dabei auf einen konsequenten Hardliner-Kurs im Stil eines Ronald Reagan, aber auch auf Annäherung zu Moskau. Er werde sich mit Wladimir Putin vermutlich sehr gut verstehen, sagte Trump kürzlich. Was wiederum Putin auf seiner groß inszenierten Jahrespressekonferenz am Donnerstag zu lobenden Worten („klug und talentiert“) über Trump animierte – wobei der Kreml-Chef damit natürlich auch indirekt einen verbalen Giftpfeil in Richtung seines liebsten Feindes Barack Obama abfeuerte. Trumps Schmusekurs gegenüber Moskau soll jedenfalls jene Wähler beruhigen, die im Fall seines Wahlerfolgs eine Eskalation in Konfliktzonen wie Syrien oder der Ukraine befürchten.

Wie lässt sich einen Nominierung noch verhindern?

Was könnte noch die Nominierung Trumps zum Spitzenkandidaten der Republikaner verhindern? Da sind zum einen die Senatoren Ted Cruz und Marco Rubio, die unlängst bei der TV-Debatte in Las Vegas eine gute Figur abgaben und zuletzt in Umfragen zum deutlich Führenden etwas aufschlossen. Und dann schwebt über der Kandidatur Trumps noch seine Drohung, notfalls als parteiloser Unabhängiger die Präsidentschaft anzustreben, falls man ihn nicht gut behandele und hinter den Kulissen gegen ihn intrigiere. Reince Pribus, Parteichef der Republikaner, hat diese Drohung offenbar entschärfen können, denn in Las Vegas beteuerte Trump plötzlich, er werde sich der Partei gegenüber loyal verhalten.

Doch nichts scheint in Stein gemeißelt bei einem Kandidaten, den es kein bisschen beeindruckt, wenn man ihn der Lüge oder dem Gebrauch zweifelhafter Fakten überführt. Für die Partei wäre jedenfalls ein Ausscheiden Trumps, auch wenn er laut „Washington Post“ für die Republikaner „eine klare akute Gefahr“ darstellt, der Super-GAU. Denn als unabhängiger Präsidentschaftskandidat würde Trump seine Wähler mitnehmen und damit Hillary Clinton letztlich wohl ins „Oval Office“ verhelfen. Was also bleibt der Partei angesichts dieses deutlich erkennbaren Mangels an guten Optionen? Ein Stratege der Republikaner formuliert das Fazit aus dem Trump-Dilemma resignierend so: „Wir können nur noch beten“.

Friedemann Diederichs

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