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Mike Schier.

Merkur-Kommentar

Bei US-Wahl: Republikanern droht Selbstzerstörung

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Am Anfang wirkte Donald Trump wie eine Karikatur. Eine Lachnummer, um die Welt zu unterhalten. So langsam aber kann einem angst und bange werden, findet unser Autor Mike Schier.

Die Vorwahlen in den USA schreiten voran – und noch immer führt Donald Trump die Riege der republikanischen Präsidentschaftsbewerber an. Auch am Dienstag in Nevada gilt der Immobilienmogul als Favorit, obwohl er seit Wochen mit verheerender Presse konfrontiert ist. Trump ist das egal. Er baut auf langfristige Signale: Seit 1980 hat jeder Republikaner, der sowohl in New Hampshire als auch in South Carolina gewann, später seine Partei ins Rennen ums Weiße Haus geführt. Man mag das gar nicht zu Ende denken. Wie wohl eine Welt aussähe, in der die arabische Welt oder Wladimir Putin einem US-Präsidenten Trump gegenüber stehen?

Den Republikanern droht eine selbstzerstörerische Entwicklung. Die Grand Old Party, das alte Schlachtschiff der Konservativen, scheint endgültig zum Sammelbecken für Unzufriedene und Querulanten zu werden. Zwar herrscht auch unter Demokraten eine gewisse Sehnsucht nach einem Bruch mit der alten politischen Klasse. Doch der Flirt mit dem rebellischen Bernie Sanders dürfte ein solcher bleiben, Hillary Clinton wird sich am Ende durchsetzen. Zu viele Republikaner dagegen scheinen wild entschlossen, mit dem alten System aufzuräumen.

Trump mag seine Fangemeinde haben. Für die Demokraten aber wäre seine Kandidatur vor dem 8. November bei den US-Wahlen 2016 eine regelrechte Mobilisierungskampagne. Auf der Strecke blieben die vielen moderaten Konservativen, die es noch immer gibt. Sie sind selbst schuld: Auch nach Wochen des absurden Wahlkampf-Theaters können sich die Gemäßigten nicht auf einen Kandidaten einigen – selbst jetzt, da Chris Christie, Carly Fiorina und zuletzt Jeb Bush das Handtuch geworfen haben. Hoffnungsträger bleibt Marco Rubio, Senator von Florida. Vermutlich wird er aber erst nach vorne geschoben, wenn am 1. März beim „Super Tuesday“ 25 Prozent der Delegierten für den Nominierungsparteitag gewählt worden sind. Dann könnte es zu spät sein.

Bleiben Sie in unserem aktuellen Ticker zur US-Wahl 2016 auf dem Laufenden.

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Mike.Schier@merkur.de

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