„König Lear von Mar-a-Lago“

Donald Trump: Jetzt reicht es seinem treuesten Blatt - „Hören Sie auf mit dem Wahnsinn“ 

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Trump habe die Wahl verloren. Die Anwältin Sidney Powell sei verrückt. Und Trump verkomme zu einem Regenten shakespeareschen Ausmaßes. Eine treue Trump-Zeitung findet scharfe Worte.

  • Donald Trump hat die US-Wahl 2020 gegen den Demokraten Joe Biden verloren - auch wenn er davor scheinbar die Augen verschließt.
  • In seinem Kampf gegen eine angebliche - und unbelegte - Wahl-Manipulation geriet er sogar mit seinem einstigen Lieblingssender Fox News aneinander.
  • Nun fordert ihm ein loyales Boulevard-Blatt dazu auf, endlich seine Niederlage anzuerkennen.

New York - „Herr Präsident. Hören Sie auf mit dem Wahnsinn.“ Ein Satz, den man von vielen Menschen bezüglich Donald Trump aktuell erwarten könnte. Dem scheidenden US-Präsidenten, der sich weiterhin an seine Macht klammert und dabei immer noch absurdere Behauptungen aufstellt. Flankiert von Gestalten wie Rudy Giuliani, der Juristin Sidney Powell, die stets zahlreiche Verschwörungserzählungen im Gepäck hat und Michael Flynn, den er kürzlich begnadete.

Man könnte diesen Satz nun wirklich von vielen erwarten - aber vielleicht nicht unbedingt von der tatsächlichen Quelle. Der New York Post. US-amerikanisches Boulevard-Blatt, Eigentum von Medienmogul Rupert Murdoch - und stets loyal zu Donald Trump. Bereits lange vor seiner Zeit als 45. US-Präsident. Nun langt es offenbar sogar ihnen. Zwischen MAGA-Fan-Artikeln scheint dort jemand die Nerven verloren zu haben. Am Montag machte die New York Post mit besagter Ansage auf. Die Unterzeile, nicht weniger schmerzhaft für Donald Trump: „Sie haben die Wahl verloren.“

Donald Trump: Selbst treues Boulevard-Blatt ruft zur Akzeptanz Niederlage US-Wahl 2020 auf

Nun ist das tatsächlich keine Neuigkeit, doch aus den Tintenpatronen des Boulevard-Blattes hat es eine große Intensität. Als würde sich aktuell Trump-Anwalt Giuliani vor die Öffentlichkeit stellen und von einer demokratisch verlorenen US-Wahl sprechen. In ihrem Leitartikel gibt das Blatt Donald Trump Ratschläge, wie er sein „Vermächtnis“ retten könne - um nicht zum „König Lear von Mar-a-Lago“ zu werden. Eine Referenz auf eine Tragödie von William Shakespeare und dessen unberechenbaren König Lear.

„Sie jubeln einem undemokratischen Staatsstreich zu“, schreibt die New York Post in ihnen Ausführungen weiter. Er habe zwar „jedes Recht gehabt, die Wahl untersuchen zu lassen“, doch habe man nichts finden können. Und werden noch deutlicher darin, was sie von Trumps treuen Gefolgsleuten halten: „Sidney Powell ist eine verrückte Person. Michael Flynn, der das Kriegsrecht vorschlägt, ist gleichbedeutend mit Verrat. Es ist beschämend.“

TitelNew York Post
Gründung1801
EigentümerRupert Murdoch
Politische Ausrichtungkonservative Boulevardzeitung

New York Post: Donald Trump müsse seine Wut in etwas Produktives umwandeln - Geht um „Vermächtnis“

Es sind scharfe Worte, die das Blatt von sich gibt. Aber: Man meine es ja nur gut mit ihm, heißt es weiter. „Wir verstehen, Herr Präsident, dass Sie wütend sind, dass Sie verloren haben. Aber diesen Weg weiter zu gehen ist ruinös.“ Seine Energie müsse er -statt über unbelegte Wahl-Manipulation zu wüten - in etwas Produktives verwandeln.

„Wenn Sie darauf bestehen, Ihre letzten Tage im Büro zu verbringen und damit zu drohen, alles niederzubrennen, werden Sie auf diese Weise in Erinnerung bleiben. Nicht als Revolutionär, sondern als Anarchist“, beendet die New York Post ihren Ratschlag an Donald Trump. (aka)

Fox News hat ihm nicht länger die Treue gehalten. Also brauchte Donald Trump einen neuen Lieblingssender. Newsmax und One America News standen bereit. Die kämpfen nun mit der Realität.

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky/dpa

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