Donald Trump steht vor einem Flugzeug und wirft eine Cap, während er weitere in der Armbeuge hält
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Hat seinen Hut längst wieder in den Ring geworfen: Donald Trump gibt die US-Präsidentschaftswahl 2020 einfach nicht verloren.

„Weder transparent noch legal“

Trump gibt nicht auf: Stimmen in Arizona werden nochmal ausgezählt - selbst Republikaner schockiert

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Die Verkündung des Wahl-Siegers in den USA hat 2020 lange auf sich warten lassen. Donald Trump sieht sich aber nach wie vor nicht als Unterlegener und kämpft für ein Nachspiel.

München - Es hatte schon Züge einer ganz besonderen Wahlkampf-Kampagne. Über Wochen und Monate versuchte Donald Trump die Menschen in den USA davon zu überzeugen, dass bei der Präsidentenwahl 2020 nicht alles mit rechten Dingen zugehen könne. Besonders auf die Briefwahl schoss er sich ein - nicht zuletzt, weil die Demokraten bei diesen Stimmen deutlich besser abschnitten.

Seine Niederlage gegen Joe Biden hat der abgewählte US-Präsident nie offen zugegeben. Mutmaßlich nicht einmal im kleinen Kreis. Und längst scheint Trump an seiner Rache zu feilen. Denn ausgezählt wird noch immer - oder schon wieder. In Arizona werden in diesen Tagen 2,1 Millionen Stimmzettel erneut in Augenschein genommen, wie die Washington Post berichtet.

Trump lässt Stimmen auszählen: Geschäftsführer des beauftragten Unternehmens kritisierte Wahl bereits

Die einstige Hochburg der Republikaner war im Herbst in Bidens Hände gefallen - jedoch nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit lediglich 10.500 Stimmen oder 0,3 Prozent Vorsprung. Also wittern Trump und seine Partei hier die Chance, seinem Nachfolger die elf Wahlleute doch noch zu entreißen. Das würde die Gesamtverhältnisse der US-Wahl zwar nicht annähernd umkehren, aber gerade unter den Trump-Fans den Eindruck verfestigen, die Wahl sei nicht rechtmäßig verlaufen.

Mit diesem Ziel hatte der Senat von Arizona, in dem die Grand Old Party eine Mehrheit besitzt, die Neuauszählung in Gang gesetzt. Betroffen ist das größte County des Bundesstaates, Maricopa County, in dem auch die Hauptstadt Phoenix liegt. Die Aufgabe übernimmt mit „Cyber Ninjas“ ein Privatunternehmen, dessen Geschäftsführer bereits mehrmals seine Zweifel am korrekten Ablauf der US-Wahl äußerte. Was er ebenfalls mit Trump gemeinsam hat: Beide konnten keine Beweise für ihre Vorwürfe vorlegen.

Trump kämpft um Wahlsieg: Ex-Präsident soll ständig von Neuauszählung sprechen

Der einstige Herrscher im Weißen Haus soll sich in seiner aktuellen Residenz in Mar-a-Lago regelmäßig über die neuesten Entwicklungen bei der Auszählung unterrichten lassen. „Er redet ununterbrochen davon“, wird eine nicht näher benannte Person zitiert, die den Republikaner besucht und mit ihm 45 Minuten lang über den Stand der Dinge diskutiert hat.

Es wirkt, als sei Trump regelrecht besessen davon, sich, dem Land und der ganzen Welt zu demonstrieren, dass er wieder ins Oval Office gehört. Seine ganze Hoffnung liegt vorerst in den Händen der „Cyber Ninjas“. Und die sollen alles dafür getan haben, um ein transparentes Vorgehen zu erschweren.

Trump hofft auf „Cyber Ninjas“: Mangelnde Transparenz schockt langjährige Wahlhelfer

So hätten sie sich vor Gericht gegen Forderungen zur Wehr gesetzt, ihr Verfahren offenzulegen. Medienvertretern und unabhängigen Wahlfachleuten seien bei der Beobachtung der Auszählung strenge Beschränkungen auferlegt worden. Nach einem Richterspruch mussten zuletzt dann doch Handbücher des Unternehmens veröffentlicht werden.

Dennoch hagelt es bereits Kritik an der Geheimniskrämerei der „Cyber Ninjas“. Langjährige Wahlhelfer seien regelrecht geschockt über das Verhalten, berichtet die Washington Post.

Video: Florida als Trump-Hochburg - Ex-Präsident weiß Anhänger hinter sich

Trump schaut nach Arizona: Republikaner befürchten Folgen für andere Bundesstaaten

Derweil betonte Karen Fann, Präsidentin des Senats von Arizona, es gehe nicht darum, Bidens Sieg im Bundesstaat anzufechten, sondern die Schwachstellen des Wahlgesetzes aufzudecken, um Verbesserungen in Gang zu setzen. „Wenn die Hälfte der Menschen nicht mehr an das Wahlsystem glaubt und sich entsprechende Fragen stellt, wer ist dann für deren Antwort zuständig?“, fragte die Republikanerin im Radiosender KTAR News.

Selbst in der Partei von Trump wird mittlerweile offen Kritik kundgetan, denn dem politischen System in den USA könnte ein Bärendienst erwiesen werden. „Ich bin sehr besorgt, dass das Auswirkungen auf jeden Staat im Land haben könnte“, wird Kim Wyman, Staatssekretärin im Staat Washington, zitiert.

Sie befürchtet: „Künftig wird jede (das Parlament) kontrollierende Partei bei einer Niederlage ein solches Verfahren anstrengen und alles in Frage stellen, wodurch die Menschen nicht mehr darauf vertrauen werden, dass wir faire Wahlen abhalten.“

Trump in der Kritik: „Dieser Prozess ist weder transparent noch legal“

Ähnlich sieht es Gabriel Sterling. Der oberste republikanische Wahlbeamte von Georgia lag schon mehrmals mit Trump über Kreuz und twitterte zuletzt, es handele sich um einen „weiteren Schritt, um das Vertrauen in die Wahlen zu untergraben. Dieser Prozess ist weder transparent noch legal.“

Diese Anschuldigungen werden an Trump abperlen. Natürlich sehen er und sein Anhang Arizona als ersten Stein in einem Domino-Spiel. Um die Zweifel an Bidens Präsidentschaft, die in der Bevölkerung ja längst gesät wurden, mit Fakten zu füttern. In einem Podcast frohlockte der 74-Jährige: „Ich denke, das wird unglaublich. Es wird uns die Augen öffnen. Denn ich habe keine Zweifel, dass wir Arizona gewonnen haben.“ Die Menschen könnten noch immer nicht glauben, wie sein Team nach der deutlichen Führung noch verloren haben soll.

Weitere Ziele habe er auch schon auserkoren, sollen drei seiner Berater angedeutet haben. Demnach ziehe Trump die Möglichkeit in Erwägung, auch in Pennsylvania und Georgia Betrug aufzudecken. Zudem betone der gebürtige New Yorker immer wieder, dass er die Wahl gewonnen habe.

Für Trump ist das Duell mit Biden noch lange nicht beendet. Das Nachspiel läuft. (mg)

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