Maybrit Illner führt durch die Sendung
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Maybrit Illner führt durch die Sendung

ZDF-Mann will die Lösung kennen

„Auf die Grütze gehauen“: Claus Kleber erklärt bei Illner das Phänomen Trump - Gabriel warnt Deutschland

Trump macht keine Anstalten, den Platz zu räumen. Was bedeutet das für die EU? Maybrit Illner blickt mit Gästen wieder auf die Lage in den USA. 

  • Bei „maybrit illner“ lautete am Donnerstag das Talk-Thema: „Abgang ohne Anstand – wie gefährlich wird Trump noch?“
  • Sigmar Gabriel sieht auch bei deutschen Wählern ein Vertrauensproblem in Bezug auf die etablierte Politik
  • Wirtschaftsminister Peter Altmaier will die USA beim CO2-Ausstieg bis 2050 mit im Boot haben

Maybrit Illner - diese Gäste diskutierten im Studio und via Schalte: 

  • Peter Altmaier (CDU) - Bundeswirtschaftsminister
  • Sigmar Gabriel (SPD) - Vorsitzender „Atlantik Brücke e.V.“ seit 2019 und Außenminister a.D.
  • Thomas Gottschalk - TV-Moderator mit Zweitwohnsitz in den USA
  • Claus Kleber - Moderator des ZDF „Heute Journal“ und ehemaliger US-Korrespondent
  • Daniela Schwarzer - Direktorin Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP), Politikwissenschaftlerin
  • Souad Mekhennet - Autorin und Korrespondentin der „Washington Post“

73 Millionen US-Amerikaner haben Donald Trump im Amt bestätigt - zu wenig, um ihn wieder zum Präsidenten zu machen und doch zu viel, um seinen Wahlerfolg zu ignorieren. Maybrit Illner wollte von ihren Gästen wissen: Was passiert auf den letzten Metern von Trumps Amtszeit? Und vor allem: Was kommt danach mit Joe Biden auf uns zu?

Illner-Talk: Gottschalk und Kleber kommen bei Trump mit „Grütze“-Vergleich

Ein vertrautes Gesicht zu Beginn des Talks: Thomas Gottschalk war auch beim letzten Illner-Talk zum USA-Thema dabei - dieses Mal sitzt er im Studio und betont gleich zu Beginn, er „liebe“ Amerika. Sein Resümee zur Trump-Administration: „Er war nicht ungeschickt mit diesem ‚Make America great again!‘ Aber er hat das Land in die Grütze gefahren - keine Frage!“

Die „Grütze“ greift auch Claus Kleber auf, wenn er über Trump spricht: „Da kam jetzt einer, der einfach mal mitten in die Grütze gehauen hat“, beschreibt er den Führungsstil des abgewählten Präsidenten, der wohl als „Trumpismus“ in die Geschichte eingehen wird. Trump hätte man vieles durchgehen lassen, bloß „weil er sich auf dem Rückflug von einer Wahlveranstaltung einen Cheeseburger hat bringen lassen“.

Siegmar Gabriel bei „mabrit illner“: „Da muss doch gefragt werden: Was mobilisiert Millionen Trump-Wähler?“

Dass Populismus nicht erst seit Trump funktioniert, weiß auch Sigmar Gabriel und sieht den Vertrauensverlust der Wähler in etablierte Politik nicht nur als ein amerikanisches Problem. Sondern auch als das vermutlich „größte“ für seine eigene SPD und andere Parteien. Da müsse doch gefragt werden: „Was mobilisiert diese Millionen Wähler?“ Das seien ja nicht alles bloß „Irre“ oder „Ungebildete“ oder „Rassisten“, sondern Menschen aus der Mittelschicht, die sich Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft machen.

Schon die letzte Wahl sei eine „Can you hear me, now?!“-Wahl gewesen. Nach dem Motto: „Wir haben es euch jetzt so oft gesagt, dass wir unzufrieden mit dem Establishment sind - jetzt wählen wir mal einen, den ihr nicht ignorieren könnt.“

Altmaier bei „maybrit illner“: „ich glaube, dass es Frust gibt“

Die Politikwissenschaftlerin Daniela Schwarzer stimmt dem zu. Sie erklärt, warum die Corona-Maßnahmen vor allem einkommensschwache Haushalte wirtschaftlich hart getroffen haben. Trump sei nun derjenige gewesen, der gesagt habe: „Gesundheitsschutz interessiert uns weniger, wir lassen die Läden offen.“ Das habe schlichtweg den Interessen seiner Wähler entsprochen.

Peter Altmaier verneint nicht, dass es eine Parallele zu Deutschland gebe: „Ich glaube, dass es diesen Frust gibt.“ Eine Antwort wie damit umzugehen ist, habe er nicht. Da kommt Kleber mit der Forderung nach einem „Zuhören“ um die Ecke. Das sei das Mittel der Stunde und der beruhigend wirkende Joe Biden sei dafür der geeignete Kandidat.

Und dann geht der Blick weg von Trump in Richtung Zukunft. Altmaier und Gabriel sind sich einig: Unter Biden werde Europa mehr militärische Verantwortung abverlangt, die allerdings auch schon unter Obama zugesagt worden sei und bislang nicht erfüllt wurde. Auseinandergehen würden die Positionen dagegen vor allem in der Haltung zu China und zum Bau der Gaspipeline „Nord Stream 2“.

Forderung bei „maybrit illner“: Bei der Klimaneutralität bis 2050 müssen die USA einsteigen

Wie damit umgehen, will Illner wissen. Gabriel erklärt die diplomatischen Mittel: „Wir müssen das Feld vergrößern, um ins Gespräch zu kommen“. Altmaier wird konkreter: Es sei wichtig, in der Klimaneutralität voranzukommen. Japan und Europa hätten 2050 als Ziel erklärt, China setze auf 2060 - die USA müssten sich auf das frühere Ziel einigen, das würde helfen, „auch in der gemeinsamen Handelspolitik voranzukommen“. Und meint damit die von den USA Richtung Europa gerichtete Forderung, sich von China wirtschaftlich zu distanzieren.

Souad Mekhennet erinnert daran, dass es nicht bloß Biden ist, der die US-Außenpolitik der nächsten Jahre bestimmen wird: „Senat, Außenminister und der Nationale Sicherheitsberater“ hätten enormen Einfluss.

Fazit des Maybrit Illner-Talks

Ein Kessel Buntes an Gästen: ein bisschen TV-Geschäft, ein bisschen Politik, ein wenig Hintergrundanalyse. Es fallen viele Worte, so richtig fesselnd ist die Runde nicht. Vielleicht war es auch das falsche Thema. Wie sagte Gabriel schon beim letzten Mal: „Irgendwann müssen wir auch mal aufhören, über Donald Trump zu reden.“

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