Sarah Huckabee Sanders hält eine Rede, im Hintergrund lächelt Donald Trump.
+
Sarah Huckabee Sanders will Donald Trumps Einfluss stärken - und mit ihr weitere Vertraute des Ex-Präsidenten.

Kampf um die Partei beginnt

Trump-Marsch durch die Institutionen läuft offenbar an - Armada von Getreuen greift schon nach Ämtern

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
    schließen

Die Ära Trump ist vorbei - vorerst. Denn nun läuft offenbar eine „zweite Welle“ an. Eine ganze Reihe an Getreuen greift nach Ämtern. Und spart nicht mit Gepolter im Trump-Stil.

Washington - Donald Trump trat 2016 als „Anti-Establishment“-Kandidat zur Präsidentschaftswahl an. Angesichts seiner Biografie und gesellschaftlichen Privilegien eine eher wilde Selbstzuschreibung. Doch in einem Punkt gleicht die Entwicklung nach seinem Abgang der Historie früherer Establishment-Bewegungen: Eine ganze Reihe von politisch eigentlich unerfahrenen Trump-Getreuen will nun an die hohen Posten und Mandate in den USA. Eine Art „Marsch durch die Institutionen“ auf sehr kurzem Wege. Wenn auch mit ganz anderen Zielen, als sie die 68er formuliert hatten.

Trump ringt um Macht bei den Republikanern: Acht Anhänger könnten parteiinterne Gegner aus Posten drängen

Die US-Nachrichtenwebseite The Hill hat am Dienstag eine Auflistung von Vertrauten Trumps erstellt, die aktuell in Amt und Würden streben. Acht Namen finden sich in dem Bericht. Und dabei geht es freilich nur um in absehbarer Zeit möglicherweise vakant werdende Posten.

Die Entwicklung ist brisant. Hintergrund ist auch der Kampf um die Macht in der republikanischen Partei. Trump hatte zuletzt den Minderheitsführer der Partei im Senat, Mitch McConnell, heftig verbal attackiert. Und schon vor der Amtsübergabe an Joe Biden kündigte der scheidende Präsident einen Kampf um das Sagen in seiner Partei an. Nach dem Sturm auf das Kapitol gewann die Frage weiter an Sprengkraft. Schließlich hatten sich einige Republikaner nach den schockierenden Szenen von Trump distanziert.

Trump-Getreue greifen nach Ämtern - Kampf gegen Kritiker bei Republikanern läuft an

In der Aufreihung der machtwilligen Trump-Getreuen finden sich einige bekannte Namen. Etwa Richard Grenell, der zwischenzeitlich als Trumps Botschafter in Deutschland für einige Aufregung gesorgt hatte. Er soll angeblich als Kandidat für den Posten als Gouverneur von Kalifornien in Stellung gebracht werden. Der Republikaner Gavin Newsom könnte dort nach Aufregung um seinen Corona-Kurs per Petition aus dem Amt vertrieben werden. Trump selbst beobachte die Lage genau, berichtete der Sender Bloomberg - Newsom hatte Trump schon 2019 als „Schande“ bezeichnet.

An zwei frei werdenden Senatoren-Posten in Pennsylvania und Alabama sind dem Bericht zufolge mit dem Trump-Familien-Intimus Cliff Sims und Trumps Slowenien-Botschafterin Lynda Blanchard sowie Ex-Marineminister Kenneth Braithwaite und der früheren Botschafterin in Kopenhagen, Carla Sands, gar vier Trump-Anhänger interessiert. Und Trumps einstige Sprecherin Sara Huckabee Sanders hat ohnehin bereits offiziell ihre Kandidatur als Senatorin für Arkansas erklärt.

Damit scheint nun tatsächlich der Versuch anzulaufen, Trump-kritische Stimmen unter den republikanischen Mandatsträgern zu verdrängen. So soll zum Beispiel womöglich Max Miller, Mitarbeiter im Weißen Haus unter Trump, den republikanischen Abgeordneten Anthony Gonzalez bei den Vorwahlen in Ohio verdrängen - Gonzalez hatte für das Impeachment gestimmt. Nach Informationen der Webseite Politico hat sich Miller einen neuen Wohnsitz in Ohio zugelegt.

In Arkansas ist bislang mit Asa Hutchinson eine parteiinterne Trump-Kritikerin Senatorin. Und auch der republikanische Senator von Pennsylvania, Pat Toomey, hatte Trump als Anstifter einer Unruhe gebrandmarkt. Laut Politico gibt es auch für zwei weitere Impeachment-Unterstützer der Republikaner im Repräsentantenhaus, Liz Cheney und Adam Kinzinger, „mehrere“ Kontrahenten für die Vorwahlen. Eine weitere Impeachment-Unterstützerin, Jaime Herrera Beutler, hatte kürzlich einschüchternde Worte der QAnon-nahen Abgeordneten und Trump-Anhängerin Marjorie Greene einstecken müssen.

Trump-Vertraute will Senatorin werden: Ex-Botschafterin nennt Kontrahenten „Sumpf-Kreaturen“

An äußerst klar formulierten Ansagen der Trump-Anhänger mangelt es nicht. „Wir werden dem Sumpf die verdammte Ladung gesunden Menschenverstand und konservative Prinzipientreue verpassen, die es braucht, um Amerika wirklich wieder großartig zu machen“, erklärte etwa Blanchard in einem Clip zu ihrer Kandidatur - und bezeichnete ihre politische Gegner als „Sumpf-Kreaturen“. Die gut 8000 Abrufe des Wahlkampf-Videos (Stand: 25. Februar) sprachen gleichwohl nicht für überbordendes Interesse.

Mit den Worten „alles, was wir an Amerika lieben, steht auf dem Spiel“, hatte Sanders im Januar ihre Kampagne eingeleitet. „Und mit der radikalen Linken, die jetzt die Kontrolle über Washington hat, ist Ihr Gouverneur Ihre letzte Verteidigungslinie.“ Sims warf Joe Biden jüngst in der Washington Post vor, die neue Regierung „buckele“ vor China und „zerquetsche amerikanische Jobs unter dem Gewicht radikaler Umweltschützerei“.

Klar ist aber auch: Um mit ihren Bewerbungen Erfolg zu haben, müssen Trumps Leute zunächst ihre Wähler überzeugen. Sollte das gelingen, spräche es für eine ungebrochene Popularität des Ex-Präsidenten, allen Skandalen zum Trotz. Zumindest die Republikaner seien „immer noch Trumps Partei“, erklärte der frühere Abgeordnete Lou Barletta The Hill. Trump könne seit dem Impeachment an der Parteibasis gar noch an Popularität gewonnen haben. „Wenn das Ziel der Demokraten war, ihn zu disqualifizieren, dann könnten sie ihn nur noch größer gemacht haben.“ Andere Experten sehen sogar die Vereinigten Staaten weiter als „Trumps USA“. (fn)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare