Anthony Fauci verschränkt die Arme, Donald Trump verlässt den Raum
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Anthony Faucis Meinung wurde von Donald Trump gering geschätzt.

Erfahrener Berater nun „befreit“

Angst und bizarre Tipps: Corona-Experte Fauci spricht über seine Arbeit unter Trump - „War das Stinktier“

  • vonJosef Forster
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Der US-amerikanische Immunologe Anthony Fauci gilt als Experte in der Corona-Pandemie. Sein Rat wurde unter der Trump-Regierung gering geschätzt, unter Joe Biden erfolgt der Kurswechsel.

  • Anthony Fauci, renommierter US-amerikanischer Immunologe, beriet alle US-Präsidenten seit Ronald Reagan.
  • Donald Trumps Verhältnis zu dem 80-jährigen Wissenschaftler war angespannt.
  • In einem Interview mit der New York Times spricht Fauci über die vergangenen Monate im Weißen Haus.

Washington D.C. - Anthony Fauci wirkte wie ausgewechselt. Bei seinem ersten Auftritt nach dem Machtwechsel im Weißen Haus strahlte der 80-Jährige förmlich, als er die versammelte Hauptstadt-Presse in die Pläne der Biden-Regierung einweiht. Mit den Worten „wir lassen die Wissenschaft sprechen“, unterstrich der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten den Kurswechsel der neuen Regierung. Waren die Corona-Pressekonferenzen mit Präsident Donald Trump noch von dessen Thesen und allgemeiner Verwirrung geprägt, blüht der Wissenschaftler unter Joe Bidens neuer Corona-Politik offenbar auf. Dass die Meinung des gebürtigen New Yorkers von höchster Stelle gering geschätzt wurde, liegt allerdings nur wenige Wochen zurück.

Donald Trump dachte laut über Entlassung Anthony Faucis nach

In einem Interview mit der New York Times gewährt Anthony Fauci tiefe Einblicke in die Corona-Politik der Trump-Regierung. In einem Gespräch soll Donald Trump Fauci aufgefordert haben, nicht so „negativ“ zu sein. „Du musst eine positive Einstellung einnehmen“. Eine Haltung, die nicht nur dem Immunologen bei über 400.000 Corona-Toten in den USA schwerfiel. Vor allem sein öffentlicher Widerspruch gegen Donald Trumps Aussagen im Bezug auf das Virus machte den Wissenschaftler zur Zielscheibe von Anfeindungen: In dem Gespräch berichtete der 80-Jährige von zahlreichen Morddrohungen gegen ihn und seine Familie. Donald Trump hatte es versäumt, den Immunologen in den letzten Monaten seiner Amtszeit in Schutz zu nehmen. Im Gegenteil: Bei Wahlkampfveranstaltungen scherzte er mit dem Publikum, den Wissenschaftler zu feuern.

Anthony Fauci: Das „Stinktier“ beim Picknick

Doch nicht nur in der Öffentlichkeit zeigte Donald Trump seine Ablehnung gegenüber Faucis Erkenntnissen. Auch bei internen Beratungsrunden vertraute der Präsident laut Fauci auf die Meinungen seiner politischen Berater:innen, statt auf seine Expertise. Auch deshalb entschied sich der Immunologe, seinen Posten weiter auszufüllen und nicht zurückzutreten. „Wenn ich gehe, bleibt eine Lücke zurück. Irgendjemand muss sich trauen, die Wahrheit auszusprechen“, fasst Fauci seine Aufgabe im Weißen Haus zusammen - ähnlich hatte vor wenigen Wochen der geschasste Verteidigungsminister Mark Esper seinen langen Verbleib begründet.

„Es gab diesen Witz, einen freundlichen Witz, laut dem ich das Stinktier beim Picknick sei“, sagte nun Fauci. Für viele in Trumps Umfeld galt der Immunologe als Spielverderber, Mahner und Schwarzmaler, denn Fauci widersprach den Verharmlosungen des Virus, durch die sich die Trump-Regierung vor allem in der Anfangszeit auszeichnete.

Erst am Wochenende hatte sich Trumps frühere Corona-Taskforce-Leiterin Deborah Birx mit Kritik zu Wort gemeldet. Jedes Mal, wenn sich ein führender Politiker nicht gemäß der Bedürfnisse der Corona-Bekämpfung geäußert habe, habe das ihre Arbeit „aus der Bahn geworfen“, sagte Birx ohne Trumps Namen zu nennen - gerade weil die pandemische Lage die Mitwirkung aller Bürger im Land verlange. Sie persönlich sei gerne auf Reisen durch die USA gegangen: Dort sei sie „nicht zensiert worden“, betonte die Ärztin. Im Weißen Haus habe es hingegen Corona-Leugner gegeben.

Joe Biden: Mit 200 Seiten Strategie-Konzept gegen die Coronakrise

„Befreiend“ sei es für ihn, sagte nun auch Anthony Fauci, über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Corona-Pandemie sprechen zu können, ohne Sorge über negative Konsequenzen haben zu müssen. Nach dem Machtwechsel im Weißen Haus wird dem Wissenschaftler wohl mehr Gehör geschenkt werden, gilt Fauci doch seit der Präsidentschaft Ronald Reagans als wichtiger Berater der US-Regierung.

Der aktuelle US-Präsident Joe Biden gibt in den ersten Tagen seiner Amtszeit jedenfalls die Richtung vor. Die Bekämpfung der Corona-Pandemie gehört zu den Säulen seiner Präsidentschaft, sodass er einen rund 200-seitigen Aktionsplan zur Bekämpfung des Virus vorstellte. Außerdem merkte Biden an, dass Wissenschaftler unter seiner Regierung künftig keine „politische Einmischung“ in ihre Arbeit zu befürchten hätten. In der Botschaft schwingt wohl auch ein versteckter Seitenhieb gegen die Vorgänger-Regierung unter Donald Trump mit. (AFP/jjf)

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