Für was steht der US-Präsident?

Trump prahlt in Video mit Erfolgen - doch mit dem Friedensnobelpreis nimmt er es nicht so genau

Für was steht Donald Trump? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Noch-Präsident der USA nun in einem selbst veröffentlichten Video - Fehler inklusive.

  • Noch bis zum 20. Januar 2021 ist Donald Trump Präsident der USA.
  • Kurz vor Amtsabtritt veröffentlichte der Republikaner ein glorifizierendes Video.
  • In dem Clip schmückt sich der 74-Jährige mit fremden Federn.

Washington - Donald Trump und Twitter - eine Liebesbeziehung, die fast schon ihresgleichen sucht. Der Noch-Präsident der USA verwendet den Kurznachrichtendienst nicht erst seit seinem Wahlsieg 2016 als politisches Sprachrohr. Immer wieder setzt er so zum Rundumschlag an.

USA: Donald Trump und Twitter - täglich neue Beiträge

Politische Gegner werden in den pro Beitrag erlaubten 240 Zeichen öffentlich diffamiert. Wahlwidersacher Joe Biden wurde stets als „Sleepy Joe“ (schläfriger Joe), Hillary Clinton als „Betrügerin“ beleidigt. Die Liste ist lang. Die New York Times veröffentlichte im Mai 2019 eine Aufzählung aller Twitter-Beleidigungen Donald Trumps. Sie umfasste 538 Menschen, Orte und Dinge, die der Republikaner attackiert hat und dürfte mittlerweile deutlich gestiegen sein.

Fernab von etwaigen Giftpfeilen nutzt der 74-Jährige Twitter derzeit vor allem dazu, um den Ausgang der US-Wahl anzufechten. Trump scheint seine Wahlniederlage gegen Biden immer noch nicht akzeptieren zu wollen und sprach jüngst gar von der „korruptesten Wahl der US-Geschichte.“ Twitter reagiert auf solche Beiträge mittlerweile mit Warnhinweisen.

Donald Trump: Noch-Präsident veröffentlicht Twitter-Video - „Trump steht für ...“

Auf einigen seiner insgesamt mehr als 59.300 Tweets inszeniert sich der frühere Unternehmer indes auch selbst. Ein im Vorfeld der US-Wahl veröffentlichtes Video zeigte ihn, wie er zum zeitlosen Klassiger der Village People tanzt - YMCA. Der Beitrag wurde in den USA überwiegend positiv gesehen, aufgrund von Urheberrechtsverletzungen mittlerweile jedoch entfernt.

Am 28. Dezember veröffentlichte Trump nun erneut ein Video, in dem er seine vierjährige Amtszeit vermutlich Revue passieren lassen möchte. In dem einminütigen Clip inszeniert sich der 74-Jährige als jemand, der die Vereinigten Staaten von Amerika verkörpere. Neben aussagekräftigen Bildern werden immer wieder kurze Einzeiler eingefügt, die deutlich machen sollen, was der Noch-Präsident symbolisiere: „Trump steht für Amerika. Trump steht für amerikanische Jobs. Trump steht für Freiheit. Trump steht für amerikanische Gerechtigkeit. Trump steht für unsere militärische Macht. Trump steht für Frieden. Trump steht für Recht und Ordnung. Trump steht für unsere Flagge.“

USA: „Trump steht für Frieden?“ Rassismus-Debatte zeichnete anderes Bild

Das kommentarlos veröffentlichte Video scheint den 45. Präsidenten des Landes rund drei Wochen vor offiziellen Amtsantritt in ein positives Licht rücken zu wollen. Für Kritik ist in dem Clip kein Platz. Am diffusesten wirkt das Video indes beim Punkt „Trump steht für Frieden“. Im Vorfeld der US-Wahl schien der gebürtige New Yorker nämlich vielmehr zur Spaltung als Vereinigung aufzurufen. Am deutlichsten wurde dies am Rande der Anti-Rassismus-Proteste im ganzen Land nach dem Tod George Floyds und anderer durch Polizeigewalt gestorbener Afroamerikaner.

Für die Proteste schien der Präsident nämlich wenig Verständnis zu haben, sprach aufgrund von Ausschreitungen vielmehr von der „Wiederherstellung von Recht und Ordnung“, anstatt sich mit der eigentlichen Materie zu beschäftigen. Das wurde beispielsweise deutlich, als er sich bei seinem Besuch in Kenosha, einem der Zentren der Demonstrationen, nicht mit der Familie des durch Polizisten getöteten Jacob Blake getroffen, sondern vielmehr öffentlich und medienwirksam bei den Behörden bedankt hatte. Anti-Rassismus-Aktionen tat Trump später als „anti-amerikanische Propaganda“ ab, zur Gewalt Rechtsextremer schwieg er lange.

Law & Order, Recht und Ordnung: Dieses Narrativ war am Rande der Proteste in Kenosha omnipräsent. Die Anhänger Donald Trumps zeigten es regelmäßig auf Gegendemonstrationen.

Donald Trump: Schmücken mit fremden Federn? Friedensnobelpreismünze irritiert

Die Sequenz „Trump steht für Frieden“ ist gleichzeitig aber auch wegen einem anderen Aspekt fragwürdig. Denn in dem Video wird neben Bildern der historischen Annäherung Israels mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain auch die Münze des Friedensnobelpreises eingeblendet. Allerdings hat Trump diese Auszeichnung nie bekommen. Trump wurde tatsächlich für die Auszeichnung vorgeschlagen. Wie im Jahr 2018 machte sich der norwegische Rechtspolitiker Christian Tybring-Gjedde für den US-Präsidenten stark. Vor dem Friedensnobelpreiskommitee kann jede Person oder Organisation vorgeschlagen werden.

Trump blieb am Ende jedoch abermals unberücksichtigt, den Sieg sicherte sich das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). Dennoch will sich Trump offenbar nach wie vor mit der Auszeichnung in Verbindung bringen. Und das nicht zum ersten Mal. Vergangenes Jahr meinte der Republikaner, er bekäme den Nobelpreis „für viele Sachen“ , wenn er denn fair vergeben werden würde. Unabhängig dessen ist sein Video auf Twitter sehr beliebt. Bis Dienstagmittag, 12 Uhr (MEZ) wurde der Beitrag mehr als 5,4 Millionen Mal angesehen und erhielt knapp 200.000 „Gefällt mir“-Angaben. (as)

Rubriklistenbild: © Ole Spata/Alex Brandon/AP/dpa (Fotomontage)

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